add_action('wp_footer', function () { echo ''; }, 99); add_action('wp_footer', function () { echo ''; }, 99);
Warning: session_start(): Cannot send session cookie - headers already sent by (output started at /homepages/u62522/http/forschungsstelle-appmusik-de/wordpress/wp-content/themes/BusinessThemeRes/functions.php:238) in /homepages/u62522/http/forschungsstelle-appmusik-de/wordpress/wp-content/plugins/easy-redirect-manager/redirect-rules.php on line 11

Warning: session_start(): Cannot send session cache limiter - headers already sent (output started at /homepages/u62522/http/forschungsstelle-appmusik-de/wordpress/wp-content/themes/BusinessThemeRes/functions.php:238) in /homepages/u62522/http/forschungsstelle-appmusik-de/wordpress/wp-content/plugins/easy-redirect-manager/redirect-rules.php on line 11

Warning: Cannot modify header information - headers already sent by (output started at /homepages/u62522/http/forschungsstelle-appmusik-de/wordpress/wp-content/themes/BusinessThemeRes/functions.php:238) in /homepages/u62522/http/forschungsstelle-appmusik-de/wordpress/wp-includes/feed-rss2.php on line 8
TOUCH:MUSIC (BMBF) – Forschungsstelle Appmusik http://forschungsstelle.appmusik.de Institut für digitale Musiktechnologien in Forschung und Praxis Fri, 20 Feb 2026 18:09:21 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.31 http://forschungsstelle.appmusik.de/wordpress/wp-content/uploads/2016/05/cropped-Logo_Forschungsstelle-Appmusik_klein-32x32.png TOUCH:MUSIC (BMBF) – Forschungsstelle Appmusik http://forschungsstelle.appmusik.de 32 32 61494488 Rückblick und Ausblick zur MOBILE MUSIC IN THE MAKING http://forschungsstelle.appmusik.de/rueckblick-und-ausblick-zur-mobile-music-in-the-making/ http://forschungsstelle.appmusik.de/rueckblick-und-ausblick-zur-mobile-music-in-the-making/#respond Wed, 05 Jul 2017 05:57:50 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=2382 – Gegenwart und Zukunft des mobilen Musikmachens aus Perspektive der Musikpädagogik, Kunst, Technologieentwicklung und Wissenschaft –   Vom 10. bis 11. März 2017 fand an der Universität der Künste Berlin die internationale Fachtagung MOBILE MUSIC IN THE MAKING 2017 statt. Sie wurde veranstaltet von Matthias Krebs und Marc Godau von der Forschungsstelle Appmusik (Institut für […]

Der Beitrag Rückblick und Ausblick zur MOBILE MUSIC IN THE MAKING erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
– Gegenwart und Zukunft des mobilen Musikmachens aus Perspektive der Musikpädagogik, Kunst, Technologieentwicklung und Wissenschaft –

 

Vom 10. bis 11. März 2017 fand an der Universität der Künste Berlin die internationale Fachtagung MOBILE MUSIC IN THE MAKING 2017 statt. Sie wurde veranstaltet von Matthias Krebs und Marc Godau von der Forschungsstelle Appmusik (Institut für digitale Musiktechnologien in Forschung und Praxis) der Universität der Künste Berlin. Den Rahmen bot das BMBF-geförderte Verbundprojekt TOUCH:MUSIC der UdK Berlin mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, in dem auch die Weiterbildung Zertifikatskurs tAPP entwickelt und erprobt wurde.

Foto: Stefan Gräfe

Die Tagung war schon Mitte Januar ausgebucht. Zielgruppe waren vor allem Akteure, die schon intensiver mit dem Thema Appmusik vertraut sind, darunter Musiker_innen, Musikpädagog_innen und -vermittler_innen, Wissenschaftler und App-Entwickler_innen sowie Vertreter_innen aus Verbänden, Stiftungen und Kulturinstitutionen. Unter den Referent_innen und Gästen waren auch zahlreiche Expert_innen aus dem europäischen Ausland.

„Wir wollen zentrale Fragen stellen: Welchen Beitrag können musikalische Vermittlungsprojekte mit Apps für die gegenwärtige Kulturelle Bildung leisten? Wie gestalten sich neue technologische und musikalische Entwicklungen mit mobilen Digitalgeräten?“, so Matthias Krebs und Marc Godau von der Forschungsstelle Appmusik. „Das Symposium hat das Ziel Akteure aus dem stark ausdifferenzierten Feld zusammenzubringen, um die unterschiedlichen Erfahrungen zu diskutieren, Synergien zu schaffen und Neues zu schöpfen.“

Es sollte eine Austauschplattform geschaffen werden, die Akteure verschiedener Kontexte zusammenbringt. An den 52 Sessions und den intensiv geführten Diskussionsrunden nahmen über 150 Teilnehmer teil. In der Konzeption der Fachtagung war es den Veranstaltern wichtig, möglichst verschiedene technische Ansätze und wissenschaftliche Perspektiven, die Diversität von kreativ-gestalterischen Angeboten in der Kulturellen Bildung und Künstler unterschiedlicher Musikpraxen zusammenzubringen.

So berührt musikalisch-kulturelle Bildung mit Apps (1) das Feld musikpädagogischer Forschung. Darin geht es um eine forschungsgeleitete Auseinandersetzung mit Zielen und Wirkungen musikpädagogischen Handelns in der Kulturellen Bildung. Gerade der Technologiebezug der Thematik bewirkt, dass die kulturelle Bildungspraxis Schnittstellen zu Bereichen hat, in denen auch Technologieentwicklungen positioniert sind. Daher wurden (2) App-Entwickler_innen als Innovator_innen bei der Fachtagung eingeladen. Da es sich bei Appmusik natürlich nicht allein um eine pädagogische, sondern auch um ein künstlerisches Feld handelt, waren (3) Musiker_innen mit unterschiedlichen Ansätzen eingeladen, ihre Strategien zu erläutern und ihre Musik zu präsentieren. Darüber hinaus ist auch eine steigende Relevanz kultureller Bildungsangebote mit Apps (4) für diverse Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie Stiftungen, Verbände und Politik für die Weiterentwicklung von Bedeutung.

Alle Infos und Materialien zur #MMM2017berlin unter www.mmm2017.appmusik.de

Aufgrund der Konzeption, die sich einerseits speziell an der heterogenen Zielgruppe des internationalen Symposiums ausrichtete, gab es Tagungsformate, die unterschiedliche Formen der Partizipation ermöglichen sollten: Keynote, BarCamp und Sessions, Vorträge, Diskussionsrunden sowie openLINKjam und Konzert. Dadurch konnten die Grenzen zwischen Vortragenden und Publikum teilweise verschwimmen. Dies hatte den Effekt, dass Synergien angeregt und die Vielfalt an Expertisen eingebunden wurden.

Vorgestellt und diskutiert wurden insgesamt 17 Bildungsprojekte, die in Schulen, Sozialeinrichtungen, Bibliotheken und Kindergärten durchgeführt wurden. Es stellten App-Entwickler_innen Neuerungen vor sowie auch Medien-Installationen und physische Steuergeräte, um Klänge zu modulieren. In wissenschaftlichen Beiträgen wurden Konzepte erörtert und Fragen aufgeworfen, die in moderierten Diskussionen in interdisziplinärer Runde verhandelt wurden.

Zentrale Fragestellungen waren:

  • Wie können Musiktechnologien an konkrete Zielstellungen für die musikalische Arbeit mit diversen Zielgruppen sowie künstlerische Projekte angebunden werden?
  • Welche Anforderungen stellen musikalisch-kulturelle Bildungsprojekte an Institutionen?
  • Welche kreativen Potenziale bieten digitale Musiktechnologien für künstlerisches Schaffen und wie lassen sich damit kreative Prozesse fördern?
  • Wie lassen sich appmusikalische Musizierpraxen differenziert beschreiben?
  • Wie kann auch der technologische Fortschritt selbst als Teil Kultureller Bildung betrachtet werden, der einen wesentlichen Teil gegenwärtiger Gesellschaft ausmacht.

Ergebnisse der ersten internationalen Fachtagung MOBILE MUSIC IN THE MAKING werden sowohl in einem Tagungsband als auch auf der Tagungswebseite veröffentlicht. Darunter die Sessionbeschreibungen der Referenten, Diskussionsprotokolle sowie Infos und Videos vom Abschlusskonzert MOBILE MUSIC in concert.

„Wir denken, dass mit der Veranstaltung ein wichtiger Schritt nach vorn gemacht werden konnte, um Akteure aus dem Feld ‚Musikmachen mit Apps‘ zusammenzubringen, Projekte sichtbar zu machen und die vorhandene Diversität einmal aufzufächern“ so Lukas Bergmann. Nicht zuletzt sollen die gesammelten Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Zertifikatskurses tAPP – Musik mit Apps in Bildungskontexten beitragen, der an der Bundesakademie Wolfenbüttel ab November 2017 angeboten und von den Mitarbeiter_innen der Forschungsstelle Appmusik geleitet wird. Darüber hinaus bietet eine solche Fachtagung in der Form einer partizipativen Durchführung von wissens- und diskursorientierter Veranstaltungen eine willkommene Austauschplattform des sich formierenden Netzwerkes von Akteuren, die Bildungsangebote mit digitalen Musiktechnologien schaffen.

„Eine Fortsetzung von MOBILE MUSIC IN THE MAKING in Form einer internationalen Fachtagung würden wir Mitarbeiter der Forschungsstelle Appmusik uns im kommenden Jahr wünschen. An der Konzeption und Finanzierung sind wir dran. Bis Oktober 2017 sollte feststehen, ob eine #MMM2018berlin im April/Mai 2018 stattfinden kann“, so Matthias Krebs.

Aktuell geht es mit dem Tagungsband in die Vollen. 14 Autor_innen sind involviert und mit dem Kopead-Verlag konnte ein passender Partner für diese Unternehmung gefunden werden. Weiteres Material zur Veranstaltung finden Sie im Folgenden:

 

Links:

Presse:

  • Deutschlandfunk, Sendung: Corso, Matthias Krebs im Gespräch mit Sören Brinkmann – LINK
  • Deutschland Radio, Sendung: Kompressor, Paul Paulun – LINK
  • Deutschlandfunk, Musikjournal: Virtuelle Klangerzeugung mit Smartphones und Apps, von Dr. Matthias Nöther – LINK
  • nmz – Neue Musikzeitung: Expansionsphänomen Musik-App – Zur Fachtagung „Mobile Music in the Making 2017“ – LINK
  • Fachzeitschrift Üben & Musizieren: Mobile Music in the Making – Eine Tagung an der UdK Berlin untersuchte Entwicklungen im Bereich Appmusik, von Corina Kolbe
  • Fachzeitschrift Praxis des Musikunterrichts: MOBILE MUSIC IN THE MAKING 2017, von M. Krebs und M. Godau
  • Fachzeitschrift Das Orchester: MOBILE MUSIC IN THE MAKING 2017, von Corina Kolbe

Blogs:

 

Der Beitrag Rückblick und Ausblick zur MOBILE MUSIC IN THE MAKING erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/rueckblick-und-ausblick-zur-mobile-music-in-the-making/feed/ 0 2382
#MMM2017 beginnt… http://forschungsstelle.appmusik.de/mmm2017-beginnt/ http://forschungsstelle.appmusik.de/mmm2017-beginnt/#respond Thu, 09 Mar 2017 16:06:28 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=2157 Die Spannung steigt. Mit über 130 angemeldeten Teilnehmer_innen und über 40 Sessions wird das internationale Symposium »Mobile Musik in the Making 2017« am morgigen Freitag (10.03.2017) eröffnet. An zwei Tagen soll auf der Tagung ein erster intensiver Austausch und Kontakt der verschiedenen internationalen Akteur_innen angeregt werden, die sich mit dem Phänomen des mobilen Musikmachens auseinandersetzen. In wissenschaftlichen Vorträgen, […]

Der Beitrag #MMM2017 beginnt… erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Die Spannung steigt. Mit über 130 angemeldeten Teilnehmer_innen und über 40 Sessions wird das internationale Symposium »Mobile Musik in the Making 2017« am morgigen Freitag (10.03.2017) eröffnet. An zwei Tagen soll auf der Tagung ein erster intensiver Austausch und Kontakt der verschiedenen internationalen Akteur_innen angeregt werden, die sich mit dem Phänomen des mobilen Musikmachens auseinandersetzen.

In wissenschaftlichen Vorträgen, praxisnahen Präsentationen und in Konzerten wird das enorme Spektrum des Verhältnisses von Musik und digitalen Mobiltechnologien aufgefächert. Dabei geht es keinesfalls um Vollständigkeit, sondern um die Suche nach Anschlüssen, Erkenntnissen, offenen Fragen und Zukunftsperspektiven über das Musikmachen von heute und morgen.

Alle Infos auf unserer Konferenz-Webseite: www.mmm2017.appmusik.de

Kern des internationalen Symposiums ist der Austausch: Diskussionen werden zu verschiedenen Themen geführt, es gibt viel Raum für Gespräche sowie gemeinsames Musikmachen und das BarCamp am Freitag bietet nicht zuletzt die Möglichkeit, um die Grenzen zwischen Besucher_innen und Vortragenden aufzulösen. Sie sind herzlich dazu eingeladen, selbst Themen vorzustellen, Fragen und Probleme zu diskutieren, sich über derzeitige Entwicklungen zu informieren oder sich überraschen zu lassen.

—> Hier geht´s zum Übersichtsplan.

—> Und hier können Sie sich über die einzelnen Referent_innen des internationalen Symposium informieren.

Nun wünschen wir allen Beteiligten gutes Gelingen und allen Besucher_innen viel Spaß und anregende Gespräche.

Der Beitrag #MMM2017 beginnt… erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/mmm2017-beginnt/feed/ 0 2157
MMM2017: Einblicke in die Programmplanung – im direkten Kontakt mit Spezialist_innen http://forschungsstelle.appmusik.de/mmm2017-einblicke-in-die-programmplanung/ http://forschungsstelle.appmusik.de/mmm2017-einblicke-in-die-programmplanung/#respond Thu, 19 Jan 2017 13:52:29 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=2106 Vom 10. bis 11. März 2017 findet an der Universität der Künste Berlin die internationale Fachtagung »Mobile Music in the Making 2017« (MMM2017) statt. Rahmen ist das seit 2014  BMBF-geförderten Verbundprojektes Touch:Music der UdK Berlin mit der Bundesakademie Wolfenbüttel. In diesem Blogbeitrag wollen wir Einblicke in die Programmplanung geben. Update: Wir haben eine Konferenz-Webseite erstellt, […]

Der Beitrag MMM2017: Einblicke in die Programmplanung – im direkten Kontakt mit Spezialist_innen erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Vom 10. bis 11. März 2017 findet an der Universität der Künste Berlin die internationale Fachtagung »Mobile Music in the Making 2017« (MMM2017) statt. Rahmen ist das seit 2014  BMBF-geförderten Verbundprojektes Touch:Music der UdK Berlin mit der Bundesakademie Wolfenbüttel. In diesem Blogbeitrag wollen wir Einblicke in die Programmplanung geben.

Update: Wir haben eine Konferenz-Webseite erstellt, auf der nun alle Informationen zum Programm, zu den Referenten und zur Organisation zusammengefügt sind. Folgen Sie gleich diesem Link —> www.mmm2017.appmusik.de

 

Zur Konzeption

In der Konzeption der internationale Fachtagung ist es uns wichtig, möglichst diverse Praxen, Erfahrungen und Methoden vorzustellen und unterschiedliche Akteure zusammenzubringen. Diese stammen sowohl aus Beschäftigung mit mobilen Musiktechnologien in künstlerischen als auch kultur- sowie musikpädagogischen Praxen und in darüber hinaus vielen angrenzenden Fachbereichen wie etwa der Technologieentwicklung.

Infolgedessen gibt es verschiedene Tagungsformate, die sich einerseits speziell an der heterogenen Zielgruppe des Internationalen Symposiums ausrichten und andererseits unterschiedliche Formen der Partizipation ermöglichen sollen:

  • Sessions
  • Vorträge (mehr dazu hier)
  • Diskussionsforen
  • sowie BarCamp, Konzert, Keynote

In diesem Beitrag möchten wir euch einige Referenten und aus den Sessions vorstellen.

Update: Wir haben eine Konferenz-Webseite erstellt, auf der nun alle Informationen zum Programm, zu den Referenten und zur Organisation zusammengefügt sind. Folgen Sie gleich diesem Link —> www.mmm2017.appmusik.de

 

Was könnt ihr in den Sessions erwarten?

