Trixapps – Tablets als Instrumentenwerkstatt

Matthias Krebs und Marc Godau | 23. Mai 2016

Das Thema »Erfinden eigener Musikinstrumente« bietet für pädagogische Kontexte einen Anlass, sich Klang und seiner Steuerung künstlerisch und durch forschendes Lernen zu nähern. Dabei stellt sich als zentrale Frage: Wie plant man musikpädagogische Angebote, die den medialen Schwerpunkt auf digitale Technologien legen? Als Heuristik wird zur Beantwortung dieser Frage das TPACK-Model vorgestellt.

Appmusik_Musikunterricht und Multimedia 2016

Viele Musikapps fordern das Erforschen von Klängen sowie das Erfinden eigener Musik geradezu heraus. Dieser Beitrag, der im Rahmen des Fortbildungskongresses „Musikunterricht & Multimedia 2016“ in der Landesmusikakademie Niedersachsen entwickelt wurde, soll eine Orientierung zum Thema musikpädagogische Praxis mit Apps liefern und fokussiert dabei Musikapps, die vielfältige Möglichkeiten bieten, mit denen Schüler*innen zu Instrumentenbauern werden können und so eigene musikalische Vorstellungen umsetzen.

Forschung zum Musiklernen mit Apps ein Desiderat

Die Bedeutung von Smartphones und Tablets für das (Musik)Lernen nimmt zu. Auch in der Musikpädagogik werden Lernszenarien mit Musikapps zunehmend aufgegriffen (z.B. Krebs 2014; Riley 2013; Spang 2013). Aber eine intensive empirische Aufarbeitung des Musiklernens mit digitalen Mobiltechnologien seitens musikpädagogischer Forschung steht weitestgehend aus. Vielmehr dominieren Praxisberichte und Unterrichtsempfehlungen den musikpädagogischen Diskurs um Apps, deren empirischer Hintergrund zumeist nicht nachvollzogen werden kann.

Appmusik_Forschung Desiderat

Die Studie „TOUCH:MUSIC #1 #pädagogische_besonderheiten #appmusik“ wird im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes TOUCH:MUSIC von der Forschungsstelle Appmusik (FAM) durchgeführt. Die Studie fragt nach Besonderheiten musikalischer Lernpraxis mit Apps in der Kulturellen Bildung sowie den Herausforderungen für Lernende und Lehrende. Erste Ergebnisse zeigen, wie die Technologien zum Medium sozialer Differenzierung werden. Mehr zur Studie hier…

Es gibt nicht die perfekte App!

Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass es weder die passende Unterrichtsmethode (PK), noch die passende Technologie (TK) für die Vermittlung eines bestimmten Inhalts (CK) gibt. Eine effektive Integration von Technologie in den Unterricht erfordert spezifisches Wissen über die Unterrichtsinhalte: der Technologie, der Pädagogik und der konkreten Inhalte. Lehrer*innen müssen in der Lage sein, die Beziehungen zwischen diesen Wissensbereichen in Einklang zu bringen.

Eine effektive Integration von Technologie in den Unterricht erfordert spezifisches Wissen über die Unterrichtsinhalte: der Technologie, der Pädagogik und der konkreten Inhalte. Lehrer*innen müssen in der Lage sein, die Beziehungen zwischen diesen Wissensbereichen in Einklang zu bringen.

Das TPACK -Framework hebt die komplexen Zusammenhänge zwischen konkreten Inhalten, Pädagogik und Technik hervor und definiert eine nützliche Organisationsstruktur, was Lehrer wissen müssen, um Technologie effektiv zu integrieren. Mehr zu TPACK hier…

Apps als Instrumentenwerkstatt

Im App Store sind neben Soundtoys zunehmend Musikapps vorhanden, die eine hohe klangfarbliche Komplexität und ein großes Maß an Kontrolle über deren Erzeugung bieten.

Als Lernwerkstatt bezeichnet man aktuell in der Pädagogik eine materialreiche Lernumgebung für schulisches und außerschulisches Lernen, in deren Zentrum praktisches und eigenaktives Lernen sowie Lernen durch eigene Erfahrungen steht. Ziel ist das bewusste Erfahren von musikalischen Prozessen durch ein selbstständiges und unmittelbares Konstruieren/Anpassen von Musikinstrumenten.

Solche Apps bieten Bausteine und Routinen an, mit denen Nutzer_innen Musik-Maschinen bauen können, die auch live (mehr oder weniger) gespielt werden können.

Es existieren Musikapps, die bieten Bausteine und Routinen an, mit denen Nutzer_innen Musik-Maschinen bauen können.

Thema ist experimentelle Musikinstrumente herzustellen und im Hinblick auf ihre musikpädagogischen Einsatzmöglichkeiten in und außerhalb der Schule zu untersuchen. Damit ist nicht nur das handwerkliche Herstellen/Programmieren der Instrumente, sondern ebenso das anschließende Instrumentalspiel oder das Erfinden einer Eigenkomposition gemeint.

Bei der Auswahl an Musikapps, die hier präsentiert wird, handelt es sich um eine kleine Auswahl an App-Instrumenten, die unter dem Fokus „Prinzip Werkstatt“ ausgewählt wurden.

Kategorien:

  • Apps personalisieren/ individualisieren
  • Klangwerkstatt
  • Gestaltung von Spieloberflächen (Controller)
  • Sounddesign
  • Verknüpfen von mehreren Musikapps
  • Musik-Maschinen

Das Werkstattprinzip scheint geeignet zur Unterstützung individuell gesteuerte ästhetische Prozesse. Die App-Instrumentenwerkstatt ermöglicht und fördert durch die Vielfalt ästhetischer Materialien und Techniken entdeckendes, handlungsorientiertes, experimentelles und selbst organisiertes Lernen. Sie regt zu aktiver Wahrnehmung und handelnder Aneignung von Wirklichkeit an und weckt Verständnis für ungewöhnliche Kunstkonzepte.

Die Folien unseres Konferenz-Beitrages zum Nachschauen, Teilen und Download

Hiermit stellen wir Interessierten gern unsere Folien aus dem Vortrag mit Workshop-Teil zur Verfügung.

Appmusik: Trixapps – Tablets als instrumentenwerkstatt from Forschungsstelle Appmusik
Die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Matthias Krebs und Marc Godau sind an der Forschungsstelle Appmusik (FAM) am Berlin Career College der Universität der Künste Berlin tätig. Seit 2010 beschäftigen sie sich mit der systematischen Erfassung des Phänomens Appmusik sowie den daraus resultierenden pädagogischen Implikationen dieser veränderten musikalischen Praxis. Im Rahmen von TOUCH:MUSIC (BMBF-gefördertes Verbundprojekt mit der Bundesakademie Wolfenbüttel) entwickeln und erproben sie eine Qualifizierungsmaßnahme zur Professionalisierung von Musiker_innen für das Berufsfeld musikalisch-kreativer Vermittlungsarbeit in der Kulturellen Bildung. Darüberhinaus führen sie regelmäßig Workshops mit unterschiedlichen Zielgruppen durch und veröffentlichen Erkenntnisse in Fachzeitschriften und auf mehreren thematischen Blogs.

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