MoMu.SH – Mobiler Musikunterricht in Schleswig-Holstein

Matthias Krebs | 1. November 2019

Seit Ende 2017 profitieren der Landesverband der Musikschulen in Schleswig-Holstein und die Forschungsstelle Appmusik von einer intensiven Zusammenarbeit. Im Zentrum steht das Förderprojekt MoMu.SH – Mobiler Musikunterricht in Schleswig-Holstein, das aktuell mit dem Projektnamen MSdigital.SH – Aufbau eines Wissensnetzwerks und einer technischen Infrastruktur für eine nachhaltige Musikschulentwicklung im digitalen Zeitalter in die zweite Phase geht.

Phase 1 – Projektübersicht

Ziel des Förderprojekts MoMu.SH (Phase 1) war es, Lernangebote an öffentlichen Musikschulen in Bezug auf aktuelle Tendenzen des gesellschaftlichen Wandels im Zuge der Digitalisierung weiterzuentwickeln und Hürden abzubauen, um insgesamt Menschen jeden Alters, jeglicher kultureller, sozialer und ethnischer Herkunft an Musik heranzuführen, ihre musikalischen Begabungen zu fördern, sie zum aktiven Musizieren anzuleiten und ihnen lebenslange Freude an der Musik zu vermitteln.

Das Projekt MoMu.SH wurde im Zeitraum 2018-2019 (=Phase 1) vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der Richtlinie „LandKultur – kulturelle Aktivitäten und Teilhabe im ländlichen Raum“ gefördert. Die Projektleitung hatte Dr. Rhea Richter (Geschäftsführerin des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein) inne, die in der Netzwerkarbeit von Franz-Michael Deimling unterstützt wurde. Die Projektdurchführung fand in enger Zusammenarbeit mit Matthias Krebs (Leiter der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin) statt, der auch Mitglied des Expert*innen-Forums war. Sein Aufgabenbereiche waren die Curriculumsentwicklung und Kursleitung des MoMu.SH-Zertifikatskurses sowie die Projektberatung.

Relevanz

Ausgangspunkt der Projektkonzeption war die Feststellung, dass Digitalisierung mehr bedeutet als eine Dominanz technologischer Geräte im Alltag. Sie ist vielmehr als relationales Muster überall zu finden und verändert (musikalische) Handlungsweisen sowie das Zusammenleben (vgl. Stadler 2017:18). Wenn in diesem Sinne die Veränderungen als soziale und kulturelle Transformationsprozesse verstanden werden, erhalten Musikschulen auch die Aufgabe, neue Kulturtechniken zu vermitteln, die im Zuge der digitalen Transformation unserer Gesellschaft entstehen. „Hier eröffnen sich neue Freiräume, alternative Artikulationsformen werden möglich und eine kritisch-reflexive Haltung zu dieser Entwicklung wird notwendig“ (Unterberg 2018). Leitmedium in diesem Veränderungsprozess sind aktuell Mobilgeräte, insbesondere Smartphones und Tablets, wofür auch eine breite Auswahl an Musikapps verfügbar ist, die unterschiedliche musikalische Handlungsweisen unterstützen oder neu hervorbringen. Darunter verschiedene Apps, die als Hilfsmittel zum Musizieren und Musiklernen verwendet werden können sowie andere, die als digitales Instrumentarium in Erscheinung treten (vgl. Krebs 2018a). Musikalischen Zugänge wie Pianotutor-Apps, Drum-Machine-Apps und Chord-Tracker-Apps sowie YouTube-Tutorials (vgl. Krebs/Godau 2015) werden dabei bisher eher in informellen Kontexten – besonders im privaten, häuslichen Bereich – verwendet, womit sich neue Lernformen, Lerninhalte sowie die Teilhabe an Lernnetzwerken verbinden können. In formalen Kontexten des Bildungsangebots an Musikschulen spielen diese Musik(lern)technologien dagegen bislang eine eher untergeordnete Rolle.

