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Matthias Krebs und Marc Godau – Forschungsstelle Appmusik http://forschungsstelle.appmusik.de Institut für digitale Musiktechnologien in Forschung und Praxis Fri, 20 Feb 2026 18:09:21 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.31 http://forschungsstelle.appmusik.de/wordpress/wp-content/uploads/2016/05/cropped-Logo_Forschungsstelle-Appmusik_klein-32x32.png Matthias Krebs und Marc Godau – Forschungsstelle Appmusik http://forschungsstelle.appmusik.de 32 32 61494488 Appmusik mit den ganz Kleinen im Montessori Kinderhaus Potsdam-Drewitz http://forschungsstelle.appmusik.de/appmusik-mit-den-ganz-kleinen-in-der-kita-storchennest-in-potsdam-drewitz/ http://forschungsstelle.appmusik.de/appmusik-mit-den-ganz-kleinen-in-der-kita-storchennest-in-potsdam-drewitz/#respond Tue, 17 Jan 2017 19:10:35 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=2055 Im Sommer 2016 ist die Kammerakademie Potsdam (KAP) auf uns mit der Bitte herangetreten, interessierte Orchestermusiker_innen konzeptionell und pädagogisch bei einem musikalischen Vermittlungsprojekt in einer Kita zu begleiten. Darin sollten Musikapps die bisherigen Erfahrungen der KAP aus Vermittlungsprojekten ergänzen. Dieses erste Projekt ist Teil der Implementation appmusikalischer Vermittlungsangebote in das Angebot der renommierten Kulturinstitution. Den […]

Der Beitrag Appmusik mit den ganz Kleinen im Montessori Kinderhaus Potsdam-Drewitz erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

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Im Sommer 2016 ist die Kammerakademie Potsdam (KAP) auf uns mit der Bitte herangetreten, interessierte Orchestermusiker_innen konzeptionell und pädagogisch bei einem musikalischen Vermittlungsprojekt in einer Kita zu begleiten. Darin sollten Musikapps die bisherigen Erfahrungen der KAP aus Vermittlungsprojekten ergänzen. Dieses erste Projekt ist Teil der Implementation appmusikalischer Vermittlungsangebote in das Angebot der renommierten Kulturinstitution. Den Auftakt dazu machte schließlich im September 2016 ein Pilotprojekt im Montessori Kinderhaus Potsdam-Drewitz, von dem wir hier berichten möchten.

Nach Fest und Tanz ist es Zeit, wieder zurück in die Burg zu kommen. Anja erzählt, wie es von hier in der Geschichte weitergeht. // Foto: Matthias Krebs

Praxiserfahrungen zu pädagogischen Angebote mit digitalen Technologien in der Kita sind sehr rar. Aufgrund dieser Situation fehlt es oftmals an fundierten Grundlagen, die einer Integration derartiger Projekte im Weg stehen. Debatten um Chancen und Risiken des Einsatzes in der Elementarbildung von Smartphones und Tablets kränkeln zudem daran, dass zu vielen musikpädagogischen Fragen grundlegende Forschungsergebnisse fehlen und Argumentationen auf einer Grundskepsis basieren. (Mehr dazu: Musikmachen mit Tablets im Kindergarten)

Ziel des gemeinsamen Kita-Projektes sollte daher sein, zu erproben, wie Musikapps sinnvoll in Musikvermittlungsangebote integriert werden können.

Konzeptentwicklung

Die Mitarbeiter der FAM, Matthias Krebs und Marc Godau, entwickelten zunächst ein Konzept für ein Praxisprojekt. Dieses bildete die Grundlage der Weiterbildung einer interessierten Orcherstermusikerin für die Gestaltung von appmusikalischen Angeboten. Da auch auf unserer Seite kaum Erfahrungen mit der besonders jungen Zielgruppe bestanden, entschieden wir uns, eine App-Musikerin in das Projekt aufzunehmen. Anja arbeitet seit einiger Zeit in verschiedenen Projekten mit Musikapps mit dem Schwerpunkt auf die Arbeit mit jüngeren Kindern bzw. auf Elementarpädagogik. Zudem war sie Teilnehmerin des Zertifikatskurses tAPP.

Nach Entwicklung des Konzeptes fanden 4 Termine im Zeitraum von 4 Wochen statt. Am Pilotprojekt waren die Orchestermusikerin Isabel der KAP, die Musikpädagogin Anja, die Erzieherin der Kita und die jeweiligen Gruppen von 12-15 Kindern im Alter von 3-5 Jahren sowie die Mitarbeiter der FAM beteiligt.

Konzeptionell war die Zusammenarbeit zwischen Anja und der Orchestermusikerin so angelegt, dass Anja anfänglich stark die Stundenstruktur bestimmte und über die Zeit sukzessive von der Orchestermusikerin abgelöst wird. Deshalb gestaltete Anja beim ersten Termin allein die 90minütige Sitzung. Diese bot Anlass für eine intensive didaktische Reflexion danach. Darin ging es zentral um Beobachtungen bzw. um Fragen von Isabel mit der Funktion, Zielbereiche zu hinterfragen und Handlungsalternativen aufzuzeigen. Die Orchestermusikerin sollte dabei nicht Anjas Stil übernehmen, sondern als immer selbstständiger werdende Partnerin ihren eigenen Ansatz für die Durchführung entwickeln. Ab der 2. Woche übernahm Isabel deshalb immer stärker die Leitung. Zunächst wurden die Angebote gemeinsam geplant mit Anja und schließlich übernahm Isabel allein die Planung, die Materialvorbereitung mit den iPads und die Durchführung beim 4. Termin.