Die 25minütigen Sessions zielen darauf ab, in direkten Kontakt mit Spezialist_innen zu kommen und mit ihnen konkrete Projekte zu erörtern. Insgesamt sind 30 Sessions bei der MMM2017 geplant, die parallel stattfinden. Das Programm ist gerade in der Entwicklung, doch wollen wir hier schon ein paar der Vortragenden vorstellen:

Jakob Haq (Sweden)

Jakob Haq ist ein schwedischer Musiker, mit einer besonderen Art mit verschiedenen Musiktechnologien Musik zu produzieren.
Bekannt ist er insbesondere als YouTuber, der regelmäßig Videos veröffentlicht, in denen er Realisierungen von Sounds und Musikproduktionen anhand verschiedenster Musikapps vorstellt. Daneben ist er professioneller Produzent von Tutorial-Videos zu neuen Musikapps. Damit gehört er zu den absoluten Spezialisten in diesem Bereich.

 

Hari Karam Singh (London)

Hari Karam Singh ist Musiker, Erfinder, Designer, Hacker und Yogi. Er interessiert sich für die Tiefe des menschlichen Bewusstseins und sein kreatives Potenzial, was ihn dazu gebracht hat, ein Diplom in Physik zu machen, als Kundalini Yogalehrer zu trainieren und sein eigene Musikinstrumente zu erfinden.

Auf der MMM2017 wird er seine neueste Erfindung, die Musikapp AC Sabre, ein MIDI-Instrument bzw. einem Motion-Controller vorstellen, ein Werkzeug, das die rohe, spontane, menschliche Energie zurück in die elektronische Musikperformance bringt.

 

Frauke Hohberger (Hannover)

Die freie Musikpädagogin und Autorin, Frauke Hohberger, arbeitet mit Apps in der Musikvermittlung, in Projekten Kultureller Bildung mit Musik sowie in sozialpädagogischen Zusammenhängen im Raum Niedersachsen. Sie hat den ersten Durchgang des Zertifikatskurs tAPP (2015) besucht und leitet seitdem verschiedene Appmusik-Projekte für Kinder und Erwachsene. Unter dem Claim „Musik zieht immer!“ thematisiert sie Rhythmus & Percussion, Songwriting für Kids und Musik mit Apps.

Foto: Frauke Hohberger

Sebastian Dittmann (Ilmenau)

Nach einem Studium der Medienwirtschaft an der TU Ilmenau arbeitet er beim Fraunhofer Institut für digitale Medientechnologie (IDMT). Seine erste Firma Audanika ist ein Fraunhofer Spin-Off, welches er 2010 mit Kollegen am IDMT gründete um digitale Musikinstrumente für touch-basierte Geräte zu erstellen und vermarkten. Drei Jahre später war er an der Gründung von Audiobus beteiligt, einer Platform mit der man die Apps wie mit virtuellen Audiokabeln miteinander verbinden kann. Sebastian interessiert sich besonders für User Experience Design, Business Development und das Community Management auf (digitalen) Plattformen.

 

Amaury Hazan (Barcelona)

Amaury Hazan ist Software-Entwickler und hat im Bereich digitale Medien und Maschinenlernen 2010 promoviert. Er ist Gründer der Firma Billaboop und beschreibt sich als besessen davon Wissenschaft und Innovationen zusammenzuführen und in der Praxis zu schauen, welche Dinge Menschen damit anfangen. Er ist u.a. für die bekannte App „vidibox“ verantwortlich.

 


Wir haben eine Konferenz-Webseite erstellt, auf der nun alle Informationen zum Programm, zu den Referenten und zur Organisation zusammengefügt sind. Folgen Sie gleich diesem Link —> www.mmm2017.appmusik.de

Der Beitrag MMM2017: Einblicke in die Programmplanung – im direkten Kontakt mit Spezialist_innen erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/mmm2017-einblicke-in-die-programmplanung/feed/ 0 2106
Der Zertifikatskurs tAPP im dritten Durchgang http://forschungsstelle.appmusik.de/der-zertifikatskurs-tapp-im-dritten-durchgang/ http://forschungsstelle.appmusik.de/der-zertifikatskurs-tapp-im-dritten-durchgang/#respond Tue, 17 Jan 2017 08:58:17 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=2017 Der »Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung« geht bereits in die dritte Runde. Zum dritten Mal setzen sich Musiker_innen aus ganz Deutschland mit Perspektiven eines neuen Berufsfeldes auseinander. Vom 04.-08. Feburar 2017 findet die nächste von insgesamt vier Weiterbildungsphasen à 5 Tage in der Universität der Künste Berlin statt. Auf dem Plan steht die […]

Der Beitrag Der Zertifikatskurs tAPP im dritten Durchgang erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Der »Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung« geht bereits in die dritte Runde. Zum dritten Mal setzen sich Musiker_innen aus ganz Deutschland mit Perspektiven eines neuen Berufsfeldes auseinander. Vom 04.-08. Feburar 2017 findet die nächste von insgesamt vier Weiterbildungsphasen à 5 Tage in der Universität der Künste Berlin statt. Auf dem Plan steht die Präsentation von Praxisprojekten, eine LINKjam und ein öffentliches Abschlusskonzert. Und Gäste sind dazu herzlich ins Appmusik Studio an der UdK eingeladen! 

tAPP bereits im dritten Durchgang

Seit Oktober 2016 läuft der dritte Durchgang des »Zertifikatskurses tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung«. 18 Musiker_innen aus ganz Deutschland beschäftigen sich mit der übergeordneten Fragestellung, welches Potential mobile Digitaltechnologien für Kulturelle Bildungsangebote bieten. Unterstützt werden sie dabei in jeder Phase von unterschiedlichen Akteuer_innen aus den Bildungswissenschaften, Musik- und Medienpädagogik, Appentwicklung sowie aus der Praxis Kultureller Bildung.

Komponieren mit Musikapps: In Gruppen erarbeiten Schüler_innen in Nachmittagsangeboten eigene Stücke, die sie einander vorführen und die sie als Aufnahme auch zuhause hören können. // Foto: Julian Quack

Ziel ist die Entwicklung grundlegender Kompetenzen für die Durchführung von Appmusik-Projekten in der Kulturellen Bildung im Nachmittagsbereich an Schulen, im Rahmen von künstlerischen Angeboten in Sozialeinrichtungen, an Kulturinstitutionen, an Musikschulen usw. Diese Bildungsprojekte reagieren auf Bedürfnisse unterschiedlichster Adressatengruppen und verbinden Apps und Musik als Bestandteile einer an Kunst orientierten Vermittlungspraxis.

 

Die dritte Phase im Februar 2017

Vom 04.-08. Feburar 2017 findet in den Räumen der Universität der Künste Berlin die nächste Phase des »Zertifkatskurses tAPP« statt. Dabei handelt es sich um die dritte von insgesamt vier Weiterbildungsphasen à 5 Tage.

Diesmal sind neben Matthias Krebs und Marc Godau vom Team der Forschungsstelle Appmusik sowie Kerstin Hädrich und Lukas Bergmann von der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel erneut namhafte Expert_innen als Dozent_innen dabei: Dazu zählen Lydia Grün, die Geschäftsführerin des netzwerks junge ohren, der Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Joachim Ludwig sowie der App-Entwickler Dr. Gabriel Gatzsche.

Insgesamt unterscheidet sich der dritte Durchgang durch die wissenschaftliche Begleitung in vielen Punkten von vorangegangenen Durchgängen. Dazu gehört einerseits eine noch stärkere Partizipation der Weiterbildungsteilnehmer_innen an der Kursgestaltung (dies hatten wir bereits an anderer Stelle behandelt) und andererseits eine stärkere Öffnung auch nach außen, etwa durch Akquise von Publikum für Konzerte.

 

Praxisprojekte der Teilnehmer_innen

Ein erster Höhepunkt der kommenden Phase ist die Vorstellung der Praxisprojekten. Diese wurden von den Teilnehmer_innen im Rahmen der Weiterbildung selbst geplant und durchgeführt. In der dritten Phase stellen die Musiker_innen ihre Projekte vor und reflektieren diese gemeinsam mit anderen Teilnehmer_innen sowie den Dozent_innen. 

Auf der Webseite des „Netzwerk tAPP“ unter www.musik-mit-apps.de finden sich zahlreiche Projektbeschreibungen. / Klick aufs Bild, um zur Seite zu gelangen.

Wie üblich werden die Artikel im Nachgang an die Phase auf dem begleitenden Blog veröffentlicht, um die Ideen und Erfahrungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mehr dazu auf dem Blog des Zertifikatskurses -> http://musik-mit-apps.de/category/praxisprojekte/

 

LINKjam

Ein zweiter Höhepunkt ist die Durchführung einer LINKjam im Rahmen der Weiterbildung als Möglichkeit einer tiefgreifenden Demokratisierung des Musikmachens. Besonders durch die neuartige Ableton-Link-Technologie verschmelzen die Rollen zwischen Musiker_in und Publikum zu einer kollaborativen Form des Musizierens. Alle Teilnehmenden können jederzeit in den Prozess des gemeinsamen Musizierens ein- und aussteigen, erleben oder aktiv-handelnd verändern, der Musik folgen oder sie verändern usw. Ableton Link ermöglicht das durch die Aufrechterhaltung eines einheitlichen Pulses über WLAN für alle Geräte (Smartphones, Tablets und Laptops) im selben Netzwerk.

Bereits im Juli 2016 wurde ein solch offenes Konzertformat, die BOLjam 1 in der Noise Fabrik in Berlin/ Neukölln mit großem Erfolg durchgeführt. Nun soll zu derartigen ästhetische Erfahrungen auch in der Weiterbildung angeregt werden, um innovative Formen kollektiven Musizieren zu erproben. 

Die BOLjam, einen musikalischen Projekt der Forschungsstelle Appmusik sowie Gad Baruch Hinkis von Polyjam art group und unterstüzt von der Noize Fabrik, Ableton und dem Ableton Link team ist Grundlage der LINKjam bei tAPP.

Durch derartige Veranstaltungen wird die Weiterbildung auch für neugierige Besucher_innen geöffnet. Eingeladen sind hiermit alle, die das Musizieren mit digitalen Technologien in Berührung kommen wollen oder bereits als Musiker_in aktiv damit umgehen. Zudem werden die Teilnehmer_innen des Zertifikatskurses tAPP Einblicke in ihre musikalischen Entwicklungen im Umgang mit mobilen Digitaltechnologien geben.

Die LINKjam findet am Samstag, den 4. Februar ab 19:30 in der Universität der Künste (Bundesallee 1-12, Raum 340) statt.

 

Abschlusskonzert

Es hat sich seit der ersten Durchführung des Zertifikatskurses tAPP im Jahr 2015 schnell gezeigt, dass die Initiierung von Auftrittssituationen ein wichtiger Faktor ist, um Technik und künstlerischen Ausdruck in einer authentischen Praxis zu erproben, dem Konzert sowie damit die Relevanz von mobilen Digitaltechnologien für die Musiker_innen zu erhöhen.

Bühnenaufstellung // Foto: Matthias Krebs

In diesem Sinne findet ganz in der Tradition von tAPP am Vorabend des letzten Tages ein Konzert als künstlerischer Abschluss der Phase statt. Darin präsentieren die Teilnehmenden frische musikalische Experimente mit Musikapps, die sie in der aktuellen Phase entwickelt haben. Auch hierzu laden wir Sie recht herzlich ein.

Das Konzert beginnt am 07.02.2016 (Dienstag) um 20:00 in der Universität der Künste (Bundesallee 1-12, Raum 340). Der Eintritt ist frei.

Danach sind Gäste herzlich zu einem Getränk und zum Erfahrungsaustausch eingeladen.

 

Große Vorfreude

Mit viel Vorfreude sehen wir der dritte Phase entgegen. Wir sind gespannt über die Erfahrungen der Teilnehmer_innen in ihren Praxisprojekten, die wir mitunter in ersten Ideen kennen. Auch die Kursveranstaltungen versprechen dieses Mal wieder ein großes Spektrum verschiedener Diskurse rund um das Thema Kulturelle Bildung und Appmusik. Und schließlich sind Gäste der LINKjam sowie des Konzertes herzlich willkommen.

Der Beitrag Der Zertifikatskurs tAPP im dritten Durchgang erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/der-zertifikatskurs-tapp-im-dritten-durchgang/feed/ 0 2017
Alle Infos zur Mobile Music in the Making 2017 http://forschungsstelle.appmusik.de/infos-zur-mmm2017/ http://forschungsstelle.appmusik.de/infos-zur-mmm2017/#respond Wed, 21 Dec 2016 13:07:32 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1958 Die Vorbereitungen für die Internationale Fachtagung Mobile Music in the Making 2017 (#MMM2017), die vom 10. bis 11. März 2017 in der Universität der Künste Berlin stattfindet, sind im vollen Gange. An dieser Stelle sollen nähere Informationen zur Organisation zusammengetragen werden. Update: Wir haben eine Konferenz-Webseite erstellt, auf der nun alle Informationen zum Programm, zu den Referenten und […]

Der Beitrag Alle Infos zur Mobile Music in the Making 2017 erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>

Die Vorbereitungen für die Internationale Fachtagung Mobile Music in the Making 2017 (#MMM2017), die vom 10. bis 11. März 2017 in der Universität der Künste Berlin stattfindet, sind im vollen Gange. An dieser Stelle sollen nähere Informationen zur Organisation zusammengetragen werden.

Update: Wir haben eine Konferenz-Webseite erstellt, auf der nun alle Informationen zum Programm, zu den Referenten und zur Organisation zusammengefügt sind. Folgen Sie gleich diesem Link —> www.mmm2017.appmusik.de

Inhalte und Formate

Bereits im Mai 2016 hatten wir in einem Call for Papers zur Einreichung von Beiträgen aufgerufen. Wie die Bezeichnung Internationale Fachtagung schon erahnen lässt, handelt es sich dabei um eine Veranstaltung mit dem Ziel eines nationalen und internationalen Austauschs.

Zentrale Fragestellungen sind: Welchen Beitrag leisten musikalische Vermittlungsprojekte mit Apps für die gegenwärtige Kulturelle Bildung? Wohin gehen neue technologische und musikalische Entwicklungen mit mobilen Digitalgeräten?

Aufgrund der Vielfalt und der unterschiedlichen Partner*innen, mit denen wir im Austausch stehen, wollen wir die Fachtagung inhaltlich erweitern. Neben Diskussionsrunden mit Impulsvorträgen, einer Postersession und Workshops soll es auch ein BarCamp, Konzertbeiträge, einen Link-Jam sowie Expert*innentreffen geben.

Mit der Fachtagung soll ein Raum für alle Teilnehmenden geschaffen werden, um einerseits Akteur*innen aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern kennenzulernen, andererseits den Austausch über verschiedenen Musikpraxen zu befördern und daraus neue Inspirationen zu schöpfen.

Zielgruppe

Angesprochen sind all diejenigen, die sich im Feld der künstlerischen und pädagogischen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand Appmusik bewegen. Dazu gehören: Künstler*innen, Pädagog*innen, Wissenschaftler*innen, Musikapp-Entwickler*innen, Akteure aus Kultur- und Bildungsinstitutionen, Wissenschaftler*innen und allgemein am Thema Interessierte.

Veranstaltungsort und Ablauf

Die Mobile Music in the Making 2017 findet in den Räumlichkeiten der UdK Berlin, am Standort Bundesallee 1-12 (10719 Berlin), statt.

Für die parallel stattfindenden, unterschiedlichen Formate und Panels stehen uns neben zahlreichen Seminarräumen zwei kleinere Konzertsäle zur Verfügung. Zwischenzeitliche Entspannung und Raum für Gespräche bieten Cafeteria sowie ein Ruheraum.

  • Die Tagung beginnt am 10. März um 14 Uhr mit einer Keynote (Referent*in wird noch bekannt gegeben), daran schließen Gesprächsrunden und Workshops an. Für den Abend ist ein offenes Format geplant, bei dem Musikapp-Entwickler*innen und Künstler*innen verschiedene Neuheiten demonstrieren.
  • Am 11. März geht es um 9 Uhr weiter. Eine abschließende Diskussionsrunde zu den zentralen Fragestellungen ist um 18 Uhr geplant. Um 20 Uhr gibt es ein öffentliches Konzert von verschiedenen Appmusikern.