Der Begriff ‚Musiktechnologien‘ wird im Folgenden als übergeordnete Bezeichnung für Dinge verwendet, die im Kontext musikalischer Handlungen als bedeutsam in Erscheinung treten. Dazu gehören beispielsweise herkömmliche Musikinstrumente wie Violine und Oboe, auch Kopfhörer und Notenpult sowie digitale Geräte (mit installierter Software und Netzanwendungen).

Das Wissen zur lernförderlichen Integration von Musikapps und Lernplattformen in formalen Kontexten ist rar und eher auf einzelne, unabhängig voneinander operierende Lehrkräfte verteilt.

Dabei wird im Projekt MoMu.SH davon ausgegangen, dass die Nutzung digitaler Technologien zwar eine Reihe positiver Entwicklungen, sowohl in der Lehre als auch im Lernprozess initiieren und freisetzen kann, jedoch damit nicht a priori eine Steigerung des Lernzuwachses einhergeht. Die Integration digitaler Technologien bringt notwendiger Weise eine Veränderung der Unterrichtspraxis mit sich. Daher müssen didaktisch-methodische Fragestellungen diesbezüglich im Vordergrund pädagogischen Handelns stehen.

Vor diesem Hintergrund hatte sich das Projekt MoMu.SH zur Aufgabe gemacht, Wege zu finden den Menschen im Flächenland Schleswig-Holstein…

  • Netzlernangebote zu bieten, um ihnen unabhängig von ihrer geographischen Wohnsituation gleichermaßen Zugang zu Musikunterricht zu ermöglichen,
  • hinsichtlich des technologischen Wandels – welcher eine Triebkraft der sozialen und kulturellen Entwicklung darstellt – ästhetisch-vielfältige Anknüpfungspunkte sowie neue Lern- und Experimentierräume anzubieten und
  • neue digitale technologische Hilfsmittel, die das Musizieren unterstützen können, sowie Angebote für digitale Musikinstrumente und Produktionsmöglichkeiten offerieren zu können.

Konkret bedeutete das, in Schleswig-Holstein flächendeckend Strukturen zu entwickeln und zu etablieren, die einerseits künstlerische Experimentierräume eröffnen und andererseits den Wissensaustausch zur lernförderlichen Integration von Mobilgeräten als Lerntools im Instrumental- und Vokalunterricht unterstützen. Grundlage der Projektkonzeption ist dabei ein Verständnis von Wissen, das sich im sozialen Austausch stetig verändert und somit dynamischen Charakter hat (vgl. Willke 2011). Damit liegt nicht das Wissen eines Einzelnen, sondern das verhandelte Wissen einer (Wissens-)Gemeinschaft (Community of Practice) im Fokus (vgl. Krebs/Godau 2018; Godau/Krebs/Schildhauer 2017).

MoMu.SH-Fortbildung

Zentraler Bestandteil des Projektes MoMu.SH war die Durchführung einer Fortbildung für 30 Vokal- und Instrumentalpädagog*innen aus 15 Musikschulstandorten in Schleswig-Holstein. Die Kursveranstaltungen fanden an vier verlängerten Wochenenden im Zeitraum von Oktober 2018 bis Januar 2019 an der Musikakademie in Rendsburg statt. Neben der Vermittlung von Grundkompetenzen im Gebrauch von Mobiltechnologien, Wissen im Bereich ‚technologievermitteltes Lehren und Lernen‘ sowie der Vermittlung von Wissen zu kulturellen Veränderungsprozessen wurde in den Fortbildungsveranstaltungen der Aufbau einer Wissensgemeinschaft zum Thema technologievermitteltes Musiklernen fokussiert, an der alle Musikschullehrkräfte in Schleswig-Holstein zukünftig partizipieren können. Damit wurde ein Ansatz verfolgt, bei dem die Absolventen der Fortbildung als sogenannte „Mobile Music Mentors“ eine Schlüsselrolle im Aufbau einer erweiterten Struktur zur kollektiven Wissensentwicklung spielen.

Zum Abschluss der initialen MoMu.SH-Fortbildungsreihe erhielten 26 Lehrkräfte ein Zertifikat und damit den Titel „Mobile Music Mentors“.