In der Konzeption hatten wir uns in der Strukturierung der Sitzungen für ein Modulsystem entschieden, das aus Phasen (Bühnen) bestand, die sich inhaltlich und methodisch und in der Wahl des Material (Technologien) unterschieden. Damit sollten einerseits Methodenwechsel festgelegt und darüber hinaus eine Art Repertoire für zukünftige Angebote der Musikerin entwickelt werden.

Nach jeder Sitzung wurden auftauchende Fragen und Probleme reflektiert und Konsequenzen für die nächste Stunde abgeleitet. Diese flossen dann wiederum in die Aufbereitung der folgenden Sitzung ein.

Ritter Juppi

Der Rahmen der musikalischen Kita-Angebote war die Geschichte des Ritters Juppi. Die Kinder lernten in der ersten Sitzung das selbstgedichtete Juppi-Lied zu singen und sich dazu zu bewegen. Dabei unterstützte eine App (z.B. Loopimal) mit einem einfachen Rhythmus das gemeinsame Eingrooven (ein gemeinsames Wippen) der Gruppe und später das Improvisieren mit Gesten und Lauten.

Zwischen einzelnen musikalischen Abenteuern kommen alle zusammen und die Rittergeschichte wird von der Musikerin weitergesponnen. In welcher Szene geht es nun musikalisch weiter? // Foto: Matthias Krebs

In dieser ersten Sitzung experimentierten die Kids mit Klängen und nahmen mit verschiedenen Instrumenten Klanggeschichten auf: Wie klingt es, wenn der Ritter in seiner Rüstung die Stufen aus seinem Zimmer in den Hof läuft? In einer anderen Phase wurde zu ihrem Spiel mit sphärischen Klängen der App TC-Performer (YouTube-Link) ein Feentanz einstudiert und mit Schleiern getanzt. Zwischen den Phasen kamen alle zusammen um gemeinsam das Juppi-Lied zu singen und es wurde die Geschichte weitererzählt.

Die Verwendung der iPads dominierte nicht die Sitzungen. Sie wurden zweckgebunden als Instrumente oder als Hilfsmittel in bestimmten Phasen mit eingebunden. Beispielsweise wurden sie dazu genutzt, um Geräusche zu sammeln und zu Soundboards zusammenzufügen. Mit der App Keezy konnten die Kinder selbst Klänge aufnehmen und auf Soundboards symbolisiert durch farbige Flächen festhalten. Zuvor hatten sich die Kinder auf dem iPad Bilder von Ritterrüstungen angeschaut und sich über klangliche Besonderheiten von Helmklappe, Scharnier-Schaben und Blech-Stampfen unterhalten. Dann ging es darum, diese Klänge in Alltagsgegenständen wiederzufinden. Dafür mussten unterschiedliche Materialien klanglich untersucht werden: Gabeln, Perkussionsinstrumente und Spielzeug. Das Ergebnis: Klingt wie ein Kettenhemd! – so die Bewertung eines Kindes.

In einer anderen Sitzung wurde eine App genutzt, um z.B. mit den Fingern klingende Partituren zu zeichnen (z.B. die App Singing Fingers). Dabei war auffällig, dass die Kinder jedoch weniger auf den Klang als vielmehr die visuelle Komponente als spannend empfanden. Dieses Phänomen einer Präferenz visuell stimulierender Apps ist auch aus der musikpädagogischen Forschung bekannt (vgl. Burton & Pearsall: 2016).

Links: Die Kinder spielen Konzert-Situation. / Rechts: Der Klang der Violine. // Foto: Matthias Krebs

Ein Höhepunkt war das Improvisieren von Melodien mit der App JamBandit (YouTube-Link). Das konnten sie mit kleinen Lautsprechern auch gemeinsam mit der Orchestermusikerin machen, die auf ihrer Violine spielte. Die Kinder übernahmen die Rollen der Musiker*innen, der Dirigenten und des Publikums. Zu hören war ein Trio, das in der Rolle der Musiker_innen frei zum berühmten Pachelbelkanon improvisierte. Dabei gab ein weiteres Kind die Einsätze für die Wechsel unter den Musiker*innen. Und wenn es einige Kinder nach einiger Zeit nicht mehr auf den Kissen hielt, nahm die Erzieherin jene Einladung zum Bewegen auf, woraufhin das Publikum zu tanzen begann…

Das Spukschloss mit der Musikapp vidibox verklanglichen

vidibox ist eine App mit der man viele kleine Filmsequenzen aufnehmen kann und diese auf unterschiedliche Weise auf einem Soundboard abspielen und klanglich verbinden kann. Die Orchestermusikerin Isabel hatte in der Vorbereitung mit dieser App verschiedene Geigenstricharten aufgenommen. Die 8 kurzen Videos waren nun auf der App vidibox leicht mit einem Fingerwisch für die Kinder zu spielen. Idee war es, damit eigene kleine Klanggeschichten für eine Szene im Spukschloss zu gestalten.