Work in Progress

Wir arbeiten unablässig an unserem Programm, den Formaten und dem Tagungsablauf, um das internationale Fachtreffen in seiner Breite für alle Teilnehmenden so interessant und nachhaltig wie möglich zu gestalten. Zudem gibt es auch noch einige Freiräume, die noch mit Angeboten von Seiten der Teilnehmenden gefüllt werden können. Mailen Sie uns gern Ihren Vorschlag (Workshopthema, Musikbeitrag etc.) –> Kontakt.

Der finale Ablaufplan der Internationalen Tagung Mobile Music in the Making 2017 wird Mitte Januar auf dieser Seite veröffentlicht.

Unterbringung und Verpflegung

Die Unterbringung der Teilnehmenden erfolgt selbstorganisiert und zum Selbstkostenpreis. Gerne helfen wir Ihnen mit entsprechenden Adressen zu nahe gelegenen Hotels weiter. Beachten Sie dazu bitte den Hinweis auf dem Anmeldeformular.

Da die Tagung am 10. März um 14 Uhr beginnt und bis zum 11. März um 19 Uhr (Abschlusskonzert 20-22 Uhr) läuft, empfehlen wir Ihnen, Übernachtungen vom 10. bis 12. März zu buchen.

Die Verpflegung während der Fachtagung wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und ist Teil der Projektförderung des Projektes TOUCH:MUSIC, das im Verbund von UdK Berlin und Bundesakademie Wolfenbüttel durchgeführt wird.

tm_verbund-footer_mk1

Jetzt anmelden zur Mobile Music in the Making

Für eine optimale Planung der Tagung ist eine verbindliche Anmeldung aller Teilnehmenden Voraussetzung. Nutzen Sie dazu den folgenden Link, um sich anzumelden:

Link zum Anmeldeformular #MMM2017.

Ein zusätzlicher Hinweis für Auswärtige: Da die Unterkünfte an diesem Wochenende durch andere Veranstaltungen in Berlin stark frequentiert sind, empfehlen wir im eigenen Interesse eine frühzeitige Anmeldung.

 

Wir sind voller Elan und schon ganz gespannt, was sich bei der Mobile Music in the Making 2017 ergeben wird. Wir freuen uns auf Sie und Euch und verbleiben mit herzlichen Grüßen,

Das Team der Forschungsstelle Appmusik (Matthias, Marc und Nadin)
und der Bundesakademie Wolfenbüttel (Kerstin und Lukas)

Der Beitrag Alle Infos zur Mobile Music in the Making 2017 erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/infos-zur-mmm2017/feed/ 0 1958
BarCamp: Vielversprechendes Kursformat für Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote http://forschungsstelle.appmusik.de/barcamp-vielversprechendes-kursformat-fuer-weiterbildungs-und-fortbildungsangebote/ http://forschungsstelle.appmusik.de/barcamp-vielversprechendes-kursformat-fuer-weiterbildungs-und-fortbildungsangebote/#respond Mon, 07 Nov 2016 07:51:04 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1887 Im Rahmen der Weiterentwicklung und Erprobung unseres Weiterbildungsangebotes Zertifikatskurs tAPP  haben wir gemeinsam mit unserem Dozenten Karlheinz Pape ein innovatives Kursformat entwickelt, dass die Bandbreite an Wissen aller an der Weiterbildung beteiligten ernst nimmt und es für das Kursangebot nutzbar macht. Es geht um das Format BarCamp in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Das Prinzip dieses selbstorganisierten […]

Der Beitrag BarCamp: Vielversprechendes Kursformat für Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Im Rahmen der Weiterentwicklung und Erprobung unseres Weiterbildungsangebotes Zertifikatskurs tAPP  haben wir gemeinsam mit unserem Dozenten Karlheinz Pape ein innovatives Kursformat entwickelt, dass die Bandbreite an Wissen aller an der Weiterbildung beteiligten ernst nimmt und es für das Kursangebot nutzbar macht. Es geht um das Format BarCamp in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Das Prinzip dieses selbstorganisierten Lernformates, das sich bei Konferenzen entwickelt hat, wurde in der ersten Phase des dritten Durchgangs des Zertifikatskurses am Nachmittag des 18.10.2016 in den Räumlichkeiten des UdK Berlin Career College ausgetestet.

barcamp_weiterbildung_appmusik_fortbildung

Die meisten Sessions wurden von den Kursteilnehmenden selbst gestaltet. Darunter Basiskurse zu Sounddesign und Ambientmusik und eine Session, in der eine Gruppe von Interessierten ein Klangexperiment umsetzte. // Fotos: Finn Dorian

In der Erwachsenenbildung treffen unterschiedliche fachspezifische Erfahrungen aufeinander. Und weiter ist der Bereich der Fort- und Weiterbildung durch eine enorme Heterogenität der Teilnehmer_innen-Gruppe geprägt. So haben die einen bereits Erfahrungen, die sie in den Kursen vertiefen wollen, während andere niemals zuvor mit dem Thema der Weiterbildung in Berührung gekommen sind. Und somit kommt es zur Situation, dass nicht allein die Dozent_innen über mannigfaltige Erfahrungen verfügen. Auch die Teilnehmer_innen bringen bereits umfangreiches Wissen – z.T. auch zu spezifischen Kursinhalten – zu den Weiterbildungsveranstaltungen mit. So viel muss klar sein: Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt, niemand weiß nichts.

Wie geht man aber nun mit dem Wissen um? Wie kann man das Wissen aller nutzen? Wie kann man den Bedürfnissen und Erwartungen der Teilnehmer_innen gerecht werden und die eigene Expertise zur Geltung zu bringen? Wie können Teilnehmer_innen ihr Wissen in das Kursangebot einbringen und wie können sie Wertschätzung gegenüber ihrer eigenen Expertise erfahren?

Das BarCamp im Zertifikatskurs tAPP

In der ersten Phase des dritten Durchgangs des Zertifikatskurses tAPP wurde erstmalig ein BarCamp durchgeführt. Dieses setzt vor allem auf selbstorganisiertes Lernen: Teilnehmenden wählen selbst die Session-Themen aus, die sie besuchen. Sie werden selbst zu Dozent_innen in einem thematisch breiten Themenangebot. Thema des BarCamps war „Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung“. Das folgende Video gibt einen Einblick in die Methode dieses neuen Formates für die Weiterbildung:

Wir sind froh, dass wir Herrn Karlheinz Pape für die Erprobung dieses Lernformates in der ersten Phase des dritten Durchgangs gewinnen konnten, der die Moderation des BarCamps übernahm. Karlheinz Pape ist Initiator der Corporate Learning Alliance (CLA), die sich mit den Veränderungen des Anspruchs an Lernen in Unternehmen beschäftigt. Darüber hinaus gehört zu den Experten für BarCamps und war zuletzt verantwortlich für das CorporateLearningCamp CLC16.

Viele Kursteilnehmer_innen, die Dozent_innen und wir wissenschaftliche Mitarbeiter_innen der Forschungsstelle Appmusik ziehen ein sehr positives Fazit nach der Abschluss-Runde am Ende der ersten BarCamp-Veranstaltung: Das BarCamp hat sich als sehr intensive Form des Austauschs, des Lernens und der Wissensweitergabe erwiesen.

  • Einbindung heterogener Wissensbereiche
  • Einbringen eigener Erfahrung
  • Die eigenen Kompetenzen als Stärken und Motivationen reflektieren und präsentieren
  • Lernen im emphatischen Austausch mit- und voneinander
  • Auflösung starrer Machtverhältnisse

In diesem Blogbeitrag soll das BarCamp als innovatives Kursformat in der Weiterbildung vorgestellt werden und über den Ablauf der ersten Erprobung berichtet werden.

Was ist ein BarCamp?

Das BarCamp hat sich als alternatives Konferenzformat entwickelt. Bei einer herkömmlichen Konferenz, entscheiden die Veranstalter_innen, welche Themen auf die Agenda kommen und welche Expert_innen über diese Themen referieren. Das Publikum wird eingeladen zuzuschauen und zuzuhören und im Anschluss Fragen an Vorträge zu stellen. Wenn man sich jedoch die gesammelte Expertise im Publikum anschaut, dann ist diese deutlich breiter und differenzierter ausgeprägt, als sie ein Referent darstellen kann. Denn bereits das spezielle Publikum einer Konferenz besteht aus Personen, die in relevanten Feldern Erfahrungen gesammelt und ihre Profession entwickelt haben.

Warum dann nicht die Expertise des gesamten Plenums zu nutzen? Genau das ist die Grundidee des BarCamps. Veranstaltende stellen lediglich den Rahmen zur Verfügung, damit die Veranstaltung ordentlich – also in den wesentlichen Strukturen organisiert – stattfinden kann und das Wissen aller Teilnehmenden in den Diskurs eintreten kann.

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31b

Karlheinz Pape diskutiert mit den Teilgeber*innen das BarCamp-Prinzip. // Foto: Finn Dorian

Seit 2006 finden BarCamps als Tagungsformate mit einer offenen Struktur statt. Inhalte und Abläufe werden von den Teilnehmer_innen zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet – daher auch die Bezeichnung als „Un-Konferenz“. Wurden anfangs auf BarCamps eher Themen wie Webanwendungen und Open-Source-Technologien diskutiert, finden sich mittlerweile auch regelmäßig Barcamps zu weiteren Themen statt, etwa das EduCamp zu Fragen des Lehrens und Lernens  aber auch BarCamps, die keine thematischen Vorgaben vorschreiben (BarCamp-Liste hier).

Das BarCamp lebt durch die Beiträge seiner Teilnehmer_innen.

Ein BarCamp besteht aus Vorträgen und Diskussionsrunden (sogenannte Sessions), die zu Beginn – in sogenannten Grids (Stundenplan) – durch die Teilnehmer_innen selbst festgelegt werden. Alle Teilnehmer_innen sind bei den meisten BarCamps aufgefordert, beim ersten Mal einen Vortrag zu halten oder eine Diskussionsrunde zu organisieren. Später kann jede_r als Teilnehmer_innen oder Referent_in auftreten. Da die Rollen, wer Zuschauer_in und wer Vortragende ist, verschwimmen, hat sich die Bezeichnung als „Teilgeber_innen“ eingebürgert. Denn es besteht in diesem Grundprinzip keine Pflicht, man kann auch ohne eigene Session teilnehmen und mitdiskutieren.

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31f

Vorstellung der Sessions: Zu Beginn stellen die Teilgeber_innen ihre Sessions vor. Sie werden dann in den Sessionplan geheftet. // Foto: Matthias Krebs

Zu Beginn eines BarCamps stellt ein_e Moderator_in die Grundidee des BarCamps vor und erläutert die Regeln. Da es während des BarCamps keine feste Programmplanung gibt, sind die Teilnehmer_innen zu Beginn aufgefordert, ihre Themen auf ein Kärtchen zu schreiben. Sie werden anschließend vor das Plenum gebeten, um kurz vorzustellen, wie sie ihre Session füllen möchte. Dies soll in maximal drei Sätzen geschehen. Angebote können z.B. in der klassischen Form eines Vortrags passieren – interessant ist aber auch, ein Thema, eine Problemstellung oder Fragen zur Diskussion zu stellen.

Das Konzept stellt dabei alle auf Augenhöhe. Zusammen mit dem aktiven Einbinden aller Personen, entsteht auf diesem Weg ein intensiver Wissensaustausch, es werden neue Ideen generiert, gemeinsame Projekte angestoßen und Kontakte geknüpft.

Nach der Themenvorstellung wird die entsprechende Karte vom Moderierenden in den Raum- und Zeitplan (=Sessionplan) etwa auf einem FlipChart zusammengetragen. Dieser Sessionplan bleibt über den Verlauf des BarCamps ersichtlich, an dem sich alle Teilnehmenden stets orientieren können.

Auf die notwendige strikte Einhaltung der Zeitslots achten alle Teilnehmenden in ihren Sessions selbst.

Was ist, wenn sich herausstellt, dass die Session nicht den Erwartungen entspricht?

Karlheinz Pape erklärte dazu im Einführungsvortrag des BarCamps: „Nehmen wir mal an, es läuft in der Session nicht so, wie ihr es euch vorgestellt habt, so gibt es zwei Möglichkeiten: Erste Möglichkeit ist, sich in die Diskussion so einzubringen, dass die Diskussion in die richtige Richtung geht. Wenn ihr aber merkt, die anderen sind alle auf einem ganz anderen Dampfer, einfach aufstehen, rausgehen, nicht sagen. Man muss sich nicht dafür entschuldigen, es ist kein Affront gegenüber dem Sessiongeber. Ihr habt euch einfach zu dem Thema etwas Anderes vorgestellt.“

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31g

BarCamp-Sessionplan: Nachdem die Themen zusammengetragen und in den Sessionplan eingetragen wurden, kann es losgehen. // Foto: Matthias Krebs

Gerade die Selbstorganisation von BarCamps erlaubt eine stets aktive Rolle aller Teilnehmenden. Das BarCamp liefert nur einen Rahmen, die Form regelt sich über das über die Interaktionen des Plenums. Und diese Selbstorganisation bedeutet sowohl Ermöglichung als auch Verpflichtung zur Verantwortung für sich persönlich. Dazu Pape: „Ihr entscheidet, wo ihr hingeht. Und wenn das BarCamp zu Ende ist, gibt es deshalb selten Grund zur Unzufriedenheit. Denn entweder habt ihr die falschen Sessions für euch selbst gewählt, oder aber ihr habt eure Wunsch-Themen nicht selbst eingebracht.“

Was ist wichtig für eine funktionierende Infrastruktur?

Wichtig ist eine Infrastruktur, die für funktionierende Netzwerke sorgt, für ausreichend Scheibutensilien und Räume. Eine Grundregel von BarCamps besagt, dass alle Teilnehmer_innen gehalten sind, die Sessions aufzuzeichnen, darüber zu bloggen oder in einer sonstigen Form der Allgemeinheit zugänglich zu machen. So bedarf auch die Sammlung und Verteilung der Ergebnisse einer guten Struktur.

Der Erfolg der Veranstaltung hängt dabei letztlich auch an der Fähigkeit der Veranstalter_innen. Denn nach dem BarCamp sind auch sie als gutes Vorbild in der Verantwortung, die Projektgruppe bei der Umsetzung oder der Veröffentlichung ihrer Ideen und Erkenntnissen zu unterstützen und zu begleiten.

barcamp_artikel_pape_tapp31h

Schon drei Tage nach unserem BarCamp hat Karlheinz Pape einen Blogbeitrag über seine Beobachtungen im Zertifikatskurs und über die darin stattgefundene BarCamp-Veranstaltung veröffentlicht: Link

Ist das BarCamp überhaupt ein Weiterbildungsformat?

Die Welt verändert sich rasend. Bei der Planung von Weiterbildungsformaten steht man schon heutzutage vor der Herausforderung, nicht über die Bündelung von Wissen nachzudenken, sondern über den Umgang mit Komplexität. Somit hat sich in den letzten Jahren Fokus zunehmend verschoben vom Wissenskanon hin zur Kompetenzorientierung (Stichwort: das Lernen lernen). Die damit verbundene gesellschaftliche Forderung des Lebenslangen Lernens besagt demnach nichts Triviales. Es geht nicht darum, dass wir ein Leben lang lernen. Es geht darum, dass die derzeitige und künftige Gesellschaft mehr denn je dazu verpflichtet, zu lernen. Dies zeigt sich insbesondere in heutigen Berufsbiographien, die sich verzweigt, nicht geradlinig (Schule-Ausbildung-Beruf) darstellen.

Wie können aber nun Weiterbildungsangebote statt auf Wissenshoheit auf Ungewissheit vorbereiten? Wissen – also unterschiedliches Wissen – wird damit zur Ressource.

Trotz der vorherrschenden Situation, dass wohl kaum noch Anbieter_innen von Fortbildung eine solche Ausrichtung negieren, basieren vielerorts Vermittlungsformate auf einem altbewährten – aber eben alten – Prinzip: Ein Lernziel für alle, innerhalb einer Zeiteinheit (Reheis 2013). Gegenmodelle stellen selbstorganisierte Lernsettings dar, die sich (jedoch) der Kontrolle der Lehrenden entziehen. Im Mittelpunkt stehen die Bildungsprozesse der einzelnen Lerner_innen.

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31j

Gerade die Selbstorganisation von BarCamps erlaubt eine stets aktive Rolle aller Teilnehmenden. // Foto: Finn Dorian

Um der Herausforderung gerecht zu werden, mehrere Lernziele anbieten zu können (d.h. unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden) und darüber hinaus auch die Erfahrungen und Kompetenzen der Teilnehmer_innen ernst zu nehmen und ein selbstorganisiertes Angebot zu schaffen, so dass die Teilnehmenden konsequent in die Eigenverantwortung für das eigene Lernen nehmen kann, haben wir uns entschlossen, das Format BarCamp in unseren Zertifikatskurs zu integrieren.