Angeschlossen an die Fortbildung wurde eine Praxisphase, in der die Mobile Music Mentors im gegenseitigen Austausch sowohl an der Ausarbeitung von Lehrmethoden arbeiteten als auch erste Workshop-Angebote zur Vermittlung ihrer technologiebezogenen Erfahrungen für Kolleg*innen an ihren Musikschulstandorten entwickelten und durchführten. Zu den Ergebnissen der Praxisphase gehörten darüber hinaus zahlreiche Sprechstundenangebote für Kolleg*innen, Schüler*innen-Konzerte bei denen digitale Technologien integriert waren sowie teilweise auch die technische Einrichtung von neu angeschafften iPads an den verschiedenen Musikschulen.

Der Aufbau einer organisationalen Struktur zur Verwirklichung der MoMu.SH-Projektziele wurde in der Praxisphase von der Geschäftsführung des VdM-Landesverbandes stetig vorangetrieben. Dazu gehörte die enge Einbeziehung der Musikschulleitungen in das Projekt sowie die Bereitstellung von 3-5 iPads je Standort.

Erprobung

Zum Wissensaustausch fanden erste überregionale Netzwerktreffen („MoMu.SH-MeetUps“) statt und es wurden verschiedene Social-Media-Kanäle eingerichtet, um einerseits in kommunikativer Verbindung zu bleiben und Wissen in Beiträgen verfügbar zu halten und anderseits Projekt-Aktivitäten wie selbstproduzierte Tutorialvideos oder Konzertmitschnitte sichtbar zu machen und den Austausch für Interessierte zu öffnen.

Einen Abschluss fand das zweijährige Förderprojekt MoMu.SH in Form eines Fachtags mit dem Titel „Digitalisierung trifft Musikschularbeit – Praxis. Zukunft. Netzwerken“ am 2. November 2019 in Rendsburg. In diesem Rahmen konnten Interessierte Einblicke in den Inhalt der Fortbildung und zu den aktuellen Entwicklungen im Projekt MoMu.SH gewinnen. Die Resonanz an diesem Projekt ist insgesamt positiv und wurde mit dem Medienkompetenzpreises Schleswig-Holstein gekrönt. In der Folge wurde nach neuen Fördermöglichkeiten gesucht, denn die Durchführung und Weiterentwicklung dieses im Projekt angeschobenen Digitalisierungsprozesses bedarf nachhaltiger Finanzierung, um die Strukturen zum Wissensaustausch zu etablieren.

Links: MoMu.SH-Projektseite | YouTube-Kanal | Musikschul-Blog

Im Überblick: Projektverlauf | Informationsbroschüre

 

Phase 2 – Projektübersicht

Im Oktober 2020 geht das Digitalisierungsvorhaben des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein in eine zweite Phase. Das Projekt „MSdigital.SH – Aufbau eines Wissensnetzwerks und einer technischen Infrastruktur für eine nachhaltige Musikschulentwicklung im digitalen Zeitalter“ wird von der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek gefördert und geht bis Ende Februar 2021. Es knüpft an die Erkenntnisse und Erfahrungen des Pilotprojekts an und will für alle Musikschulen des Landesverbandes eine gemeinsame technologische und kommunikative Basis zur Musikschulentwicklung im Zuge der Digitalisierung entwickeln.

Folgende Zielstellungen stehen im Fokus des Vorhabens:

  1. Aufbau einer (Online-)Kommunikationsstruktur zur Unterstützung der Wissensentwicklung in einer spezialisierten Wissensgemeinschaft zum Thema Musikschulunterricht mit digitalen Musiktechnologien.
  2. Aufbau einer übergeordneten technischen Infrastruktur als Grundlage für digitale Bildungsangebote.

Das Projekt „MSdigital.SH (MoMu.SH 2.0)“ soll nachhaltig technische Infrastrukturen an allen 22 Mitgliedsmusikschulen schaffen, Lern- und künstlerische Experimentierräume etablieren und eine überregionale Kommunikationsstruktur mit Wissenspool zur Vokal- und Instrumentaldidaktik mit digitalen Technologien entwickeln. Die Musikschulen stellen darin jeweils einen Knotenpunkt dar. Das Netz aus 22 eng miteinander verbundenen aber selbstorganisierten Wissenspunkten bietet eine Struktur, um sich regelmäßig überregional auszutauschen.

