Wenn die App zum Musizierpartner wird

Matthias Krebs | 4. April 2019

Häufig wird dem digitalen Musikmachen pauschal unterstellt, dass diese Form nicht sinnlich-körperlich sei. Dies ist besonders deshalb von Bedeutung, da körperliche Handlungserfahrungen in die deutende Auseinandersetzung mit Musik einfließen (vgl. Rora 2017: 166) und bekanntlich Körperlichkeit von hoher Relevanz für das ästhetische Erleben ist. Anhand eines Fallbeispiels in dem drei Teenager mit der App PlayGround musizieren, soll im Folgenden phänomenologisch beleuchtet werden, auf welche Art und Weise und unter welchen technischen Bedingungen musikalisch gehandelt wird und wie die Handlungsträgerschaft dabei verteilt ist.

Gegenstand der vorliegenden exemplarischen Untersuchung appmusikalischer Praxis ist eine Situation im Rahmen des Kinder- und Jugendfestivals TINCON (teenageinternetwork convention) im Mai 2016 in Berlin, in der drei Jungen mit der App PlayGround gemeinsam auf einem Tablet Musik machten. Von diesem Fallbeispiel existieren zwei Videomitschnitte. Mit dem Ziel einer ersten explorativen Annäherung an das Phänomen „Musizieren mit Apps“ soll das Videomaterial gesichtet und interpretiert werden, wobei Feldnotizen eine zusätzliche Interpretationsperspektive aus der teilnehmenden Beobachtung liefern.

Das erste Video zeigt den Einstieg in den gemeinsamen musikalischen Prozess:

Das zweite Video zeigt die finale Aufführung: Links die drei Protagonisten im Umgang mit der App auf dem Tablet, rechts der entsprechende Screencast der App-Darstellung.

Die hier zu untersuchende Musiziersituation, die ausschnitthaft per Video festgehalten wurde, ist im Rahmen eines offenen Musizierangebotes entstanden, dass ich aufgebaut hatte um vorbeilaufende Konferenzteilnehmende spontan einladen konnte, das Musikmachen mit Apps auszuprobieren. Im Zeitraum von ca. drei Stunden fanden sich etwa zehn verschiedene Zweier- und Dreiergruppen, mit denen ich spontan musizierte. Unter den Interessierten war auch eine Gruppe von drei zwölfjährigen, miteinander befreundeten Jungen, die Protagonisten des im Folgenden untersuchten Fallbeispiels. Sie erwähnten, dass sie gemeinsam in einer Schulband spielen. Welche Instrumente sie spielen, wie lange sie gemeinsam in der Band spielen und wie sie ihre Musizierfertigkeiten einschätzen, wurde nicht dokumentiert.

ist wissenschaftlich als Leiter der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin tätig. Er beschäftigt sich im Rahmen seiner Promotion mit der Aneignung digitaler Musikinstrumente (insb. Musikapps). Weitere Forschungsschwerpunkte betreffen: Digitale Medien in Lehre und Forschung, Kommunikation im Social Web, Netzkunst, Appmusik, Grundlagenforschung zum Musizieren mit digitalen Musiktechnologien.

Als Lehrbeauftragter ist der Diplom-Musik- und Medienpädagoge an mehreren deutschen Musikhochschulen sowie als Dozent für Weiter- und Fortbildungen und auch bei den Appmusik-Workshops bei app2music aktiv. Zudem ist Matthias Krebs Musiker im professionellen Tablet-Orchester DigiEnsemble Berlin.


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