BarCamp als Lernsetting mit Vorbild Fachforen

Bei der Erprobung des BarCamps in unserem Weiterbildungssettings Zertifikatskurs tAPP übernahm Karlheinz Pape die Moderation. Er erläuterte wie das BarCamp-Format einen Rahmen herstellt, um selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen bzw. zu erleichtern und damit schon recht nah an informelle Lernprozesse herankommt. Besonders ist in diesem Zertifikatskurs, dass allein durch die Heterogenität der Musiker_innen ein Rahmen aufgespannt wird, in dem die diversen, auch gegensätzlichen Erfahrungen gewinnbringens aufeinandertreffen können. Karlheinz Pape referierte drei Grundprinzipien, die er für besonders wichtig hält:

#1. Wertschätzung

BarCamps nehmen ihren Ursprung im Internet. In den Fachforen hat sich eine spezielle Kommunikationskultur entwickelt. Dort diskutieren Personen jahrelang miteinander, nehmen eine Menge Mühe und Energie auf sich, um die angestoßene Diskurse weiterzuführen und neue Beiträge zu eröffnen. In der Regel bekommen sie dafür kein Geld. Ein wichtiges Erfolgsrezept ist für Pape die positive Anerkennung.

„Wenn man ein paar Mal blöd angemacht wurde, fragt man sich, habe ich es nötig und zieht sich zurück“, so Pape. Das wäre der Tod von Fachforen. Da das alle wissen, achten die Teilnehmer_innen dieser Fachforen gemeinsam darauf, dass man in den Foren sehr wertschätzend mit einander umgeht. Und dann kommen so Kommentare wie „Dein letzter Beitrag war besonders toll, der hat mich zu folgendem gebracht…“. So würden wir es im persönlichen Gespräch nicht so sagen – das wäre übertrieben. In Fachforen aber herrscht eine extrem wertschätzende Grundhaltung. Verstöße dieser Kultur – etwa durch beleidigende Äußerungen ­– werden von den Mitgliedern aufgedeckt und verhandelt. So kommen andere und sagen »Hey so wollen wir nicht miteinander umgehen!« Eine solche empathische Grundhaltung, die in Kommunikationsschulen seit einiger Zeit erkannt wurden (z.B. Ruth Cohn oder Marshall Rosenberg), gehört damit zu den wichtigen Bedingungen der Kommunikationskultur im Netz. Gerade dies kann auch einen entscheidenden Hinweis für unseren alltäglichen Umgang miteinander geben.

#2. Gleiche-Augenhöhe-Prinzip

Wenn man sich Fachforen genauer anschaut, erkennt man schnell ein absolutes Gleiche-Augenhöhe-Prinzip. Das kommt daher, dass man dort nicht sicher sein kann, ob der andere mit dem man da diskutiert ein_e Professor_in oder ein_e Teenager_in ist. Das einzige was zählt, sind die Foren-Beiträge. Und nimmt man diesen Punkt ernst, so ist zunächst einmal nebensächlich, welche Funktion ein Mitglied im Leben außerhalb des Forums hat. Wichtig ist es im BarCamp eine solche symmetrische Grundeinstellung herzustellen.

In BarCamps großer Unternehmen und mit Politiker_innen wurde daher die Regel „Anrede mit dem Vornamen“ eingeführt, wodurch in der Regel auch alle Titel wegfallen. „Und dann ist man auch schnell beim Du. Nach dem BarCamp gilt dann wieder der Normalzustand, wenn nichts Anderes vereinbart worden ist“, so Pape.

#3. Zulassen von unterschiedlichen Meinungen

Ein drittes Merkmal des Wissensaustauschs in Fachforen ist, dass man sich nicht auf eine Wahrheit einigen muss. Es dürfen auch konträre Meinungen nebeneinander existieren. Und darin liegt ein Potential für neue Ideen und auch dazu, dass andere Perspektiven in den Foren bekommt zu interessanten, unerwarteten Erklärungen führt: Aha, so kann man das auch sehen.

Das unbedingte Auftreten von Mehrperspektivität kennzeichnet die Faszination von online-Communities. Pape erläutert: „Wenn man einem Referenten in einem Vortrag folgt, dann hat man eine Perspektive. Und wenn alles logisch ist, was der sagt, ja dann hat der Recht, aber vielleicht sehen es andere auch noch etwas anders. Also man tut sich noch etwas schwer, das einfach zu übernehmen. Kriegt man aber gleich mehrere verschiedene Perspektiven auf einen Gegenstand geliefert – und in einem Fachforum passiert das üblicherweise – dann hat man es viel leichter seinen sicheren Standpunkt zu finden.“

Diese drei Grundregeln – Wertschätzung, Gleiche-Augenhöhe-Prinzip und Zulassen konträrer Meinungen – gelten heute ganz selbstverständlich in auch in BarCamps. „Man hat diese Regeln so eingeführt, aber was heißt hier Regeln, es sind eigentlich ein Absenken von den unbewussten Regeln, die wir sonst so im normalen Zusammenleben auch haben. Man kann sagen: Wir kommen jetzt im BarCamp auf eine natürlichere menschlichere Kommunikation“, so Pape. Auch in dieser Aussage spiegelt sich der informelle Charakter in diesem Format des Wissensaustauschs wieder.

Selbstorganisiertes Lernen, wie es in BarCamps gelingt, erfordert viel Verantwortung für das eigene Handeln. Eigene Bedürfnisse müssen wahrgenommen werden. Aber es gilt ebenso, andere wahrzunehmen und sie bei ihren Lernprozessen zu unterstützen. Selbstorganisiertes Lernen schließt eines grundsätzlich aus: Fremdorganisation. Selbstorganisiertes Lernen ist der Königsweg zum kontinuierlichen Lernen, und das geht nur, wenn man mit seinen Bedürfnissen verbunden ist.

Zu den Inhalten des ersten BarCamps

Bei unserem BarCamp im Rahmen der ersten Phase des Zertifikatskurses tAPP hatten wir uns in der Planung für die Durchführung am Nachmittag entschieden. Um 15:00 Uhr sollte es starten und bis 18:30 Uhr laufen. Daher haben wir uns für 25 Minuten pro Session-Slot und 5 Minuten zum Wechseln entschieden. So konnten an einem Nachmittag 5 Sessions nacheinander stattfinden. Dafür hatten wir drei freie Räume parallel.

Die meisten Sessions wurden von den Kursteilnehmenden selbst gestaltet. Darunter Basiskurse zu Sounddesign und Ambientmusik, zur Verwendung der Audiosoftware Ableton Live und eine Session, in der in eine Gruppe von Interessierten ein Klangexperiment umgesetzt wurde.

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31n

Die meistern Sessions wurden von den Kursteilnehmer_innen gestaltet. So brachten sie ihre Expertise in den Weiterbildungskurs ein. // Foto: Finn Dorian

Daneben gab es auch Sessions von Dozentinnen des Zertifikatskurses. So zeigte z.B. Stefan Gisler wie man Musikvideos von YouTube mit dem iPad herunterladen und in eine andere Musikapp transferieren kann, um sie dort zu transponieren oder die Geschwindigkeit zu verändern. Das ist nützlich zum Covern. Karlheinz Pape thematisierte in einer von ihm geleiteten Session seine Erfahrungen mit Twitter als Lerntool.

„Leider waren zum unserem ersten BarCamp noch keine externen Gäste dabei gewesen.“, so das Kredo vieler Teilnehmender_innen in der Abschlussbesprechung zum BarCamp. Sicher wäre es auch schön, ehemalige Teilnehmende des Zertifikatskurses tAPP dabei zu haben, die ihre Erfahrungen aus der Praxis mit einbringen. Beim nächsten BarCamp wollten die Kursteilnehmer_innen das BarCamp selbst bekannt machen und Freunde und Bekannte darauf hinzuweisen.

Lernziele des BarCamps

Vordergründig ging es uns darum, anhand des BarCamp-Formates den Teilnehmenden eine Möglichkeit zur Umsetzung selbstorganisierten Lernens vorzustellen. Genauer betrifft das eine Lernkultur, die einerseits die Potentialentfaltung und Verantwortung des Einzelnen in den Blick nimmt und andererseits auch Mut zur Umsetzung erfordert. So äußerten einige, mit denen man über BarCamps ins Gespräch kommt, immer wieder ihr Misstrauen in das Gelingen aufgrund eines Misstrauens in die Expertise der Teilnehmenden. Hier bleibt dann zu fragen, wer über die Vertrauenswürdigkeit bzw. -unwürdigkeit entscheidet?

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31k

Ein Tipp von Karlheinz Pape: „Wenn du dir unter einem Session-Thema mal nix vorstellen kannst, dann geh‘ hin. Das entpuppt sich meist‘ als die spannendste Session.“ // Foto: Finn Dorian

Es ist vielmehr so, dass seit der Entwicklung des Internets und der damit verbundenen immer schwerer nachvollziehbaren Rückführung des Wissens auf bestimmte glaubwürdige Quellen, eine wichtige Kompetenz im Filtern, im Rückverfolgen und dem Infragestellen jeglichen Wissens liegt. Zudem kennzeichnet sich auch das Wissenschaftssystem – und das ist eher der Regelfall – durch Theoriemodelle, die einander diametral gegenüberstehen.

Darüber hinaus waren die Kursteilnehmenden dazu angehalten, ihr Erleben in den Sessions, die Diskussionen in den Sessions sowie ihr Lernen in ihren Portfolios zu dokumentieren und reflektieren.

Unser Fazit: BarCamp als sinnvolles Weiterbildungsformat

Insgesamt erfüllt das Prinzip eines BarCamps einige der zentralen Ansprüche, die wir an die Konzeption und Durchführung unseres Weiterbildungsangebotes richten. Dabei verstehen wir Praxis im Sinne des situierten Lernens als Partizipation an einer Community of Practice. Partizipation als Teilnahme ist wiederum doppelt belegt als Form des Handelns und der Zugehörigkeit (mehr dazu hier).

Das BarCamp kann für solche Lernangebote als konkrete Methode dienen. Es kann den Lernanspruch, der das situierten Lernen, als selbstständiges und kollaboratives Lernen in den Blick nimmt, im Sinne einer insgesamt auf Eigenaktivität und Selbstbestimmung ausgelegte Didaktik gerecht werden.

  • von der einsamen Wissensaneignung zur gemeinsamen Praxis im Sinne einer Community of Practice
  • von der Trennung zur Verknüpfung von Lernerbiographie mit Konfrontation durch neue Situationen

Dabei passt das Format BarCamp gut in das Weiterbildungskonzept unseres Entwicklungs- und Erprobungsprojektes TOUCH:MUSIC. Um die Kursentwicklung besser zu verstehen und weiterzuentwickeln, haben wir eine explorative Studie durchgeführt und erste Ergebnisse unlängst auf der Jahrestagung des AMPF 2016 in Form eines Forschungsposters vorgestellt. Untersucht wurde ausgehend vom Konzept der Community of Practice die Vermittlungsmethoden und Lernformate. Dazu findet sich hier ein Blogartikel.

weiterbildung-als-community-of-practice-poster

Forschungsposter: Weiterbildung als Community of Practice? Mehr dazu im Blog der Forschungsstelle Appmusik.

Darüber hinaus war das BarCamp gleichzeitig Lerngegenstand: Während der 5-tägigen Kursphase des dritten Durchgangs des Zertifikatskurses tAPP wurde das BarCamp und das Lernen in den einzelnen Sessions in Diskussionsrunden umfangreich reflektiert. Darin ging es um das Abwägen positiver und negativer Aspekte sowie vor allem um das Finden von Konsequenzen. Aus einer pädagogischen Sicht, die mit der Weiterbildung eingenommen wird, ist es doch weniger entscheidend, welche Position man bezieht bzw. wie man aktuell etwas erlebt. Grundlegender ist das Ziehen einer daraus resultierenden Handlungsoption: Wie kann ich anderes tun?

Unser Fazit auf die eingangs gestellte Frage, ob sich das BarCamp als zukünftiges Kursformat unserer Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote eignet, fällt daher positiv aus. Unsere ersten Erfahrungen mit dem Format BarCamp aus der ersten Kursphase des Zertifikatskurses tAPP zeigen uns, dass sich das BarCamp (als alternatives Konferenzformat aus dem Unternehmensbereich) auch für Weiterbildungskontexte eignet. Wir werden das BarCamp auch in den nächsten Phasen des Zertifikatskurses tAPP weiter integrieren.

Knapper Überblick zum BarCamp am 18.10.2016:

Termin: 18.10.2016 von 15 bis 18:15 Uhr

Ort: Appmusik Studio der Universität der Künste Berlin und weitere Räumlichkeiten

Session-Themen:

  • 16 iPads, 30 Kinder und ein Roboter #ideen #weitere Anregungen gesucht
  • Gemeinsamer Klangraum mit SoundPrism #klangarchitektur #komposition #hören
  • Improvisation von Ambient-Musik mit der App Samplr
  • Synthesizer
  • Ableton Live on Stage! – #presets umschalten #advanced
  • Ableton Live Einführung #erste Schritte #beginner
  • Bewegungssteuerung von Sounds & Effekten
  • YouTube-Videos downloaden und transponieren
  • App-Mixer-Routing
  • Audio-Recording/Sharing/Verwaltung auf dem iPad #editing #recording #sharing
  • Twitter als Lerntool #persönlicher erfahrungsbericht
  • Lernen in Netzwerken
  • Wertschätzung anstatt Bewertung
  • Improvisation von Ambient-Musik mit der App Samplr #teil2

Wie geht es weiter?

Am 12.11.2016 soll schon das nächste BarCamp zum Thema Musik mit Apps wiederum im Rahmen des Zertifikatskurses tAPP stattfinden. Auch dieses BarCamp ist offen für alle und die Teilnahme wieder kostenlos.

  • Termin: 12.11.2016 von 15 bis 18:30 Uhr
  • Ort: Appmusik Studio der Universität der Künste Berlin und weitere Räumlichkeiten
  • Oberthema: Musikmachen mit Apps
  • Teilnahme: offen für alle, Teilnahme kostenlos
  • Hashtag: #barcamptapp – twittern wir, was das Zeug hält!

Zur Bewerbung des BarCamps wurde mit den Teilnehmenden abgestimmt, dass das Video (siehe oben) verwendet werden kann. Nicht zuletzt soll dieser Blogbeitrag dazu beitragen, dass interessierte Gäste erfahren können, was sie bei einem BarCamp erwartet.

Ein BarCamp ist Raum zum Wachsen. Deine aktive Teilnahme und das Leiten der Sessions helfen dir, dich persönlich weiterzuentwickeln und neue Erfahrungen zu machen.

Wir laden Sie herzlich ein, am 12. November beim nächsten BarCamp dabei zu sein. Außerdem würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns bei der Bekanntmachung des BarCamps durch Teilen des Videos und des Beitrages zu unterstützen.

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31m

Fotos: Matthias Krebs

Literatur:

Feldmann, Frank; Hellmann, Kai-Uwe (2015): „Partizipation zum Prinzip erhoben“. Thorsten Knoll (Hrsg.) Neue Konzepte für einprägsame Events. Partizipation statt Langeweile – Vom Teilnehmer zum Akteur. Wiesbaden: Springer / Gabler, S. 29 – 54.