Zunächst stand aber die Violine im Mittelpunkt. Die Musikerin spielte eine wirkungsvolle Improvisation mit unterschiedlichsten Stricharten vor und kommentierte das Spiel mit ihrer Spukgeschichte. Nun waren die Kinder an der Reihe. Die Kinder erkannten einige Spielarten auf dem Soundboard wieder und überlegten sich damit in 3er-Gruppen eigene Klanggeschichten. Diese spielten sie sich gegenseitig vor und erläuterten, was zu diesen Klängen in ihrer Geschichte passiert.

Zur Auswertung

Matthias Krebs und Marc Godau unterstützten dieses Projekt in der Konzeptions- und Planungsphase. Zudem betreuten sie die einzelnen Sitzungen, die sie gemeinsam mit der Musikpädagogin Anja und der Musikvermittlerin Isabel entwickelten. Dazu wurde jeweils ein Planungsskript erstellt, in dem Vermittlungsziele und verschiedene Stationen aufgeführt wurden. Die einzelnen Sessions wurden per Video aufgezeichnet, um einzelne Phasen in den anschließenden moderierten Auswertungsgesprächen besondere Szenen zu reflektieren und die Methoden weiter anpassen zu können.

Eine wissenschaftliche Auswertung der Sessions steht noch aus. Fragestellungen betreffen:

  • Zu welchen ästhetischen Erfahrungen können Kinder durch Musikangebote mit Apps angestiftet werden?
  • Wie können Musikprojekte mit digitalen Mobilgeräten in den Kita-Alltag integriert werden?
  • Wie können Transformationsprozesse sogenannter klassischer Musiker_innen zu einer Musikvermittlungspraxis unterstützt werden, die digitale Musiktechnologien einbezieht?  

Einzelne erste Erkenntnisse aus Diskussionen mit allen Beteiligten können schon ab März 2017 in einem Folgeprojekt in einer anderen Potsdamer Kita überprüft werden. Sie betreffen verschiedene Möglichkeiten

  • mit den Kindern vermittelt durch Apps zu musizieren,
  • Kompositionen zu entwickeln,
  • Klänge aufzunehmen und zu verfremden,
  • Musikapps zur Begleitung zum Tanzen und
  • Musikapps als Begleitautomatiken oder Begleitinstrumente zum gemeinsamen Singen zu verwenden.

Darüber werden wir in Zukunft berichten…

 

Literatur:

Burton, S. L. & Pearsall, A. (2016): Music-based iPad app preferences of young children. Research Studies in Music Education 38(1), S. 75-91.

Der Beitrag Appmusik mit den ganz Kleinen im Montessori Kinderhaus Potsdam-Drewitz erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

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BarCamp: Vielversprechendes Kursformat für Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote http://forschungsstelle.appmusik.de/barcamp-vielversprechendes-kursformat-fuer-weiterbildungs-und-fortbildungsangebote/ http://forschungsstelle.appmusik.de/barcamp-vielversprechendes-kursformat-fuer-weiterbildungs-und-fortbildungsangebote/#respond Mon, 07 Nov 2016 07:51:04 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1887 Im Rahmen der Weiterentwicklung und Erprobung unseres Weiterbildungsangebotes Zertifikatskurs tAPP  haben wir gemeinsam mit unserem Dozenten Karlheinz Pape ein innovatives Kursformat entwickelt, dass die Bandbreite an Wissen aller an der Weiterbildung beteiligten ernst nimmt und es für das Kursangebot nutzbar macht. Es geht um das Format BarCamp in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Das Prinzip dieses selbstorganisierten […]

Der Beitrag BarCamp: Vielversprechendes Kursformat für Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote erschien zuerst auf Forschungsstelle Appmusik.

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Im Rahmen der Weiterentwicklung und Erprobung unseres Weiterbildungsangebotes Zertifikatskurs tAPP  haben wir gemeinsam mit unserem Dozenten Karlheinz Pape ein innovatives Kursformat entwickelt, dass die Bandbreite an Wissen aller an der Weiterbildung beteiligten ernst nimmt und es für das Kursangebot nutzbar macht. Es geht um das Format BarCamp in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Das Prinzip dieses selbstorganisierten Lernformates, das sich bei Konferenzen entwickelt hat, wurde in der ersten Phase des dritten Durchgangs des Zertifikatskurses am Nachmittag des 18.10.2016 in den Räumlichkeiten des UdK Berlin Career College ausgetestet.

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Die meisten Sessions wurden von den Kursteilnehmenden selbst gestaltet. Darunter Basiskurse zu Sounddesign und Ambientmusik und eine Session, in der eine Gruppe von Interessierten ein Klangexperiment umsetzte. // Fotos: Finn Dorian

In der Erwachsenenbildung treffen unterschiedliche fachspezifische Erfahrungen aufeinander. Und weiter ist der Bereich der Fort- und Weiterbildung durch eine enorme Heterogenität der Teilnehmer_innen-Gruppe geprägt. So haben die einen bereits Erfahrungen, die sie in den Kursen vertiefen wollen, während andere niemals zuvor mit dem Thema der Weiterbildung in Berührung gekommen sind. Und somit kommt es zur Situation, dass nicht allein die Dozent_innen über mannigfaltige Erfahrungen verfügen. Auch die Teilnehmer_innen bringen bereits umfangreiches Wissen – z.T. auch zu spezifischen Kursinhalten – zu den Weiterbildungsveranstaltungen mit. So viel muss klar sein: Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt, niemand weiß nichts.