Mehr: https://musikschulen-sh.de/momush/msdigital-schleswig-holstein-momush-20/

 

wissenschaftliche Begleitung

Die wissenschaftliche Begleitung durch die Forschungsstelle Appmusik soll einerseits die Projektentwicklung theoretisch fundieren und andererseits dazu beitragen, dass Ergebnisse für einen breiten und vergleichenden wissenschaftlichen Diskurs genutzt werden können.

// Ist-Stand-Analyse

Wie ‚digital‘ unterrichten Lehrkräfte an Musikschulen nördlich der Elbe? Mit dieser als Fragestellung formulierten Überschrift wurde im Januar 2018 die Bitte zur Teilnahme an einer Online-Befragung an all jene Musikschullehrkräfte in Schleswig-Holstein versendet, die im Landesverband deutscher Musikschulen (VdM) organisiert sind. Im Rahmen der Untersuchung zum Stand der Verbreitung und Nutzungsweise digitaler Mobilgeräte (Smartphones und Tablets) im Musikschulkontext wurden die Lehrkräfte zu ihrem Gerätebesitz und zur technischen Ausstattung der Musikschulen, zu ihren pädagogischen Erfahrungen mit Apps sowie zu ihrer Einschätzung der Bedeutung bezüglich Potenzialen und Chancen des mobilen Musikschulunterrichts befragt. Im Sinne einer Bestandsaufnahme war diese Befragung ein erster Baustein des Pilotprojektes MoMu.SH – Mobiler Musikunterricht in Schleswig-Holstein und diente zunächst der Orientierung bei der Konzeption der Fortbildungsreihe des Projekts.

Im Verlauf der Projektlaufzeit wurde damit begonnen, die Daten der Anfangsbefragung auszuwerten. So wurden erste Teilauswertungen (im Sinne einer Oberflächenanalyse) der Online-Befragung in Hinblick auf die Konzeption der Fortbildung vorgenommen und auch in Form von Konferenzbeiträge präsentiert. Dabei handelte es sich um Ergebnisse des quantitativen Befragungsteils, u.a. zu Fragen des privaten Gerätebesitzes, zur Selbsteinschätzung von technologiespezifischen Fertigkeiten, zur Infrastruktur der Musikschulen sowie zur Nutzung von Mobilgeräten im Unterricht und in der Unterrichtsvorbereitung (siehe: Richter & Krebs 2018; Krebs 2018b; Krebs 2019). Darüber hinaus wurden im späteren Projektverlauf weitere Daten in Form von leitfadengestützten Interviews zur Durchführung der Fortbildung und der Praxisphase erhoben, um Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Projektmaßnahmen zu gewinnen.

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Klicke auf’s Bild um die pdf anzuzeigen.

// Weiterbildungsentwicklung: Zertifikatskurs MoMu.SH

Ziel der Weiterbildungsreihe war es, die/den teilnehmende/n Instrumentalpädagogin/en (Musikschullehrkräfte an VdM Musikschulen) zu befähigen, mit digitalen Technologien selbstsicher umzugehen, um damit optimal ihre/seine Schüler/innen beim Instrument lernen zu unterstützen. Die Teilnehmenden wurden darüber hinaus als Mentor/innen ausgebildet, die ihre Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, digitale Technologien in ihren Vokal- und Instrumentalunterricht zu integrieren. In diesem Kontext sollte eine Gemeinschaft der Teilnehmenden und Mentoren entwickelt werden, die sich über den Weiterbildungsrahmen hinaus über aktuelle Fragestellungen (z.B. Integration von Technologien im Musikschulunterricht) austauscht. Die Kommunikationsplattform wurde während der Weiterbildung zusammen mit den Teilnehmenden entwickelt. Es entstand eine quasi “dynamische Mentoren-Guideline”.

Die Verwendung von Technologien sollte von den Teilnehmenden dahingehend reflektiert werden:

  • Voraussetzungen (Technik/Wissen/Rechtslage)
  • Alternativen (andere Technologien, andere Lösungsansätze mit derselben Technologie etc.),
  • Kollaboration (Austausch mit anderen)
  • Problemorientierung (Probleme beschreiben und Antworten finden können).