Pape, Karlheinz (2013): Qualität von BarCamps
https://khpape.wordpress.com/2013/11/05/qualitat-von-barcamps/

Reheis, Fritz (2013): Entschleunigung: Über den Umgang mit Zeit beim Lernen und im Leben – oder: die Befreiung vom Hamsterrad. Schriftliche Fassung des Beitrags für den Ganztagsschulkongress in Augsburg vom 20.-22.11.2013. http://www.ganztagsschulverband.de/downloads/reheis_vortrag_augsburg_2013.pdf

Müller, Christian (2016): Barcamps für Unternehmen: Weiterbildung mit Netzwerkchancen
http://www.zielbar.de/barcamp-unternehmen-weiterbildung-12411/

Der Beitrag BarCamp: Vielversprechendes Kursformat für Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/barcamp-vielversprechendes-kursformat-fuer-weiterbildungs-und-fortbildungsangebote/feed/ 0 1887
Forschungsposter: Weiterbildung als Community of Practice? http://forschungsstelle.appmusik.de/weiterbildung-als-community-of-practice/ http://forschungsstelle.appmusik.de/weiterbildung-als-community-of-practice/#comments Sat, 22 Oct 2016 08:55:38 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1825 Die Konzipierung einer Weiterbildung steht vor der Herausforderung, etwas zu planen, was sich der Kontrolle entzieht. Dabei geht es im Kern darum, dass es bei der Gestaltung einer Weiterbildung nicht vorhersehbar ist, was darin gelernt wird. Denn dazu wäre es nötig, standardisierte Verfahren zu entwickeln, um den Output in Form spezifischer Kompetenzen messbar zu machen. […]

Der Beitrag Forschungsposter: Weiterbildung als Community of Practice? erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Die Konzipierung einer Weiterbildung steht vor der Herausforderung, etwas zu planen, was sich der Kontrolle entzieht. Dabei geht es im Kern darum, dass es bei der Gestaltung einer Weiterbildung nicht vorhersehbar ist, was darin gelernt wird. Denn dazu wäre es nötig, standardisierte Verfahren zu entwickeln, um den Output in Form spezifischer Kompetenzen messbar zu machen. Im Folgenden wollen wir einen Ansatz vorstellen, der sich abgrenzt von der Vorstellung des Lernens als Aneignung, um Handlungsvoraussetzungen zu schaffen, und der vielmehr eine Ausrichtung des Lernens auf den Prozess der Mitgliedwerdung bzw. Enkulturation innerhalb einer Praxisgemeinschaft (im Sinne der Community of Practice) betont.

wissensgemeinschaften_poster_ampfDie Entwicklung einer Weiterbildung ist mit vielen Unbekannten verbunden: Was die Teilnehmenden einer Weiterbildung an Erfahrungen und Erwartungen mitbringen, ist unbekannt und schlägt sich während der Konzeptionsphase in idealisierter Form in Wunschvorstellungen der Kursentwickler wieder. Zudem ist es schwer bis überhaupt nicht abzusehen, was innerhalb einer Weiterbildung überhaupt vermittelt wird. Das liegt daran, dass weder bis zur Gänze überprüft werden kann, was die einzelnen Teilnehmer_innen aus Kursen letztlich mitnehmen, noch was die viele Mühe ihnen im Anschluss an die Weiterbildung überhaupt gebracht hat. Nicht zuletzt geschieht Lernen in einer Weiterbildung nicht nur (formal) in Kursveranstaltungen, sondern auch (informell) darüber hinaus: beim gemeinsamen Essen, in Gesprächen, auf Facebook, in gemeinsamen Projekten etc.

weiterbildung-als-community-of-practice-poster

Die untersuchten Interaktionskontexte der Studie „Weiterbildung als Community of Practice?“.

Im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes TOUCH:MUSIC bei dem der »Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung« entwickelt und erprobt wird, suchen wir nach neuen Wegen, um diese Herausforderung anzugehen. Dabei orientieren wir uns bei der Kursentwicklung an dem Konzept der Community of Practice (Wenger 2016). Dieses Konzept ist seit längerem besonders in der Organisationsentwicklung etabliert (vgl. z.B. Zboralski 2007). Aber auch in der Musikpädagogik wird seit den letzten Jahren versucht, die CoP als Brille der Beobachtung von Erfahrungskontexten für die Ausbildung von Kompetenzen angehender oder berufstätiger Musikpädagog_innen einzusetzen (vgl. Ardilla-Mantilla 2013; Ilari, 2010).

community-of-practice_poster_ampf

Abbildungsbeschreibung: Von legitimer peripherer zu vollständiger Partizipation / Grafik: MG

Mitglieder einer Community of Practice (sog. Wissensgemeinschaften) lernen, indem sie in regelmäßigen Interaktionen und im Hinblick auf einen geteilten Interessensbereich innerhalb einer gemeinsamen Praxis mit- und voneinander lernen. Das Besondere an dieser Lerntheorie – die an anderer Stelle bereits näher beleuchtet wurde – ist das Verständnis von Lernen nicht als Aneignung (= Lernen als Aneignung von etwas), sondern als Teilnahme (Lernen als Mitgliedwerdung).

Ausgehend vom Konzept der CoP haben wir eine explorative Studie durchgeführt, um unsere Kursentwicklung besser zu verstehen, die Vermittlungsmethoden und Lernformate zu reflektieren. Dabei haben wir nach neuen Wegen gesucht, um diese Herausforderungen aufzugreifen und die positiven Bedingungen aufzuspüren, die die Teilnehmenden nachhaltig für den anvisierten Erwerbszweig qualifiziert. Das Ergebnis der Studie wurde schließlich am 14. Oktober 2016 auf der Jahreskonferenz des Arbeitskreises für Musikpädagogische Forschung (AMPF) in Form eines Forschungsposters vorgestellt. Vor angereisten musikpädagogischen Forscher_innen aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Norwegen, fassten wir darauf die Problemstellung, Erhebungsmethoden und Ergebnisse zusammen. Im Folgenden seien zentrale Punkte des Forschungsposters knapp erläutert.

 

Weiterbildungskonzept nach den Prinzipien der CoP

Mit der Konzeption des Zertifikatskurses tAPP, angelehnt an die Organisationsstruktur einer CoP (Lave & Wegner, 1991; Wenger 1998), orientieren wir uns an einer sozialen Lerntheorie, die gerade die sozialen Aspekte des Wissensmanagements berücksichtigt. Das bedeutet eine Grundannahme des sozialen bzw. situierten Lernens als Prozess des Mitgliedwerdens in einer Praxisgemeinschaft, wobei auch implizites Lernen eine Rolle spielt, das den Mitgliedern mitunter gar nicht bewusst ist. Lernen ist hierin nicht Aneignung, sondern Mitgliedwerden als Partizipation.

Weiterbildung als Community of Practice?     Nein!
Die Weiterbildung ist zunächst eine Organisation, in der sich ganz unterschiedliche Communities bilden, die nicht mit der Organisation gleichzusetzen sind (vgl. Reinbacher 2007).  Wenn es hier um die Ausrichtung am Konzept des situierten Lernens geht, dann meint das eine Unterstützung informellen Lernens sowie eine theoretische Brille, die die Beobachtung von Wissenspraxen erst ermöglichen.

Demnach gilt als Grundlage folgendes Verständnis von Wissen: Wissen ist immer ein praktisches Wissen (im Gegensatz zum trägen Faktenwissen), das in ko-konstruktiven Prozessen entsteht. Wissen verändert sich im sozialen Austausch, es hat dynamischen Charakter. Wissen ist kein Bestand, sondern ein Wissen, das sich im Handeln innerhalb des Erfahrungskontextes einer Wissensgemeinschaft bewährt.

zertifikatskurs-tapp-11_03

Abbildungsbeschreibung: Seminarszene aus dem Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung / Foto: Lukasz Fabijanczyk

Im Ansatz der Community of Practice sind Kompetenzen weniger „die individuellen, mentalen Handlungsvoraussetzungen […] als Disposition einer Person“, betont wird damit „die Kontextabhängigkeit von Handlungen“ (Wegner & Nückles 2013: 16) und damit die Situierung von Wissen innerhalb der Gemeinschaft. Dies zeigt den deutlichen Unterschied zwischen Lernkontext als die je rahmende und legitime Kultur einer Wissensgemeinschaft und ein alltägliches Situationsverständnis von ereignishaftem Möglichkeitsbereich.

Das hat Folgen für die Gestaltung der Weiterbildung. So werden die Kursteilnehmenden stets in die Gestaltung der verschiedenen Formate einbezogen. Das situative bzw. soziale Lernen wird weiterhin durch die breite Vielfalt an Lehr- und Lernformen möglich, die nah an der Erfahrungswelt der Musikerinnen und Musiker sowie der Lehrenden sind. Dies soll an anderer Stelle noch einmal ausführlich dargestellt werden.

 

Community of Practice als Brille der Beobachtung von Erfahrungskontexten

Darüber hinaus eröffnet der Ansatz der Community of Practice im Rahmen einer Erforschung der Weiterbildung die Möglichkeit, diese auf den geteilten Wissensbereich hin zu beleuchten. Dies ist aus pädagogischer Hinsicht interessant, da es den Output des Wissens untersucht, wobei es nicht um das Wissen des Einzelnen, sondern das verhandelte Wissen der Community of Practice geht.

Damit ist der forschende Umgang mit dem vorliegenden Datenmaterial kein Abprüfen eines vermittelten Wissens, sondern das Suchen des verhandelten Wissens innerhalb der Community. Darüber hinaus bindet sich daran eine Haltung, die Weiterbildung im Sinne eines Practice Research Ansatzes (Juhl 2014) weiterzuentwickeln, d.h. die Erkenntnisse des Forschungsprozesses wiederum in die Praxis der Weiterbildung zu integrieren und diese wiederum zu beforschen etc.

Die leitende Fragestellung der Studie lautet: Welches Konzept von Musikpädagogik mit digitalen Mobiltechnologien wird innerhalb Community entwickelt?

  • Welche Bedingungen beeinflussen Prozesse der Bedeutungskonstruktion?
  • Wie wird Wissen über Musik, Pädagogik und Apps ausgehandelt?

 

Methode und Methodologie

Während der Weiterbildungsdurchgänge und auch danach sammelte sich enorme Menge an Datenmaterial an, welches für eine Erforschung dienlich sein kann. Die Datengrundlage für das auf dem Poster präsentierte Forschungsprojekt bildeten Lerntagebücher der Teilnehmer_innen, veröffentlichte Blogartikel der Teilnehmer_innen, Gruppendiskussionen aus verschiedenen Phasen der Weiterbildung sowie Facebook-Threads und Feedback-E-Mails, in denen nach Spuren dieser Community untersucht wurden.

bildschirmfoto-coding_poster

Abbildungsbeschreibung: Screenshot aus Atlas TI – Codierungsansicht / Grafik: MG

Diese qualitativen Daten wurden im Stil der Grounded Theory (Charmaz 2006) ausgewertet. In einem iterativ-zyklischen Forschungsprozess wird besonders durch den ständigen Vergleich von Codes, Kategorien und Konzepten sukzessive eine Theorie ausgearbeitet. Diese gilt als open ended, also als Theorie prinzipiell unabgeschlossen sowie offen für neue Entdeckungen. Es kommen neue, kontrastierende Fälle hinzu, mit denen die Theorie stetig weiterentwickelt wird.

 

Ergebnisse der Studie

Es kann an dieser Stelle nicht das gesamte Projekt und dessen Ergebnisse vorgestellt werden. Kurz seien zwei Ergebnisse angeführt, die aus dem Datenmaterial herausgearbeitet wurden:

1. Bedeutung von Apps

Die Bedeutung von Apps bewegt sich in einem Spannungsverhältnis zwischen Apps als Ärgernis und Apps als Universal-Tool. Zu diesem Ergebnis gelangte die Auswertung von Lerntagebüchern und Gruppendiskussionen, die während verschiedener Phasen der Weiterbildung gemacht wurden. Dabei führt der negative Pol tendenziell zu einer Abwehrhaltung gegenüber dem künstlerischen Einsatz von mobilen Digitalgeräten. Demgegenüber entwickelt sich eine technologieaffine Haltung, die Apps besonders für Vermittlungskontexte qualifiziert.

zk_tapp2_haltung_musikapps_poster_ampf3

Abbildungsbeschreibung: Der Interessenbereich der CoP liegt in der Entwicklung neuer Kultureller Bildungsprojekte mit Apps. Dabei entwickelt sie eine affirmative Haltung gegenüber mobilen Technologien im Kontext musikpädagogischer Praxis. Die einhergehende Qualifizierung für musikpädagogisches Handeln steht darüber hinaus in einem Spannungsverhältnis zur Technologiekritik, die mobile Technologien für künstlerische Praxen infrage stellt. / Grafik: MG

In der künftigen Weiterentwicklung der Weiterbildung Zertifikatskurs tAPP wäre nun zu versuchen, auch die Bedeutung der Digitalgeräte für die eigene künstlerische Arbeit stärker zu beleuchten. Dies hieße eine Reflexion der eigenen Relevanz im Hinblick auf das technologievermittelte Musikmachen. Daneben wären die Bereiche Technologiekritik und Technologieaffirmativ auch in den Kursveranstaltungen oder Lerntagebüchern expliziter zu thematisieren. So könnten über Chancen und Grenzen unterschiedlichster Technologien für die Planung und Gestaltung von Angeboten und das Handeln in musikalisch-künstlerischen Praxen Diskurse erzeugt werden.

2. verwendeten Vermittlungsformen

Aus der Betrachtung der Projekte dargestellt in den Lerntagebüchern und auf dem Blog kann auf eine starke Einheitlichkeit im Hinblick auf die verwendeten Vermittlungsformen hingewiesen werden. So dominieren Appmusik-Projekte, die einen positiven Umgang mit Smarttechnologien forcieren, der den Gegenhorizont zur oben genannten Technologiekritik eröffnen. Diese Projekte kennzeichnen sich u.a. durch folgende Merkmale:

  • Reduktion von Technologieproblemen im Vorfeld von Projekten
  • körperlich-orientierte (Einbezug des Körpers, der Stimme und Materialien) und kreativ-produktive Verfahren (z.B. Verfremden, Improvisieren und Komponieren)
  • Arbeiten in kleinen Gruppen
  • öffentliches Präsentieren gelingenden Arbeitens

Neben den ganz unterschiedlichen inhaltlichen Facetten der einzelnen Projekte zeichnete sich innerhalb der Datenanalyse ein eher homogenes Bild methodischen Arbeitens ab. In künftigen Phasen könnte als Weiterentwicklung der Weiterbildung noch dahingehend geschaut werden, wie die einzelnen Teilnehmer_innen zu ihrer je individuellen Art des Vermittelns gelangen können und inwiefern insbesondere im Hinblick auf methodische Vielfalt selbst innerhalb der Weiterbildung geachtet wird.

 

Forschungsposter zum Download

Das gesamte Poster ist hier unten abgebildet und kann als pdf heruntergeladen und mit anderen geteilt und diskutiert werden.

thumbnail of ampf_poster_weiterbildung-als-community-of-practicemg1mk4 Durch Klicken auf das Bild öffnet sich das Forschungsposter.

 

Literatur

Argyris, C./ Schön, D. (1999): Die Lernende Organisation: Grundlagen, Methode, Praxis. Stuttgart: Klett-Cotta.

Charmaz, K. (2006): Constructing Grounded Theory. A Practical Guide Through Qualtitativ Analysis. Los Angeles u.a.: Sage.

Ilari, B. (2010): A community of practice in music teacher training: The case of Musicalização Infantil. Research Studies in Music Education 32(1), S. 43-60.

Juhl, A. (2014): Pragmatic Inquiry. A Research Method for knowledge creation in organisations. In: Simon, G. & Chard, A. (Hrsg.): Systemic Inquiry. Innovations in Reflexive Practice research. Farnhill: Everything is Connected Press, S. 244-265.

Lave, J. and Wenger, E. (1991): Situated learning: legitimate peripheral participation, Cambridge, Cambridge University Press.

Kenny, Ailbhe (2016): Communities of Musical Practice. Sempre Studies in the Psychology of Music, Routledge: London und New York.

Künkler, T. (2011): Lernen in Beziehung. Zum Verhältnis von Subjektivität und Relationalität in Lernprozessen Bielefeld: Transcript.

Wegner, E. & Nückles, M. (2013): Kompetenzerwerb oder Enkulturation? Lehrende und ihre Metaphern des Lernens. In: Zeitschrift für Hochschulentwicklung 8(1), S.15-29.

Wenger, E. (2006): Communities of practice. A brief introduction, S.1-6. Verfügbar über http://wenger-trayner.com/wp-content/uploads/2013/10/06-Brief-introduction-to-communities- of-practice.pdf (geprüft 05.10.2016).

Zboralski, K. (2007): Wissensmanagement durch Communities of Practice. Eine empirische Untersuchung von Wissensnetzwerken. DUV, Wiesbaden: Springer.