Wie geht man aber nun mit dem Wissen um? Wie kann man das Wissen aller nutzen? Wie kann man den Bedürfnissen und Erwartungen der Teilnehmer_innen gerecht werden und die eigene Expertise zur Geltung zu bringen? Wie können Teilnehmer_innen ihr Wissen in das Kursangebot einbringen und wie können sie Wertschätzung gegenüber ihrer eigenen Expertise erfahren?

Das BarCamp im Zertifikatskurs tAPP

In der ersten Phase des dritten Durchgangs des Zertifikatskurses tAPP wurde erstmalig ein BarCamp durchgeführt. Dieses setzt vor allem auf selbstorganisiertes Lernen: Teilnehmenden wählen selbst die Session-Themen aus, die sie besuchen. Sie werden selbst zu Dozent_innen in einem thematisch breiten Themenangebot. Thema des BarCamps war „Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung“. Das folgende Video gibt einen Einblick in die Methode dieses neuen Formates für die Weiterbildung:

Wir sind froh, dass wir Herrn Karlheinz Pape für die Erprobung dieses Lernformates in der ersten Phase des dritten Durchgangs gewinnen konnten, der die Moderation des BarCamps übernahm. Karlheinz Pape ist Initiator der Corporate Learning Alliance (CLA), die sich mit den Veränderungen des Anspruchs an Lernen in Unternehmen beschäftigt. Darüber hinaus gehört zu den Experten für BarCamps und war zuletzt verantwortlich für das CorporateLearningCamp CLC16.

Viele Kursteilnehmer_innen, die Dozent_innen und wir wissenschaftliche Mitarbeiter_innen der Forschungsstelle Appmusik ziehen ein sehr positives Fazit nach der Abschluss-Runde am Ende der ersten BarCamp-Veranstaltung: Das BarCamp hat sich als sehr intensive Form des Austauschs, des Lernens und der Wissensweitergabe erwiesen.

  • Einbindung heterogener Wissensbereiche
  • Einbringen eigener Erfahrung
  • Die eigenen Kompetenzen als Stärken und Motivationen reflektieren und präsentieren
  • Lernen im emphatischen Austausch mit- und voneinander
  • Auflösung starrer Machtverhältnisse

In diesem Blogbeitrag soll das BarCamp als innovatives Kursformat in der Weiterbildung vorgestellt werden und über den Ablauf der ersten Erprobung berichtet werden.

Was ist ein BarCamp?

Das BarCamp hat sich als alternatives Konferenzformat entwickelt. Bei einer herkömmlichen Konferenz, entscheiden die Veranstalter_innen, welche Themen auf die Agenda kommen und welche Expert_innen über diese Themen referieren. Das Publikum wird eingeladen zuzuschauen und zuzuhören und im Anschluss Fragen an Vorträge zu stellen. Wenn man sich jedoch die gesammelte Expertise im Publikum anschaut, dann ist diese deutlich breiter und differenzierter ausgeprägt, als sie ein Referent darstellen kann. Denn bereits das spezielle Publikum einer Konferenz besteht aus Personen, die in relevanten Feldern Erfahrungen gesammelt und ihre Profession entwickelt haben.

Warum dann nicht die Expertise des gesamten Plenums zu nutzen? Genau das ist die Grundidee des BarCamps. Veranstaltende stellen lediglich den Rahmen zur Verfügung, damit die Veranstaltung ordentlich – also in den wesentlichen Strukturen organisiert – stattfinden kann und das Wissen aller Teilnehmenden in den Diskurs eintreten kann.

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Karlheinz Pape diskutiert mit den Teilgeber*innen das BarCamp-Prinzip. // Foto: Finn Dorian

Seit 2006 finden BarCamps als Tagungsformate mit einer offenen Struktur statt. Inhalte und Abläufe werden von den Teilnehmer_innen zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet – daher auch die Bezeichnung als „Un-Konferenz“. Wurden anfangs auf BarCamps eher Themen wie Webanwendungen und Open-Source-Technologien diskutiert, finden sich mittlerweile auch regelmäßig Barcamps zu weiteren Themen statt, etwa das EduCamp zu Fragen des Lehrens und Lernens  aber auch BarCamps, die keine thematischen Vorgaben vorschreiben (BarCamp-Liste hier).

Das BarCamp lebt durch die Beiträge seiner Teilnehmer_innen.

Ein BarCamp besteht aus Vorträgen und Diskussionsrunden (sogenannte Sessions), die zu Beginn – in sogenannten Grids (Stundenplan) – durch die Teilnehmer_innen selbst festgelegt werden. Alle Teilnehmer_innen sind bei den meisten BarCamps aufgefordert, beim ersten Mal einen Vortrag zu halten oder eine Diskussionsrunde zu organisieren. Später kann jede_r als Teilnehmer_innen oder Referent_in auftreten. Da die Rollen, wer Zuschauer_in und wer Vortragende ist, verschwimmen, hat sich die Bezeichnung als „Teilgeber_innen“ eingebürgert. Denn es besteht in diesem Grundprinzip keine Pflicht, man kann auch ohne eigene Session teilnehmen und mitdiskutieren.