Maßgeblich für das Leitbild der Weiterbildung war es, dass die Lebenswelt der Schüler/innen im Musikschulunterricht berücksichtigt wird. Dazu gehören z.B. deren Talente, Vorlieben, Interessen. Eine so gestaltete Unterstützung der Schülerinnen und Schülern ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung (Selbständigkeit, Ressourcen) und orientiert sich an der musikalischen Praxis.

Der Lehrgang umfasste insgesamt sechs Module im Gesamtumfang von 64 Unterrichtseinheiten Präsenzzeiten sowie Praxis- und Selbstlernphasen im Umfang von 40 Unterrichtseinheiten (1 UE entspricht 45 Minuten). In selbstorganisierten Praxisprojekten erprobten die teilnehmenden Musiklehrerkräfte den Einsatz von Apps in ihrem Vokal- und Instrumentalunterricht.

Weitebildungsmodule:

  • Analog-Digital
  • Kommunikation
  • Medienalltag von Schüler/innen
  • Musikproduktion
  • Digitaler Musikschulunterricht
  • Innovation in der Musikschule – Impulsstelle

Als Dozenten waren u.a. Franz-Michael Deimling (Kreismusikschule Plön/ Stellv. Verbandsvorsitzender), Tobias Rotsch und Prof. Rob Maas (WWU Münster), Frauke Hohberger, Martin Donner und Matthias Krebs (Kursleitung) tätig.

// Projektevaluation

Das Projekt „Mobiler Musikschulunterricht in Schleswig-Holstein“ (MoMu.SH) wurde von Juni bis Dezember 2019 im Rahmen der Masterarbeit von Esther Marake untersucht. In ihrer Masterthesis an der Fachhochschule Kiel im Studiengang „Angewandte Kommunikationswissenschaft“ beschäftigt sie sich mit der Frage, welche Herausforderungen Musikschullehrkräfte beim Einsatz von digitalen Endgeräten und Musikapps im Musikschulunterricht meistern und wie der MoMu.SH-Zertifikatskurs von Beteiligten in Bezug auf eine Veränderung ihres Musikschulunterrichts wahrgenommen wurde. Marake führte dazu Leitfadeninterviews mit verschiedenen Projektakteur*innen, die inhaltsanalytisch ausgewertet wurden, um einen deskriptiven Einblick zu gewinnen.

// Forschungsstudie: (De-)Legitimation digitaler Musiktechnologien im Musikschulunterricht

„Wie ‚digital‘ unterrichten Lehrkräfte an Musikschulen nördlich der Elbe?“ Mit dieser Überschrift wurde im Januar 2018 die Bitte zur Teilnahme an einer Online-Befragung an Musikschullehrkräfte in Schleswig-Holstein versendet. Gefragt wurde nach der technischen Ausstattung sowie nach der Meinung der Lehrkräfte zum Einsatz von digitalen Technologien im Instrumental- und Vokalunterricht. Die Äußerungen der offenen Fragebogenbestandteile wurden zum Ausgangspunkt einer diskursanalytischen Beschäftigung mit der Forschungsfrage genommen, wie Musikschullehrkräfte den Einsatz digitaler Technologien im Unterricht begründen. Diese Frage der Studie ist nicht zuletzt von pädagogischer und von bildungspolitischer Relevanz, da geprüft wird, inwieweit und welche pädagogische Maximen diskursbestimmend sind oder inwiefern Inskriptionen von außerhalb des pädagogischen Feldes mit anderweitigen Implikationen legitimatorische Diskurse mitbestimmen. Zur Analyse wurde ein diskursanalytisches Verfahren gewählt, dass sich methodologisch an der interpretativen Analytik (Dreyfus/Rabinow 1987), in Form eines post-strukturalistischen Entwurfs von Diaz-Bone (2005) orientiert und eine theoriegeleitete Rekonstruktion in der Analyse hervorhebt. Im Musikschulkontext fehlen bislang jegliche empirische Studien, welche sich mit der unterrichtlichen Verwendung von digitalen Technologien im Gesangs- und Instrumentalbereich auseinandersetzen. Ziel dieser Studie ist es, einen Beitrag dazu zu leisten, diese Lücke zu schließen und die historischen und aktuellen Deutungskämpfe zum Medieneinsatz in der Musikschulpraxis transparent zu machen und einen Überblick im Sinne einer Kartographierung möglicher Positionierungen zu geben.