Der Beitrag Forschungsposter: Weiterbildung als Community of Practice? erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/weiterbildung-als-community-of-practice/feed/ 1 1825
Absolvent_innen des Zertifikatskurses tAPP präsentieren ihre Appmusik am 20.07.2016 in Berlin http://forschungsstelle.appmusik.de/absolvent_innen-des-zertifikatskurses-tapp-praesentieren-ihre-appmusik-am-20-07-2016-in-berlin/ http://forschungsstelle.appmusik.de/absolvent_innen-des-zertifikatskurses-tapp-praesentieren-ihre-appmusik-am-20-07-2016-in-berlin/#respond Thu, 14 Jul 2016 11:13:12 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1690 Es ist schon fast Tradition: Als musikalischer Höhepunkt gibt es zum Abschluss eines Zertifikates eine Abendveranstaltung mit Labor-Konzert und lockerer Gesprächsrunde für alle Dozent_innen, Ehemalige und Interessierte. Es geht um musikalische Experimente mit Apps, um Erfahrungen in Musikprojekten, um Tipps und Neuigkeiten und es werden Kontakte geknüpft. Darauf möchten wir hier in diesem Beitrag hinweisen […]

Der Beitrag Absolvent_innen des Zertifikatskurses tAPP präsentieren ihre Appmusik am 20.07.2016 in Berlin erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Es ist schon fast Tradition: Als musikalischer Höhepunkt gibt es zum Abschluss eines Zertifikates eine Abendveranstaltung mit Labor-Konzert und lockerer Gesprächsrunde für alle Dozent_innen, Ehemalige und Interessierte. Es geht um musikalische Experimente mit Apps, um Erfahrungen in Musikprojekten, um Tipps und Neuigkeiten und es werden Kontakte geknüpft. Darauf möchten wir hier in diesem Beitrag hinweisen und alle einladen.

Das Konzert beginnt ab 19:30 im Raum 340 des ZIW/ Berlin Career College der  UdK Berlin (–> Bundesallee 1-12) und unternimmt eine Reise durch die Welt der Appmusik. Ab 21 Uhr lockere Runde.

Zertifikatskurs tAPP_Abschluss

Wiedersehen, Labor-Konzert und lockerer Gesprächsrunde für alle Dozent_innen, Ehemalige und Interessierte.

 

Die Zeit vergeht im Flug

Nunmehr geht der zweite Pilotdurchgang (gestartet am 20. März 2016) des BMBF-geförderten Weiterbildungsangebotes Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung (ein Verbundprojekt der Bundesakademie Wolfenbüttel und der Forschungsstelle Appmusik) in die vierte und letzte Kursphase. In dieser Phase vom 17.-21.07.2016 in den Räumen der Universität der Künste Berlin bearbeiten Musiker_innen unterschiedlichster Genres die Frage, wie eine Kulturelle Bildungspraxis mit Musikapps gelingen kann. Anlass dafür sind nicht zuletzt die ausführlichen Blogbeiträgen die sie jüngst [hier] veröffentlicht haben und in denen sie ihre ersten pädagogischen Praxisprojekte mit Apps dokumentieren und reflektieren.

Zertifikatskurs tAPP_Appentwickler

Appentwickler Gabriel Gatzsche von Audanika erläutert neue Features seiner Musikapp. // Foto: Matthias Krebs

Aber auch in dieser Kursphase wird nicht nur wissenschaftlich-theoretisch über Musik gesprochen, sondern auch künstlerisch-praktisch Musik gemacht, die in einem öffentlichen Konzert präsentiert wird.

 

Musikprojekte mit Apps in der musikpädagogischen Weiterbildung

Das Format des künstlerischen Umgangs mit Apps stellt eine wichtige Säule unserer musikpädagogischen Weiterbildung dar. Denn erstens müssen Apps auch in ihrer Funktion als Musikinstrument erschlossen werden und zweitens bedeutet eine Ausrichtung auf ästhetisch-kulturelle Bildung auch immer ästhetische Selbstbildungsprozesse anzuregen. Und ein musikalisch-künstlerische Umgang mit den mobilen Digitalgeräten hat sich in der Vergangenheit nicht nur als wertvolle Ergänzung zur Beschäftigung mit Musikvermittlung im Feld der Kulturellen Bildung erwiesen.  Diese Relevanz ergibt sich durch die Beachtung der Zielgruppe als Musiker_innen (im Unterschied zu Musikvermittler_innen oder -pädagog_innen), dem Gegenstand ästhetischer Bildung an, mit und durch Musik sowie die Identifikation der Technologien in ihrer Qualität als Musikinstrument.

Die Ergebnisse die in den spontanen Experimentierlaboren während der Präsensphasen entstehen, sind vielfältig. Sie reichen von multimedialen Installationen, thematischen Eigenkompositionen in gemischten Gruppen, technischen Versuchsaufbauten bis hin zu Exkursen in für die Teilnehmenden wenig vertraute Musikgenres. Nicht zuletzt sind die Performances, die in selbstorganisierten Phasen entstehen auch Räume um sich vertieft mit Musikapps künstlerisch auseinanderzusetzen und in heterogenen Gruppen neue Möglichkeiten des Musizierens zu erkunden. In einem Labor-Konzert werden die Ergebnisse am Ende der Kursphase halböffentlich präsentiert.

Teilnehmer_innen des ZK tAPP präsentieren eine Eigenkomposition auf Apps #gutelaune #seidihrdabei

 

Updates

Nach dem Konzert ist Zeit, um in gemütlicher Runde noch einmal beisammen zu sein und nette Gespräche zu führen. Für alle Kursteilnehmer_innen – Musiker_innen wie auch Team – ist das auch Verbunden mit einem Wiedersehen: Denn zur Abendveranstaltung sind auch Teilnehmende der vorangegangenen Weiterbildungsdurchgänge eingeladen sowie auch die Dozent_innen des Zertifikatskurses, die in den ersten Kursphasen dabei waren und so die Entwicklung der Musiker_innen erleben können.

Zertifikatskurs tAPP_Abschluss03

Austausch zu Musikapps und über Musikprojekte.

Beim letzten Durchgang Zertifikatskurs tAPP war die Abendveranstaltung auch ein Anlass, dass Gäste – wie der Musikapp-Entwickler Gabriel Gatzsche von audanika – Einblicke in die neusten Updates gab, noch vor der allgemeinen Veröffentlichung gab und so einen exklusiven Einblick in neue Funktionen gab. Außerdem erklärte er Workflows, wie er sich die Bedienung der Musikapp vorstellt.

 

Einladung

Deshalb laden wir Sie und Euch ganz herzlich ein, am Mittwoch, den 20.07.2016, im Raum 340 der Universität der Künste Berlin in der Bundesallee 1-12 (U-Bahnhof Spicherstraße), Gast beim Abschlusskonzert der Absolvent_innen des Zertifikatskurses tAPP zu sein.

Das Konzert beginnt ab 19:30 im Raum 340 des ZIW/ Berlin Career College der  UdK Berlin (–> Bundesallee 1-12) und unternimmt eine Reise durch die Welt der Appmusik.

Darüber hinaus haben wir anschließend die Gelegenheit, mit aktuellen und ehemaligen tAPP-Teilnehmer_innen, Dozent_innen und dem Team der Forschungsstelle Appmusik sowie die Mitarbeiter_innen des Verbundpartners der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel ins Gespräch zu kommen.

Der Beitrag Absolvent_innen des Zertifikatskurses tAPP präsentieren ihre Appmusik am 20.07.2016 in Berlin erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/absolvent_innen-des-zertifikatskurses-tapp-praesentieren-ihre-appmusik-am-20-07-2016-in-berlin/feed/ 0 1690
Apps, Musikpädagogik und Videos I – Klassenmusizieren 4.0 http://forschungsstelle.appmusik.de/klassenmusizieren4-0/ http://forschungsstelle.appmusik.de/klassenmusizieren4-0/#respond Sun, 19 Jun 2016 15:12:35 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1571 Wir wissen noch gar nicht richtig, was Appmusik ist. Und wir wissen ebenso noch wenig von der Besonderheit einer musikpädagogischen Praxis mit Apps. Dennoch stoßen wir immer wieder auf Videos, in denen letztere vorgestellt wird. Jüngst bin ich erneut auf derartige Videos gestoßen, die mich dazu verleitet haben, einmal näher über die Machart jener Videos […]

Der Beitrag Apps, Musikpädagogik und Videos I – Klassenmusizieren 4.0 erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Wir wissen noch gar nicht richtig, was Appmusik ist. Und wir wissen ebenso noch wenig von der Besonderheit einer musikpädagogischen Praxis mit Apps. Dennoch stoßen wir immer wieder auf Videos, in denen letztere vorgestellt wird. Jüngst bin ich erneut auf derartige Videos gestoßen, die mich dazu verleitet haben, einmal näher über die Machart jener Videos nachzudenken. Speziell soll es im folgenden Beitrag um die Auseinandersetzung mit einem ersten Video über Apps in pädagogischen Kontext gehen. Kern meiner Darlegung ist demzufolge nicht die Vorstellung einer Musikapp, sondern die Frage der Inszenierung des Verhältnisses von Musikapp und Musikpädagogik in Videos: »Wie wird eine musikpädagogische Praxis mit Apps in Szene gesetzt?«

Die Relevanz einer solchen Arbeit erschöpft sich nicht allein in der Analyse von Videos, sondern kann im Beitrag dahingehend liegen, die Legitimation einer Musikpraxis mit Apps oder eines Musikunterrichts mit digitalen Mobilgeräten diskursiv zu verorten. Das heißt auch ein besseres Verständnis für die Rezeption des Musiklernens mit Apps in verschiedenen Medien. Dazu zählt die diskursive Konstruktion des Gegenstands in Publikationen oder im wie vorliegenden Fall in Videos, die einen musikpädagogischen Fokus haben. Videos von Projekten sind neben Zeitschriften, Büchern, Workshops oder Fort- und Weiterbildungen etc. ein Medium der Verbreitung neuer musikpädagogischer Ansätze. 

Infolgedessen muss deutlich gemacht werden, dass die folgenden Analysen weder eine musik- oder medienpädagogische Fragestellung eines guten Unterrichts mit Musikapps noch eine musik- oder medienästhetische Frage nach dem Gelingen der Musik oder der Videoproduktion verfolgen. Einzig wird danach gefragt, welches Bild vom Musiklernen mit Apps in einem musikpädagogischen Setting im Video gezeichnet wird.

Die Datengrundlage des vorliegenden Artikels bildet ein auf YouTube veröffentlichten Video des Pädagogen Patrick Schäfer, ein davon erstelltes Videotranskript sowie eine Transkritpion der verbalen Äußerungen im Video. Die Auswertung erfolgte in Anlehnung an Reichertz und Englert (2011) als qualitative Videoanalyse sowie an ein differenztheoretisches Vorgehen (Godau 2016). Das dazugehörige Video ist dabei kein erhobenes Datenmaterial, sondern steht frei verfügbar im Internet. (Hier gelangen Sie zur Datei des Transkripts_Klassenmusizieren4.0)

Dass eine Analyse in einem kurzen Blogartikel nicht umfassend behandelt werden kann, muss soweit klar sein. Denn dafür ist das Medium Blog eher einschränkend. Dennoch ermöglicht gerade die kontinuierliche Beschäftigung mit diesem Thema in mehreren Beiträgen, zukünftig noch intensiver den Gegenstandsbereich der Beziehung zwischen Musikpädagogik und Musikapps in Videos zu durchdringen. Somit leitet der folgende Text die Reihe ein: Was ist Appmusik?

Appmusik in Videos

Zunächst kann festgehalten werden, dass die Vorstellung von Apps in Videos eine gängige Praxis ist. Entwickler_innen stellen ihre Apps vor, Nutzer_innen reflektieren in Tutorials ihre Nutzung und Pädagoge_innen teilen ihre Erfahrungen aus appmusikalischen Projekten mit anderen. Und auch auf diesem Blog haben wir bereits einige Videos zusammengetragen.

Ich konzentriere mich in meinen Auseinandersetzungen mit Videos auf musikpädagogische Settings. Diese berühren vor allem den Bereich der Legitimierung entsprechender Lehr-Lern-Settings, also der Frage nach dem Einsatz von Tablets in musikbezogenen Bildungskontexten. Gerade Pädagog_innen beschäftigen sich mit der Frage danach, wie Musikapps das Musiklernen unterstützen können. Und dabei gilt es sich stets vor Augen zu halten, dass musikpädagogische Praxis eher von einer Suchbewegung geprägt ist. Unterrichtswirklichkeit wandelt sich viel zu schnell, als dass erst auf die Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse gewartet werden könnte, um Innovationen umzusetzen. Vielmehr etablieren sich Formen musikpädagogischer Praxis mit Apps, die es sowohl pädagogisch (z.B. Was sind Bedürfnisse, Zielstellungen und Methoden der Vermittlung?) als auch empirisch (z.B. Welche Diskurse, Paradigmen, Wirkungsweisen und Desiderata lassen sich aufzeigen?) aufzuarbeiten gilt.

 

»Freude, Schöner Götterfunken« auf iPads

Wie eingangs erwähnt ist das erste Beispiel von Patrick Schäfer, der in seinen Appmusik-Projekten vor allem einen inklusiven Ansatz verfolgt. Dieses Video wird jedoch viel allgemeiner ausgewiesen als zweiter Teil einer Reihe »Klassenmusizieren 4.0«. (Hier geht´s zu Klassenmusizieren 4.0 Teil 1)

Schon der Titel deutet darauf, dass es sich hier um die Verbindung von musikpraktischen Tätigkeiten im Musikunterricht mit internetfähigen Technologien handelt. Der Titel reiht sich ein in Formulierungen wie „Arbeiten 4.0“ oder „Lernen 4.0“ und wird somit zur These eines zukunftsvisionären Beispiels unterrichtlichen Musizierens in einer Klasse.

Als Hauptakteur_innen tauchen Schüler_innen einer 2. Klasse einer Grundschule, ihre Klassenlehrerin sowie Patrick Schäfer auf. Letzterer ist weniger im Video selbst zu sehen (am Ende wird er von der Lehrerin genannt; siehe unten), sondern wir lernen ihn im Abspann sowie im Video als Autoren des Videos und Initiators des Projektes kennen. Der musikalische Inhalt ist die Melodie von »Freude, schöner Götterfunken« aus Beethovens 9. Sinfonie, die einstimmig im Ensemble gespielt wird. Dabei sitzen die Schüler_innen an Gruppentischen (nicht benötigte Tische sind an den Seiten verteilt und bilden einen Kreis um die anderen Tische), wo pro Tisch 3-4 Schüler_innen auf einem iPad spielen; später im Video auch mit Kopfhörern. Die Lehrerin bewegt sich durch den Raum.

Die folgende Abbildung zeigt eine schematische Darstellung der Raumaufteilung am Anfang des Videos. Zu sehen ist der Tür- (braun) und der Tafelbereich, die fünf Schüler_innentische mit je einem iPad (vier Vierer- und eine Dreiergruppe), die Lehrerin mit ihrem iPad vor der Tafel. Die Benennungen konzentrieren sich auf diejenigen Gruppen (die Reihenfolge richtet sich nach Erscheinen im Video) und Schüler_innen, die im Video sprechen oder über die gesprochen wird. Die gestrichelten Linien deuten die ungenutzten Tische an und der gestrichelte Smiley deutet auf die Schülerin, die etwa ab der Hälfte des Videos nicht mehr zu sehen ist.

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 05.19.18

Schematische Aufteilung des Klassenraums // Bild: Marc Godau

Die App ist eine von Patrick Schäfer selbst entwickelte Oberfläche mit der App Lemur, die an anderer Stelle umfangreich vorgestellt wird. Im Video beschränkt sie sich auf eine Oberfläche. Diese besteht aus acht ‚Tasten’ im Umfang einer Oktave, wobei ähnlich einem Glockenspiel unterschiedliche Farben für unterschiedliche Töne stehen:

Schwarz (=c)Braun (= d)Blau (= e)Grün (= f)Rot (= g)Orange (= a)Gelb (= h)Schwarz mit weißem Punkt (= c’)

Bei meinen Recherchen im Internet nach Farbanordnungen auf Glockenspielen wurde schnell deutlich, dass es keine Einheitlichkeit gibt, sondern die Farben neben einfarbigen (z.B. silber oder rot) Varianten je nach Hersteller variieren. Analoge Anordnung wie auf der App von Patrick Schäfer habe ich bei Buntstiften gefunden.

Weiter sind auf der App die vier bunten Tastaturen so im Kreis angeordnet, dass vier Kinder gleichzeitig spielen können. Außerdem gibt es in der Mitte der App eine Möglichkeit, die Lautstärke einzustellen, und beim Bestätigen der ‚Tasten’ ertönt ein Bläserklang.