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Vorstellung der Sessions: Zu Beginn stellen die Teilgeber_innen ihre Sessions vor. Sie werden dann in den Sessionplan geheftet. // Foto: Matthias Krebs

Zu Beginn eines BarCamps stellt ein_e Moderator_in die Grundidee des BarCamps vor und erläutert die Regeln. Da es während des BarCamps keine feste Programmplanung gibt, sind die Teilnehmer_innen zu Beginn aufgefordert, ihre Themen auf ein Kärtchen zu schreiben. Sie werden anschließend vor das Plenum gebeten, um kurz vorzustellen, wie sie ihre Session füllen möchte. Dies soll in maximal drei Sätzen geschehen. Angebote können z.B. in der klassischen Form eines Vortrags passieren – interessant ist aber auch, ein Thema, eine Problemstellung oder Fragen zur Diskussion zu stellen.

Das Konzept stellt dabei alle auf Augenhöhe. Zusammen mit dem aktiven Einbinden aller Personen, entsteht auf diesem Weg ein intensiver Wissensaustausch, es werden neue Ideen generiert, gemeinsame Projekte angestoßen und Kontakte geknüpft.

Nach der Themenvorstellung wird die entsprechende Karte vom Moderierenden in den Raum- und Zeitplan (=Sessionplan) etwa auf einem FlipChart zusammengetragen. Dieser Sessionplan bleibt über den Verlauf des BarCamps ersichtlich, an dem sich alle Teilnehmenden stets orientieren können.

Auf die notwendige strikte Einhaltung der Zeitslots achten alle Teilnehmenden in ihren Sessions selbst.

Was ist, wenn sich herausstellt, dass die Session nicht den Erwartungen entspricht?

Karlheinz Pape erklärte dazu im Einführungsvortrag des BarCamps: „Nehmen wir mal an, es läuft in der Session nicht so, wie ihr es euch vorgestellt habt, so gibt es zwei Möglichkeiten: Erste Möglichkeit ist, sich in die Diskussion so einzubringen, dass die Diskussion in die richtige Richtung geht. Wenn ihr aber merkt, die anderen sind alle auf einem ganz anderen Dampfer, einfach aufstehen, rausgehen, nicht sagen. Man muss sich nicht dafür entschuldigen, es ist kein Affront gegenüber dem Sessiongeber. Ihr habt euch einfach zu dem Thema etwas Anderes vorgestellt.“

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BarCamp-Sessionplan: Nachdem die Themen zusammengetragen und in den Sessionplan eingetragen wurden, kann es losgehen. // Foto: Matthias Krebs

Gerade die Selbstorganisation von BarCamps erlaubt eine stets aktive Rolle aller Teilnehmenden. Das BarCamp liefert nur einen Rahmen, die Form regelt sich über das über die Interaktionen des Plenums. Und diese Selbstorganisation bedeutet sowohl Ermöglichung als auch Verpflichtung zur Verantwortung für sich persönlich. Dazu Pape: „Ihr entscheidet, wo ihr hingeht. Und wenn das BarCamp zu Ende ist, gibt es deshalb selten Grund zur Unzufriedenheit. Denn entweder habt ihr die falschen Sessions für euch selbst gewählt, oder aber ihr habt eure Wunsch-Themen nicht selbst eingebracht.“

Was ist wichtig für eine funktionierende Infrastruktur?

Wichtig ist eine Infrastruktur, die für funktionierende Netzwerke sorgt, für ausreichend Scheibutensilien und Räume. Eine Grundregel von BarCamps besagt, dass alle Teilnehmer_innen gehalten sind, die Sessions aufzuzeichnen, darüber zu bloggen oder in einer sonstigen Form der Allgemeinheit zugänglich zu machen. So bedarf auch die Sammlung und Verteilung der Ergebnisse einer guten Struktur.

Der Erfolg der Veranstaltung hängt dabei letztlich auch an der Fähigkeit der Veranstalter_innen. Denn nach dem BarCamp sind auch sie als gutes Vorbild in der Verantwortung, die Projektgruppe bei der Umsetzung oder der Veröffentlichung ihrer Ideen und Erkenntnissen zu unterstützen und zu begleiten.

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Schon drei Tage nach unserem BarCamp hat Karlheinz Pape einen Blogbeitrag über seine Beobachtungen im Zertifikatskurs und über die darin stattgefundene BarCamp-Veranstaltung veröffentlicht: Link

Ist das BarCamp überhaupt ein Weiterbildungsformat?

Die Welt verändert sich rasend. Bei der Planung von Weiterbildungsformaten steht man schon heutzutage vor der Herausforderung, nicht über die Bündelung von Wissen nachzudenken, sondern über den Umgang mit Komplexität. Somit hat sich in den letzten Jahren Fokus zunehmend verschoben vom Wissenskanon hin zur Kompetenzorientierung (Stichwort: das Lernen lernen). Die damit verbundene gesellschaftliche Forderung des Lebenslangen Lernens besagt demnach nichts Triviales. Es geht nicht darum, dass wir ein Leben lang lernen. Es geht darum, dass die derzeitige und künftige Gesellschaft mehr denn je dazu verpflichtet, zu lernen. Dies zeigt sich insbesondere in heutigen Berufsbiographien, die sich verzweigt, nicht geradlinig (Schule-Ausbildung-Beruf) darstellen.

Wie können aber nun Weiterbildungsangebote statt auf Wissenshoheit auf Ungewissheit vorbereiten? Wissen – also unterschiedliches Wissen – wird damit zur Ressource.