 

Literatur

Godau, Marc; Krebs, Matthias & Schildhauer, Thomas (2017): Weiterbildungsentwicklung für die digitale Wissensgesellschaft, Kulturelle Bildung mit Apps. In: Zeitschrift Weiterbildung 1/2017, S. 8-11. // Link

Diaz-Bone, R. (2005): Die ‚interpretative Analytik‘ als rekonstruktiv-strukturalistische Methodologie. Bemerkungen zur Eigenlogik und strukturalistischen Öffnung der Foucaultschen Diskursanalyse. In: Keller, R. (Hrsg.): Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Wissenssoziologie und Diskursforschung. Konstanz: UVK, S. 179–197.

Dreyfus, H.L. / Rabinow, P. (1994) [1987]: Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik. Übers. a.d. Engl. von Rath, C.; Raulff, U. 2. Aufl. Weinheim: Beltz-Athenäum.

Krebs, Matthias (2018a): Digitales Instrumentarium. Die Musikapp als zukünftiges Instrument in der Musikschule. In: Üben & Musizieren 1/2018, S. 40–43. // Link

Krebs, Matthias (2018b): Wie digital unterrichten VdM-Musikschullehrkräfte nördlich der Elbe? Erste Ergebnisse. Vortragsfolien vom Fachtag „Gut vernetzt“ des vdmk am 15.9.2018 in Schwedt/Oder. // Link

Krebs, Matthias (2019): ‚Digitaler‘ Musikschulunterricht in Schleswig-Holstein? Vortragsfolien vom Fachtag „Digitalisierung trifft Musikschularbeit – Praxis. Zukunft. Netzwerken“ des VdM Landesverbands SH am 2.11.2019 in Rendsburg. // Link

Krebs, Matthias & Godau, Marc (2015): Unrichtiger Unterricht. Musiklernen via YouTube. In: Musikforum 2_2015, S. 28-31. // Link

Krebs, Matthias & Godau, Marc (2018): Weiterbildung in der Digitalen Gesellschaft. Zur Theorie und Realisierung des „Zertifikatskurses tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung“. In: Keuchel, S.; Werker, B. (Hrsg.): Pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende. Band 1: Innovative Ansätze und Erkenntnisse. Wiesbaden: Springer VS, S. 93-119. // Link

Richter, Rhea & Krebs, Matthias (2018): Wie digital unterrichten VdM Musikschulen nördlich der Elbe? Ergebnisse einer Bedarfserhebung.

Stalder, Felix (2017): Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp.

Unterberg, Lisa (2018): Überblick: Forschungsvorhaben zur Digitalisierung in der Kulturellen Bildung. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE: https://www.kubi-online.de/artikel/ueberblick-forschungsvorhaben-zur-digitalisierung-kulturellen-bildung (letzter Zugriff am 16.11.2019)

Willke, Helmut (2011): Einführung in das systemische Wissensmanagement. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.

ist wissenschaftlich als Leiter der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin tätig. Er beschäftigt sich im Rahmen seiner Promotion mit der Aneignung digitaler Musikinstrumente (insb. Musikapps). Weitere Forschungsschwerpunkte betreffen: Digitale Medien in Lehre und Forschung, Kommunikation im Social Web, Netzkunst, Appmusik, Grundlagenforschung zum Musizieren mit digitalen Musiktechnologien.

Als Lehrbeauftragter ist der Diplom-Musik- und Medienpädagoge an mehreren deutschen Musikhochschulen sowie als Dozent für Weiter- und Fortbildungen und auch bei den Appmusik-Workshops bei app2music aktiv. Zudem ist Matthias Krebs Musiker im professionellen Tablet-Orchester DigiEnsemble Berlin.


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