Patrick_Schäfer_AppDie viergeteilte Oberfläche der App mit Reglern in der Mitte, um die Lautstärke einzustellen. // Screenshot: Marc Godau

Der Gedanke des Ensemblespiels findet sich ebenfalls im Logo der Reihe »Klassenmusizieren 4.0« wieder: Um ein iPad reihen sich auf jeder Seite 4 farbige Punkte (grün, blau, rot & orange). Jedem Punkt liegt auf der Innenseite des iPads ein Rechteck mit derselben Farbe wie der des Punktes. Und das Zentrum des Logos bildet der Schriftzug »Klassenmusizieren 4.0« mit einer an Schreibschrift orientierten Schriftart.

 

Logo der Videoreihe Klassenmusizieren 4.0 // Screenshot: Marc Godau

Logo der Videoreihe Klassenmusizieren 4.0 // Screenshot: Marc Godau

Zusammengenommen ist das dahingehend interessant, dass traditionelle mit aktuellen Elementen kombiniert werden: Im Klassenmusizieren 4.0 wird auf iPads eine Melodie eines sinfonischen Werkes des 19. Jahrhunderts gespielt, wobei Aussehen der virtuellen Tasten einem ‚typischen’ Kinderinstrument (Glockenspiel) gleichen und ein Bläserklang erklingt. Somit können wir pointiert als rahmendes Thema setzen: Musik des 19. Jahrhunderts trifft im Musikunterricht auf Technologien des 21. Jahrhunderts.

Der Einstieg

Nach dem Vorspann steigen wir in eine Szene ein, in der vier Schüler_innen (= Viergruppe I) die ersten vier Takte der Melodie von »Freude, schöner Götterfunken« spielen. Vor jedem Kind liegt ein Blatt mit dem Notentext des Stücks. Schwer zu erkennen ist, was im späteren Verlauf des Videos durch die Lehrerin ebenfalls genannt wird, dass die Noten ebenso die Farben der Tasten tragen. Während die beiden Mädchen auf der linken und rechten Seite die Melodie fehlerfrei spielen, steigt der Junge im oberen Teil des Bildes im zweiten Takt auf der 4. Zählzeit mit einer falschen Note ein, d.h. er spielt bereits den nächsten Takt und steigt im letzten Takt gänzlich aus. Das Mädchen im unteren Teil des Bildes spielt im dritten Takt drei-, anstatt zweimal den Ton c und sie asynchron zu den anderen Mädchen wird. Scheinbar versucht sie den ‚Rückstand’ durch doppeltes Tempo wieder einzuholen, denn sie spielt die letzten vier Töne schneller. Diese Eröffnungsszene zeigt damit folgende Themen: Kinder spielen zu viert auf einem iPad » Freude, schöner Götterfunken« (Ensemblespiel eines Beethoven-Stücks auf Apps), sie musizieren gemeinsam eine als Notentext vorliegende Melodie auf virtuellen, bunten Tasten (Musikmachen nach Noten und Farben), wobei zwei der Kinder im zweiten Teil vom Spiel der anderen abweichen (Das Spiel ist nicht perfekt).

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 11.17.35

In der zweiten Szene spielt die gesamte Klasse dieselben vier Takte, was durch die Lehrerin eingezählt wird, die stehend mit einem iPad auf einem Ständer musiziert. Dadurch wirkt der Anfang des Videos wie ein Call-Response-Verfahren, bei dem die vier Schüler_innen vorgeben, was die Klasse als Gemeinschaft wiederholt. Auch durch die Kameraführung wird das deutlich: Während die erste Szene als Nahaufnahme der Vierergruppe mikroskopisch das Tablet, die auf der App spielenden Hände der Schüler_innen und den Notentext fokussiert, fährt die Kamera langsam von der Lehrerin hin zur gesamten Klasse, die unisono die Melodie spielen, was  damit ein makroskopisches Bild der didaktischen Situation zeichnet: Die Schüler_innen arbeiten an einem Musikstück, das auf iPads in Gruppen sowie als Klasse gespielt wird. Einzige Ausnahme ist ein Mädchen, das in der letzten Reihe sitzt und sich selbst mit etwas anderem beschäftigt.

Üben in Gruppen mit der Lehrerin

Im Anschuss daran folgen zwei Szenen, in denen die Lehrerin zwei Gruppen beim Üben der Melodie hilft. Sie setzen eine Unterscheidung dahingehend, dass die ersten zwei Szenen als Präsentationsphase und die nächsten beiden die Übungsphase darstellen. Auch in diesen beiden Szenen wechselt die Perspektive von klein und intim einer einzelnen Gruppe hin zu groß und klassenöffentlich. In der Nahaufnahme begleitet die Lehrerin die vier Schüler_innen (= Viergruppe II) rhythmisch durch ’stummes‘ Mitspielen (sowohl in Rhythmus als auch in Bewegungsrichtung) mit dem Zeigefinger auf dem Gruppentisch sowie melodisch durch Singen der jeweiligen Farben der virtuellen Tasten („blau, blau, grün, rot, rot, grün, blau, braun“). Im Video »Klassenmusizieren 4.0 Teil 1« hört man auch die Kinder während des Spielens die Melodie auf die Silbe ‚La’ singen.

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 11.58.47

Die Vierergruppe II spielt gemeinsam mit der Lehrerin die Melodie // Screenshot: Marc Godau

Auffallend ist an dieser Szene das gemeinschaftliche Spiel der Melodie als Akt nachahmender Gesten, in der drei Schüler_innen (ein Junge oben links im Bild spielt nicht mit, sondern hält eine Zeit lang seine Hand spielbereit und zieht sie schließlich zurück) tönend und die Lehrerin stumm spielend, aber singend die Melodie reproduzieren. Und die Farbsilben deuten im Kontext des oben Beschriebenen hin, dass hier ein Notentext als Vorlage genutzt wird.

In der darauffolgenden Einstellung ist die Lehrerin von hinten bei Viergruppe III zu sehen, wo sie über den Tisch gebeugt ebenso das Spiel auf dem iPad mit Singen der Farben begleitet. In dieser größeren Perspektive sind im Hintergrund zwei Schüler_innen zu erkennen, die als Zuschauer_innen das Geschehen verfolgen.

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 12.02.48

Die Lehrerin beugt über dem Tisch der Vierergruppe III, in der sie die Farben der Töne mitsingt, während die Schüler_innen die Melodie auf den iPads spielen. // Screenshot: Marc Godau

Präsentieren im Schüler_innen-Lehrerin-Ensemble

Es folgt eine Präsentation im Klassenverbund. Wie bis an diesem Punkt dramaturgisch schon bekannt, eröffnet einzeln die Lehrerin durch Einzählen das Ensemblespiel. Das heißt, dass sie sowohl auf der Bildebene das Zentrum bildet, sie einzeln zu sehen ist, als auch in der Kommunikation die Rolle der Anleiterin hat, den Beginn des Spiels zu bestimmen. Neu ist einerseits, dass das Musizieren durch einen Off-Beat begleitet wird, über den die Schüler_innen »Freude, schöner Götterfunken« musizieren. Andererseits spielt die Lehrerin nicht mehr selbst, sondern zeigt zuerst auf das Blatt, dann in die Klasse blickend mit dem Finger auf einem an der Tafel angebrachten Notenblatt den Verlauf der Melodie. Dies begleitet sie wie in der Übungsphase durch Singen der Farben.

 

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 09.56.54

Die Lehrerin zählt die Klasse ein und zeigt auf dem Notentext an der Tafel den Rhythmus und die Reihenfolge der Noten // Screenshot: Marc Godau

Während bei den ersten zwei Takten nur die Lehrerin zu sehen ist, sieht man für die nächsten zwei Takte die Klasse. Nicht alle Schüler_innen spielen. Einige halten das Notenblatt und andere schauen dem je musizierenden Kind am Tisch zu. Während des vierten Taktes läuft die Lehrerin von rechts in das Bild, was ebenso einige Schüler_innen durch Fixieren des Blicks auf sie registrieren. Sie beendet das Spiel mit der Formel: „Dankeschön“.

Nach einem Bildwechsel fordert die Lehrerin eine andere Gruppe von Schüler_innen auf, die sie zunächst zusammenstellen muss. Es handelt sich um „die Kinder die c h EINS da stehen haben“ (Lehrerin). Durch melden geben sich die jeweiligen Schüler_innen zu erkennen und spielen eingeleitet durch das Einzählen zusammen mit der Lehrerin. Dies ist insofern eine bemerkenswerte Stelle, als das die Lehrerin offenbar noch immer die Noten an der Tafel zeigt. Jedoch wird durch die Formel „DIE spielen jetzt mit mir“ ein Schüler_innen-Lehrer_innen-Ensemble gebildet, in dem die Kinder mit dem iPad und die Lehrerin auf Farbsilben singend sowie mit dem Notentext an der Tafel musiziert, während die anderen im Klassenraum zum Publikum werden.

 

Folie18

Skizze der Kamera-Foki (rotes Kästchen) und -Bewegungen (roter Pfeil) in den einzelnen Szenen (1-15) // Bild Marc Godau

 

Üben in Gruppen ohne Lehrerin

In den nächsten beiden Szenen kommen Kopfhörer als Medium hinzu und die Aushandlungsprozesse der Vierergruppen II und III rücken in den Fokus.

In der ersten Gruppe wird das Problem verhandelt, dass während des Spiels der Takt klar sein muss. Das Thema wird in der Szene von den beiden Jungen der Gruppe eröffnet. JS und JG fordern nacheinander zum Zuhören und gleichsam zum Beenden des Musizierens auf. Dies unterstützt JG körperlich dadurch, dass er beiden Mädchen die Kopfhörer abnimmt und die Aufforderung zum Zählen, also verbales Taktangeben wiederholt. Dass JS die Kopfhörer der beiden Mädchen nimmt und so in ihren Intimbereich eintritt, macht die Funktion der Kopfhörer deutlich: Diese ’schotten‘ die Gruppe nach außen, zu anderen Gruppen ab, verhindern allerdings eine interne Differenzierung, da die Gruppe bzw. die Mädchen hier als ‚taub’ gegenüber den Einwürfen der beiden Jungen in Erscheinung treten. Das macht ein Abnehmen der Kopfhörer, ein Freilegen der Ohren notwendig, um die Arbeit in der Gruppe zu organisieren. MR nimmt sich dem Problem an, indem sie zur Disposition stellt, das Zählen zu übernehmen. Ein kollektives Problem führt somit zur Ausbildung von Rollen (Problemidentifzierer vs. Taktangeber_in vs. Spieler_innen). In der Kameraführung fällt hier (01min 28sek) auf, dass zum ersten Mal die Kamera in das Bild zoomt und damit die vier Schüler_innen zentral in das Bild rückt. Nachdem der Totalen des Klassenraums in der vorherigen Einstellung wirkt das Hineinzoomen in die Viergruppe II als ein intimeres Blicken, wechselt von der Gesamteinstellung der Klasse hin zur Gruppe. Dies deutet nicht nur einen Methodenwechsel (Plenums- vs. Gruppenarbeit) an, sondern ändert die Homogenität der Klasse (= alle spielen dasselbe) in eine Heterogenität einzelner Schüler_innen (= eine von fünf Gruppen differenziert sich innerlich durch die Herausbildung von Rollen).

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 11.09.31

In der Vierergruppe II nimmt JG den Mädchen die Kopfhörer ab, was zur Aushandlung der Rolle des/ der Taktgeber_in in der Gruppe führt. // Screenshot: Marc Godau

In der zweiten Gruppe (Vierergruppen III) geht es stärker um die individuelle Verbesserung. Die Szene wird eröffnet durch den Vorschlag von MRSW, zunächst einzeln und dann gemeinsam in der Gruppe zu spielen. In der nächsten Einstellung wird das individuelle Üben in eine Präsentationsphase überführt. MS wird aufgefordert, ihr Spiel vorzutragen, damit die anderen ihr Verbesserungsvorschläge machen. Damit handelt es sich um die Differenz: auf fehlerhaft Gespieltes hingewiesen werden vs. korrekt Gespieltes unausgesprochen lassen. Dies erinnert an eine nicht unbekannte schulische Praxis, dass Fehler angemerkt werden. Hier nun in Form einer kollektiven Rückmeldung, die im fehlerhaften Spiel eines Gruppenmitgliedes ihren Sinn erhält. MS, die nun spielt, erhält in der Folge zwei Hinweise: Der erste richtet sich auf die Anzahl der zu spielenden Töne und der zweite auf das Tempo ihres Spiels, das deutlich als zu schnell ausgewiesen wird. Betonung erlangt besonders der letzte Hinweis durch verstärkende Verdopplung der aufgeforderten Ereigniskette, das Spiel zu stoppen, schnelles Spiel als fehlerhaft auszuweisen und ein langsames Spielen vorzuschlagen: MGW: „Nee stopp mal stopp mal so schnell nicht so schnell langsa:m mach mal ganz LANGsam.“ Daraufhin spielt MS die Melodie und wird rhythmisch begleitet durch das einhändige Dirigat MRWs sowie dem Kopfnicken MRs. Die Szene endet mit dem Beenden des Melodiespiels MSs, woraufhin die Gruppe auch sich auch körperlich vom Tisch weg nach außen bewegt.

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 08.10.29

Szene des Übens in der Vierergruppe II. Die roten Pfeile zeigen die synchronen Körperbewegungen an. // Screenshots: Marc Godau

Erwähnenswert ist hier noch ein Gespräch zwischen der Lehrerin und einer anderen Gruppe, das im Hintergrund der Szene zu hören ist. Darin wird ebenfalls das von der Vierergruppe II oben behandelte Thema des Mitzählens durch eine_n Taktangeber_in besprochen und scheinbar gelöst.

 

Reflexion des Prozesses

Den letzten Teil des Videos macht die Reflexionsphase aus. Es geht darum, dass verschiedene Perspektiven und Themen angesprochen werden. Zu Wort kommen die Perspektiven dreier Mädchen und eines Jungen und durch die Lehrerin erfahren wir etwas über die Perspektive Patrick Schäfers.

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 12.17.17

In der Reflexionsphase kommen zu Wort (v.l.n.r.): MSW (Vierergruppe III), Lehrerin, JT (Vierergruppe I), MR(Vierergruppe II) und MB (Vierergruppe I) // Screenshots: Marc Godau

MSW thematisiert das positive Erleben des Ensemblespiels, was das Projekt bzw. die Stunde durch den sozialen Aspekt einer kollektiven Erfahrung qualifiziert. Als nächstes beantworten ein Junge sowie ein Mädchen die Frage danach, ob „es euch LEICHT oder […] es euch SCHWER gefallen [sei] mit dem iPad zu musizieren und mit der Gruppe“ (Lehrerin). Der Schüler benennt die Schwierigkeit, den Notentext mit dem Spiel auf den Tasten zu synchronisieren, womit er das Spiel nach Noten als eine musikalische Kompetenz hervorhebt, die während der Stunde eine Rolle spielte. Das Mädchen hingegen spricht mit ihrer Antwort den Lernprozess an. Darin hebt sie auf das Erleben ab, nach anfänglichen Schwierigkeiten immer leichter gelernt zu haben. Die Lehrerin fragt weiter nach der individuellen Bewertung dessen, dass der Notentext bunt war. Auffallend ist, dass sie hier nicht ein Kollektiv (Fandet ihr das gut?) angesprochen wird, sondern Individuen (Fandest du das gut?). Dass diese Frage sich nicht an eine_n einzelne_n Schüler_in richtet bzw. in der Klasse nicht so verstanden wird, wird durch Melden mehrere Schüler_innen deutlich. Angesprochen wird daraufhin eine Schülerin, die ihr eigenes Erleben damit begründet, dass Notentext und virtuelle Tasten farblich übereinstimmten, was den Lernprozess vereinfachte.

In der letzten Einstellung wird die Lehrerin zum Sprachrohr Patrick Schäfers, der wie der Fingerzeig der Lehrerin in die Kamera andeutet, auch im Video die Kamera führte. Die Frage erzeugt die Differenz zwischen Fortführung vs. Beendigung des Projektes. Die Seite der Fortführung wird gestärkt, indem sie Patrick Schäfers Motivation zur Sprache bringt, nochmals in die Klasse, also den Musikunterricht zu kommen. Und auch die Schüler_innen vertreten im Video diese Ansicht. Sie bejahen nämlich kollektiv die Frage: „Wollt ihr das Projekt weiterführen?“, was gleichzeitig den Abspann einleitet, indem in das Ja der Klasse bereits die Musik des Abspanns hinein-faded. Die Unterrichtstunde zum »Klassenmusizieren 4.0 – Teil 2« endet in der Folge mit der Kommunikation des Erfolgs und der Erwartung einer Fortsetzung (Teil 3?), also uneingeschränkt positiv.