Trotz der vorherrschenden Situation, dass wohl kaum noch Anbieter_innen von Fortbildung eine solche Ausrichtung negieren, basieren vielerorts Vermittlungsformate auf einem altbewährten – aber eben alten – Prinzip: Ein Lernziel für alle, innerhalb einer Zeiteinheit (Reheis 2013). Gegenmodelle stellen selbstorganisierte Lernsettings dar, die sich (jedoch) der Kontrolle der Lehrenden entziehen. Im Mittelpunkt stehen die Bildungsprozesse der einzelnen Lerner_innen.

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Gerade die Selbstorganisation von BarCamps erlaubt eine stets aktive Rolle aller Teilnehmenden. // Foto: Finn Dorian

Um der Herausforderung gerecht zu werden, mehrere Lernziele anbieten zu können (d.h. unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden) und darüber hinaus auch die Erfahrungen und Kompetenzen der Teilnehmer_innen ernst zu nehmen und ein selbstorganisiertes Angebot zu schaffen, so dass die Teilnehmenden konsequent in die Eigenverantwortung für das eigene Lernen nehmen kann, haben wir uns entschlossen, das Format BarCamp in unseren Zertifikatskurs zu integrieren.

BarCamp als Lernsetting mit Vorbild Fachforen

Bei der Erprobung des BarCamps in unserem Weiterbildungssettings Zertifikatskurs tAPP übernahm Karlheinz Pape die Moderation. Er erläuterte wie das BarCamp-Format einen Rahmen herstellt, um selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen bzw. zu erleichtern und damit schon recht nah an informelle Lernprozesse herankommt. Besonders ist in diesem Zertifikatskurs, dass allein durch die Heterogenität der Musiker_innen ein Rahmen aufgespannt wird, in dem die diversen, auch gegensätzlichen Erfahrungen gewinnbringens aufeinandertreffen können. Karlheinz Pape referierte drei Grundprinzipien, die er für besonders wichtig hält:

#1. Wertschätzung

BarCamps nehmen ihren Ursprung im Internet. In den Fachforen hat sich eine spezielle Kommunikationskultur entwickelt. Dort diskutieren Personen jahrelang miteinander, nehmen eine Menge Mühe und Energie auf sich, um die angestoßene Diskurse weiterzuführen und neue Beiträge zu eröffnen. In der Regel bekommen sie dafür kein Geld. Ein wichtiges Erfolgsrezept ist für Pape die positive Anerkennung.

„Wenn man ein paar Mal blöd angemacht wurde, fragt man sich, habe ich es nötig und zieht sich zurück“, so Pape. Das wäre der Tod von Fachforen. Da das alle wissen, achten die Teilnehmer_innen dieser Fachforen gemeinsam darauf, dass man in den Foren sehr wertschätzend mit einander umgeht. Und dann kommen so Kommentare wie „Dein letzter Beitrag war besonders toll, der hat mich zu folgendem gebracht…“. So würden wir es im persönlichen Gespräch nicht so sagen – das wäre übertrieben. In Fachforen aber herrscht eine extrem wertschätzende Grundhaltung. Verstöße dieser Kultur – etwa durch beleidigende Äußerungen ­– werden von den Mitgliedern aufgedeckt und verhandelt. So kommen andere und sagen »Hey so wollen wir nicht miteinander umgehen!« Eine solche empathische Grundhaltung, die in Kommunikationsschulen seit einiger Zeit erkannt wurden (z.B. Ruth Cohn oder Marshall Rosenberg), gehört damit zu den wichtigen Bedingungen der Kommunikationskultur im Netz. Gerade dies kann auch einen entscheidenden Hinweis für unseren alltäglichen Umgang miteinander geben.

#2. Gleiche-Augenhöhe-Prinzip

Wenn man sich Fachforen genauer anschaut, erkennt man schnell ein absolutes Gleiche-Augenhöhe-Prinzip. Das kommt daher, dass man dort nicht sicher sein kann, ob der andere mit dem man da diskutiert ein_e Professor_in oder ein_e Teenager_in ist. Das einzige was zählt, sind die Foren-Beiträge. Und nimmt man diesen Punkt ernst, so ist zunächst einmal nebensächlich, welche Funktion ein Mitglied im Leben außerhalb des Forums hat. Wichtig ist es im BarCamp eine solche symmetrische Grundeinstellung herzustellen.

In BarCamps großer Unternehmen und mit Politiker_innen wurde daher die Regel „Anrede mit dem Vornamen“ eingeführt, wodurch in der Regel auch alle Titel wegfallen. „Und dann ist man auch schnell beim Du. Nach dem BarCamp gilt dann wieder der Normalzustand, wenn nichts Anderes vereinbart worden ist“, so Pape.

#3. Zulassen von unterschiedlichen Meinungen

Ein drittes Merkmal des Wissensaustauschs in Fachforen ist, dass man sich nicht auf eine Wahrheit einigen muss. Es dürfen auch konträre Meinungen nebeneinander existieren. Und darin liegt ein Potential für neue Ideen und auch dazu, dass andere Perspektiven in den Foren bekommt zu interessanten, unerwarteten Erklärungen führt: Aha, so kann man das auch sehen.