Bildschirmfoto 2016-06-20 um 12.22.33

Die Lehrerin erwähnt, dass Patrick Schäfer gern wieder kommen würde, und erfragt daraufhin die Motivation der Klasse, das Projekt weiterzuführen. // Screenshot: Marc Godau

Der Abspann ist zweigeteilt. In der ersten Einstellung erscheint auf weißem Hintergrund erneut das Logo der Reihe »Klassenmusizieren 4.0« inklusive Name, Institutszugehörigkeit und Mail-Angaben des Autors. Die zweite Einstellung ist auf schwarzem Hintergrund. Es erscheinen Angaben zum Projektinhalt, zum Namen der Grundschule sowie ein Dankesgruß an die Klassenlehrerin. Dieser Abspann setzt damit eine Unterscheidung zwischen offiziellem/ formalem Abspann auf weißem Grund inklusive institutionellem Kontext und Logo des Projektes sowie dem inoffiziellem/persönlicheren Abspann inklusive Danksagung mit ‚verspielterer‘, weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund. Auch auf Ebene der Schriftart wird differenziert, indem Reihe inklusive Logo »Klassenmusizieren 4.0« mit der Schrift Chalkduster, institutioneller Kontext (Patrick Schäfer vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien des Saarlandes) mit der Schrift Arial sowie Projektrahmen (Musikunterricht in einer Grundschule) und Dank an die Klassenlehrerin mit der Schrift Noteworthy voneinander abheben.

 

Wie wird eine musikpädagogische Praxis im Video mit Apps in Szene gesetzt?

Kommen wir abschließend zurück zur Ausgangsfrage nach dem hervorgebrachten Verhältnis von Musikpädagogik und Appmusik im Video und anschließenden Fragen. Sachlich-thematisch zieht sich durch das gesamte Video die Verknüpfung sinfonischer Musik mit zeitgenössischer Technologie, ergänzt um Einflüsse der Populären Musik durch eine Off-Beat-Begleitung auf (vermutlich) einer Drum-Sequenzer-App. Sowohl die Vermischung einer bunten, glockenspielähnlichen Oberfläche sowie einem Trompetenklang der Musikapp als auch die methodische Kombination von Anleitung der Lehrerin im Sinne eines Dirigats mit dem durch Kopfhörer unterstützten, Lehrerinnen-losen Gruppenlernen dienen der Verbindung von klassischen mit zeitgenössischen Elementen. Das Althergebrachte wirkt in dieser Form neu bzw. erst einmal anders.

Nicht eindeutig bestimmt werden kann die Funktion des Beats, was damit Fragen aufwirft. Er ist zwar ab 00:45 fortwährend beim Ensemblespiel der Klasse zu hören, unklar bleibt jedoch, wer ihn steuert und welche Funktion dieser im Musizierprozess einnimmt. Es ließe sich auf methodisch-didaktischer Ebene vermuten, dass damit ein hörbarer Puls das Spielen der Melodie, damit den sachlich-musikalischen Aspekt der im Video dargestellten Musikstunde unterstützen soll. Denkbar wäre allerdings auch eine Bedeutungsverschiebung der sogenannten klassischen Melodie hin zur Populären Musik, etwa nach dem Motto: Beethoven rockt! Das würde wiederum den sozialen Aspekt berühren, Anknüpfungspunkte an die musikalische Lebenswelt der Kinder einer zweiten Klasse vorzustellen.

Im Video kommen 5 iPads zum Einsatz, auf denen insgesamt 20 Personen spielen: die Schüler_innen spielen in Gruppen, die Lehrerin allein. Wie auch die oben ausgeführten Videoanalysen zeigten, wird dadurch das Lernen in Gruppen hervorgehoben und auf unterschiedlichen Ebenen verarbeitet: Musikmachen in einer Schüler_innen-Gruppe (3-4 Schüler_innen; mit oder ohne Kopfhörer), Musikmachen aller im Plenum sowie Musikmachen einzelner Schüler_innen zusammen mit der Lehrerin vor der Klasse. Dies erhält damit die Bedeutung – wie Patrick Schäfer im Video Klassenmusizieren Teil 1 (00:30) selbst betont –, dass mit wenigen iPads ein Musikmachen auf einer App im Ensemble ermöglicht wird.

Zusammenfassend sehe ich zwei angesprochene musikpädagogisch relevante Bedeutungsbereiche des Verhältnisses von Musikpädagogik und Appmusik im Video angesprochen: Das Klassenmusizieren und das Musizieren sogenannter klassischer Musik. Dies erzeugt die Differenzen kollektiv vs. individuelles Musikmachen, klassische vs. Populäre Musik sowie tradierte vs. neuartige/ elektronische Musikinstrumente. Es ist aus Gesprächen mit Musikpädagogik_innen etwa in Fortbildungen nicht unbekannt, dass hiermit Anschluss an verschiedene Kritikbereiche des Verhältnisses von Musikunterricht und Musikapps genommen werden kann: So wird etwa geäußert, dass digitale Technologien eher zur Vereinsamung beitragen, mit ihnen vorrangig Populäre Musik gespielt werden kann und dass tradierte Instrumente verdrängt werden.

Das im Video gezeichnete Bild vom Musikunterricht ist somit das eines

  • musikpraktisch-orientierten Lernens, in dem
  • Schüler_innen im Klassenverband sinfonische Musik spielen,
  • die Kulturtechnik des Notenlesens durch die Verbindung von Farben (als Ersatz für notierte Tonhöhen) und Klängen
  • auf digitalen Technologien spielen.
  • In diesem Unterricht wechseln die Sozialformen zwischen in Lehrer_innenzentrierung und Gruppe, zwischen angeleiteten und selbstständigen Phasen.

Viele Fragen bleiben offen, die auf ein Forschungsdesiderat verweisen. Etwa: Welche Herausforderungen stellt das Musizieren mit Apps an Lehrer_innen und Lernende im Musikunterricht? Die im analysierten Video auftretenden Probleme betreffen spieltechnische Schwierigkeiten und Gruppendifferenzierung. Dem Erlernen der App bzw. globaler der Geräte (z.B. Verkabelung, Einstellung, Bedienung) kommt hingegen im Video nicht vor. Einschränkung bietet die Anordnung der App in der Positionierung, insofern die Gruppen entsprechend der virtuellen Tastatur – mit Ausnahme der Vierergruppe III – je an einer Seite des iPads sitzen.

Offen bleibt ebenso, wie sich Lernen  durch die Technologien ändert und welche Vor- und Nachteile das Musizieren mit Apps mit sich bringt? Im Video liegt der Fokus einerseits auf dem Lernen in Gruppen und andererseits auf dem angeleiteten Lernen im Klassenverbund. Vor dem Hintergrund der Analysen fragt sich um so mehr, wie eine Abgrenzung vom Musiklernen mit Apps zu anderen Formen des Musizierens im Unterricht erreicht wird. Dies ist die Frage nach den Besonderheiten. Denn wenn mit Musikapps im Unterricht alles bleibt, wie es ist, kann im Unterricht alles bleiben, wie es ist. Das Video »Klassenmusizieren 4.0« impliziert eine Innovation im Prozess des Lernens, nicht bloß eine Substitution der Technologien (anstatt dem Glockenspiel das iPad). Außer dem Titel lassen sich anhand des Datenmaterials bisher keine weiteren Phänomene herausarbeiten, die eine Antwort auf diese Frage geben können. Es werden zwar gerade in der Reflexion Motivation und Erleichterung des Übens angesprochen, aber nicht durch die Technologien begründet. Die Besonderheit liegt mit dem Kontextwissen vorrangig darin, dass Patrick Schäfer eine Oberfläche einer Musikapp entwickelt hat, die für das Klassenmusizieren genutzt wird und damit den Beweis seiner Nutzbarkeit antritt.

Schlussendlich bedarf der intensiven und komparatistischen Untersuchungen weiterer Beispiele, um das Verhältnis von Appmusik und Musikpädagogik in Videos herauszuarbeiten und ein tieferes Verständnis für die Konstruktionsmechanismen dieses Bildes zu erhalten.

Kennen Sie ähnliche oder ganz andere Videos über das Musikmachen mit Apps in musikpädagogischen Kontexten (Musikunterricht, Musikprojekte usw.)? Dann kommentieren Sie gern den Artikel oder schreiben eine Mail an marc.godau@appmusik.de.

 

Literatur

Corsten, Michael/ Krug, Melanie/ Moritz, Christine (Hrsg.) (2011): Videographie praktizieren: Herangehensweisen, Möglichkeiten und Grenzen. Springer: Wiesbaden.

Godau, Marc (2016): „Am besten ist, der Musiklehrer geht einen Kaffee trinken oder was weiß ich“. Zur Lehrer_innenrolle in selbstständigen Lernprozessen im Musikunterricht. In: Niessen, Anne/ Knigge, Jens (Hrsg.): Musikpädagogik und Erziehungswissenschaft. Musikpädagogische Forschung Band 36. Münster: Waxmann, S.155–170.

Moritz, Christine (2011): Transkription von Videodaten über einer Zeitachse: die Feldpartitur in der musikpädagogischen Forschung. In: Clausen, Bernd (Hrsg): Vergleich in der musikpädagogischen Forschung. Musikpädagogische Forschung 32. Die Blaue Eule: Essen, S. 231-260.

Reichertz, Jo  Englert, Carina Jasmin (2010): Einführung in die qualitative Videoanalyse: Eine hermeneutisch-wissenssoziologische Fallanalyse, Springer: Wiesbaden.

Der Beitrag Apps, Musikpädagogik und Videos I – Klassenmusizieren 4.0 erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/klassenmusizieren4-0/feed/ 0 1571
Trixapps – Tablets als Instrumentenwerkstatt http://forschungsstelle.appmusik.de/trixapps-tablets-als-instrumentenwerkstatt/ http://forschungsstelle.appmusik.de/trixapps-tablets-als-instrumentenwerkstatt/#respond Sun, 22 May 2016 22:42:37 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1492 Das Thema »Erfinden eigener Musikinstrumente« bietet für pädagogische Kontexte einen Anlass, sich Klang und seiner Steuerung künstlerisch und durch forschendes Lernen zu nähern. Dabei stellt sich als zentrale Frage: Wie plant man musikpädagogische Angebote, die den medialen Schwerpunkt auf digitale Technologien legen? Als Heuristik wird zur Beantwortung dieser Frage das TPACK-Model vorgestellt. Viele Musikapps fordern das Erforschen […]

Der Beitrag Trixapps – Tablets als Instrumentenwerkstatt erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
Das Thema »Erfinden eigener Musikinstrumente« bietet für pädagogische Kontexte einen Anlass, sich Klang und seiner Steuerung künstlerisch und durch forschendes Lernen zu nähern. Dabei stellt sich als zentrale Frage: Wie plant man musikpädagogische Angebote, die den medialen Schwerpunkt auf digitale Technologien legen? Als Heuristik wird zur Beantwortung dieser Frage das TPACK-Model vorgestellt.

Appmusik_Musikunterricht und Multimedia 2016

Viele Musikapps fordern das Erforschen von Klängen sowie das Erfinden eigener Musik geradezu heraus. Dieser Beitrag, der im Rahmen des Fortbildungskongresses „Musikunterricht & Multimedia 2016“ in der Landesmusikakademie Niedersachsen entwickelt wurde, soll eine Orientierung zum Thema musikpädagogische Praxis mit Apps liefern und fokussiert dabei Musikapps, die vielfältige Möglichkeiten bieten, mit denen Schüler*innen zu Instrumentenbauern werden können und so eigene musikalische Vorstellungen umsetzen.

Forschung zum Musiklernen mit Apps ein Desiderat

Die Bedeutung von Smartphones und Tablets für das (Musik)Lernen nimmt zu. Auch in der Musikpädagogik werden Lernszenarien mit Musikapps zunehmend aufgegriffen (z.B. Krebs 2014; Riley 2013; Spang 2013). Aber eine intensive empirische Aufarbeitung des Musiklernens mit digitalen Mobiltechnologien seitens musikpädagogischer Forschung steht weitestgehend aus. Vielmehr dominieren Praxisberichte und Unterrichtsempfehlungen den musikpädagogischen Diskurs um Apps, deren empirischer Hintergrund zumeist nicht nachvollzogen werden kann.

Appmusik_Forschung Desiderat

Die Studie „TOUCH:MUSIC #1 #pädagogische_besonderheiten #appmusik“ wird im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes TOUCH:MUSIC von der Forschungsstelle Appmusik (FAM) durchgeführt. Die Studie fragt nach Besonderheiten musikalischer Lernpraxis mit Apps in der Kulturellen Bildung sowie den Herausforderungen für Lernende und Lehrende. Erste Ergebnisse zeigen, wie die Technologien zum Medium sozialer Differenzierung werden. Mehr zur Studie hier…

Es gibt nicht die perfekte App!

Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass es weder die passende Unterrichtsmethode (PK), noch die passende Technologie (TK) für die Vermittlung eines bestimmten Inhalts (CK) gibt. Eine effektive Integration von Technologie in den Unterricht erfordert spezifisches Wissen über die Unterrichtsinhalte: der Technologie, der Pädagogik und der konkreten Inhalte. Lehrer*innen müssen in der Lage sein, die Beziehungen zwischen diesen Wissensbereichen in Einklang zu bringen.

Eine effektive Integration von Technologie in den Unterricht erfordert spezifisches Wissen über die Unterrichtsinhalte: der Technologie, der Pädagogik und der konkreten Inhalte. Lehrer*innen müssen in der Lage sein, die Beziehungen zwischen diesen Wissensbereichen in Einklang zu bringen.

Das TPACK -Framework hebt die komplexen Zusammenhänge zwischen konkreten Inhalten, Pädagogik und Technik hervor und definiert eine nützliche Organisationsstruktur, was Lehrer wissen müssen, um Technologie effektiv zu integrieren. Mehr zu TPACK hier…

Apps als Instrumentenwerkstatt

Im App Store sind neben Soundtoys zunehmend Musikapps vorhanden, die eine hohe klangfarbliche Komplexität und ein großes Maß an Kontrolle über deren Erzeugung bieten.

Als Lernwerkstatt bezeichnet man aktuell in der Pädagogik eine materialreiche Lernumgebung für schulisches und außerschulisches Lernen, in deren Zentrum praktisches und eigenaktives Lernen sowie Lernen durch eigene Erfahrungen steht. Ziel ist das bewusste Erfahren von musikalischen Prozessen durch ein selbstständiges und unmittelbares Konstruieren/Anpassen von Musikinstrumenten.

Solche Apps bieten Bausteine und Routinen an, mit denen Nutzer_innen Musik-Maschinen bauen können, die auch live (mehr oder weniger) gespielt werden können.

Es existieren Musikapps, die bieten Bausteine und Routinen an, mit denen Nutzer_innen Musik-Maschinen bauen können.

Thema ist experimentelle Musikinstrumente herzustellen und im Hinblick auf ihre musikpädagogischen Einsatzmöglichkeiten in und außerhalb der Schule zu untersuchen. Damit ist nicht nur das handwerkliche Herstellen/Programmieren der Instrumente, sondern ebenso das anschließende Instrumentalspiel oder das Erfinden einer Eigenkomposition gemeint.

Bei der Auswahl an Musikapps, die hier präsentiert wird, handelt es sich um eine kleine Auswahl an App-Instrumenten, die unter dem Fokus „Prinzip Werkstatt“ ausgewählt wurden.

Kategorien:

  • Apps personalisieren/ individualisieren
  • Klangwerkstatt
  • Gestaltung von Spieloberflächen (Controller)
  • Sounddesign
  • Verknüpfen von mehreren Musikapps
  • Musik-Maschinen

Das Werkstattprinzip scheint geeignet zur Unterstützung individuell gesteuerte ästhetische Prozesse. Die App-Instrumentenwerkstatt ermöglicht und fördert durch die Vielfalt ästhetischer Materialien und Techniken entdeckendes, handlungsorientiertes, experimentelles und selbst organisiertes Lernen. Sie regt zu aktiver Wahrnehmung und handelnder Aneignung von Wirklichkeit an und weckt Verständnis für ungewöhnliche Kunstkonzepte.

Die Folien unseres Konferenz-Beitrages zum Nachschauen, Teilen und Download

Hiermit stellen wir Interessierten gern unsere Folien aus dem Vortrag mit Workshop-Teil zur Verfügung.

Der Beitrag Trixapps – Tablets als Instrumentenwerkstatt erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

]]>
http://forschungsstelle.appmusik.de/trixapps-tablets-als-instrumentenwerkstatt/feed/ 0 1492