Das unbedingte Auftreten von Mehrperspektivität kennzeichnet die Faszination von online-Communities. Pape erläutert: „Wenn man einem Referenten in einem Vortrag folgt, dann hat man eine Perspektive. Und wenn alles logisch ist, was der sagt, ja dann hat der Recht, aber vielleicht sehen es andere auch noch etwas anders. Also man tut sich noch etwas schwer, das einfach zu übernehmen. Kriegt man aber gleich mehrere verschiedene Perspektiven auf einen Gegenstand geliefert – und in einem Fachforum passiert das üblicherweise – dann hat man es viel leichter seinen sicheren Standpunkt zu finden.“

Diese drei Grundregeln – Wertschätzung, Gleiche-Augenhöhe-Prinzip und Zulassen konträrer Meinungen – gelten heute ganz selbstverständlich in auch in BarCamps. „Man hat diese Regeln so eingeführt, aber was heißt hier Regeln, es sind eigentlich ein Absenken von den unbewussten Regeln, die wir sonst so im normalen Zusammenleben auch haben. Man kann sagen: Wir kommen jetzt im BarCamp auf eine natürlichere menschlichere Kommunikation“, so Pape. Auch in dieser Aussage spiegelt sich der informelle Charakter in diesem Format des Wissensaustauschs wieder.

Selbstorganisiertes Lernen, wie es in BarCamps gelingt, erfordert viel Verantwortung für das eigene Handeln. Eigene Bedürfnisse müssen wahrgenommen werden. Aber es gilt ebenso, andere wahrzunehmen und sie bei ihren Lernprozessen zu unterstützen. Selbstorganisiertes Lernen schließt eines grundsätzlich aus: Fremdorganisation. Selbstorganisiertes Lernen ist der Königsweg zum kontinuierlichen Lernen, und das geht nur, wenn man mit seinen Bedürfnissen verbunden ist.

Zu den Inhalten des ersten BarCamps

Bei unserem BarCamp im Rahmen der ersten Phase des Zertifikatskurses tAPP hatten wir uns in der Planung für die Durchführung am Nachmittag entschieden. Um 15:00 Uhr sollte es starten und bis 18:30 Uhr laufen. Daher haben wir uns für 25 Minuten pro Session-Slot und 5 Minuten zum Wechseln entschieden. So konnten an einem Nachmittag 5 Sessions nacheinander stattfinden. Dafür hatten wir drei freie Räume parallel.

Die meisten Sessions wurden von den Kursteilnehmenden selbst gestaltet. Darunter Basiskurse zu Sounddesign und Ambientmusik, zur Verwendung der Audiosoftware Ableton Live und eine Session, in der in eine Gruppe von Interessierten ein Klangexperiment umgesetzt wurde.

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Die meistern Sessions wurden von den Kursteilnehmer_innen gestaltet. So brachten sie ihre Expertise in den Weiterbildungskurs ein. // Foto: Finn Dorian

Daneben gab es auch Sessions von Dozentinnen des Zertifikatskurses. So zeigte z.B. Stefan Gisler wie man Musikvideos von YouTube mit dem iPad herunterladen und in eine andere Musikapp transferieren kann, um sie dort zu transponieren oder die Geschwindigkeit zu verändern. Das ist nützlich zum Covern. Karlheinz Pape thematisierte in einer von ihm geleiteten Session seine Erfahrungen mit Twitter als Lerntool.

„Leider waren zum unserem ersten BarCamp noch keine externen Gäste dabei gewesen.“, so das Kredo vieler Teilnehmender_innen in der Abschlussbesprechung zum BarCamp. Sicher wäre es auch schön, ehemalige Teilnehmende des Zertifikatskurses tAPP dabei zu haben, die ihre Erfahrungen aus der Praxis mit einbringen. Beim nächsten BarCamp wollten die Kursteilnehmer_innen das BarCamp selbst bekannt machen und Freunde und Bekannte darauf hinzuweisen.

Lernziele des BarCamps

Vordergründig ging es uns darum, anhand des BarCamp-Formates den Teilnehmenden eine Möglichkeit zur Umsetzung selbstorganisierten Lernens vorzustellen. Genauer betrifft das eine Lernkultur, die einerseits die Potentialentfaltung und Verantwortung des Einzelnen in den Blick nimmt und andererseits auch Mut zur Umsetzung erfordert. So äußerten einige, mit denen man über BarCamps ins Gespräch kommt, immer wieder ihr Misstrauen in das Gelingen aufgrund eines Misstrauens in die Expertise der Teilnehmenden. Hier bleibt dann zu fragen, wer über die Vertrauenswürdigkeit bzw. -unwürdigkeit entscheidet?

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Ein Tipp von Karlheinz Pape: „Wenn du dir unter einem Session-Thema mal nix vorstellen kannst, dann geh‘ hin. Das entpuppt sich meist‘ als die spannendste Session.“ // Foto: Finn Dorian

Es ist vielmehr so, dass seit der Entwicklung des Internets und der damit verbundenen immer schwerer nachvollziehbaren Rückführung des Wissens auf bestimmte glaubwürdige Quellen, eine wichtige Kompetenz im Filtern, im Rückverfolgen und dem Infragestellen jeglichen Wissens liegt. Zudem kennzeichnet sich auch das Wissenschaftssystem – und das ist eher der Regelfall – durch Theoriemodelle, die einander diametral gegenüberstehen.

Darüber hinaus waren die Kursteilnehmenden dazu angehalten, ihr Erleben in den Sessions, die Diskussionen in den Sessions sowie ihr Lernen in ihren Portfolios zu dokumentieren und reflektieren.

Unser Fazit: BarCamp als sinnvolles Weiterbildungsformat

Insgesamt erfüllt das Prinzip eines BarCamps einige der zentralen Ansprüche, die wir an die Konzeption und Durchführung unseres Weiterbildungsangebotes richten. Dabei verstehen wir Praxis im Sinne des situierten Lernens als Partizipation an einer Community of Practice. Partizipation als Teilnahme ist wiederum doppelt belegt als Form des Handelns und der Zugehörigkeit (mehr dazu hier).

Das BarCamp kann für solche Lernangebote als konkrete Methode dienen. Es kann den Lernanspruch, der das situierten Lernen, als selbstständiges und kollaboratives Lernen in den Blick nimmt, im Sinne einer insgesamt auf Eigenaktivität und Selbstbestimmung ausgelegte Didaktik gerecht werden.

  • von der einsamen Wissensaneignung zur gemeinsamen Praxis im Sinne einer Community of Practice
  • von der Trennung zur Verknüpfung von Lernerbiographie mit Konfrontation durch neue Situationen

Dabei passt das Format BarCamp gut in das Weiterbildungskonzept unseres Entwicklungs- und Erprobungsprojektes TOUCH:MUSIC. Um die Kursentwicklung besser zu verstehen und weiterzuentwickeln, haben wir eine explorative Studie durchgeführt und erste Ergebnisse unlängst auf der Jahrestagung des AMPF 2016 in Form eines Forschungsposters vorgestellt. Untersucht wurde ausgehend vom Konzept der Community of Practice die Vermittlungsmethoden und Lernformate. Dazu findet sich hier ein Blogartikel.

weiterbildung-als-community-of-practice-poster

Forschungsposter: Weiterbildung als Community of Practice? Mehr dazu im Blog der Forschungsstelle Appmusik.

Darüber hinaus war das BarCamp gleichzeitig Lerngegenstand: Während der 5-tägigen Kursphase des dritten Durchgangs des Zertifikatskurses tAPP wurde das BarCamp und das Lernen in den einzelnen Sessions in Diskussionsrunden umfangreich reflektiert. Darin ging es um das Abwägen positiver und negativer Aspekte sowie vor allem um das Finden von Konsequenzen. Aus einer pädagogischen Sicht, die mit der Weiterbildung eingenommen wird, ist es doch weniger entscheidend, welche Position man bezieht bzw. wie man aktuell etwas erlebt. Grundlegender ist das Ziehen einer daraus resultierenden Handlungsoption: Wie kann ich anderes tun?

Unser Fazit auf die eingangs gestellte Frage, ob sich das BarCamp als zukünftiges Kursformat unserer Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote eignet, fällt daher positiv aus. Unsere ersten Erfahrungen mit dem Format BarCamp aus der ersten Kursphase des Zertifikatskurses tAPP zeigen uns, dass sich das BarCamp (als alternatives Konferenzformat aus dem Unternehmensbereich) auch für Weiterbildungskontexte eignet. Wir werden das BarCamp auch in den nächsten Phasen des Zertifikatskurses tAPP weiter integrieren.

Knapper Überblick zum BarCamp am 18.10.2016:

Termin: 18.10.2016 von 15 bis 18:15 Uhr

Ort: Appmusik Studio der Universität der Künste Berlin und weitere Räumlichkeiten

Session-Themen:

  • 16 iPads, 30 Kinder und ein Roboter #ideen #weitere Anregungen gesucht
  • Gemeinsamer Klangraum mit SoundPrism #klangarchitektur #komposition #hören
  • Improvisation von Ambient-Musik mit der App Samplr
  • Synthesizer
  • Ableton Live on Stage! – #presets umschalten #advanced
  • Ableton Live Einführung #erste Schritte #beginner
  • Bewegungssteuerung von Sounds & Effekten
  • YouTube-Videos downloaden und transponieren
  • App-Mixer-Routing
  • Audio-Recording/Sharing/Verwaltung auf dem iPad #editing #recording #sharing
  • Twitter als Lerntool #persönlicher erfahrungsbericht
  • Lernen in Netzwerken
  • Wertschätzung anstatt Bewertung
  • Improvisation von Ambient-Musik mit der App Samplr #teil2

Wie geht es weiter?

Am 12.11.2016 soll schon das nächste BarCamp zum Thema Musik mit Apps wiederum im Rahmen des Zertifikatskurses tAPP stattfinden. Auch dieses BarCamp ist offen für alle und die Teilnahme wieder kostenlos.

  • Termin: 12.11.2016 von 15 bis 18:30 Uhr
  • Ort: Appmusik Studio der Universität der Künste Berlin und weitere Räumlichkeiten
  • Oberthema: Musikmachen mit Apps
  • Teilnahme: offen für alle, Teilnahme kostenlos
  • Hashtag: #barcamptapp – twittern wir, was das Zeug hält!

Zur Bewerbung des BarCamps wurde mit den Teilnehmenden abgestimmt, dass das Video (siehe oben) verwendet werden kann. Nicht zuletzt soll dieser Blogbeitrag dazu beitragen, dass interessierte Gäste erfahren können, was sie bei einem BarCamp erwartet.

Ein BarCamp ist Raum zum Wachsen. Deine aktive Teilnahme und das Leiten der Sessions helfen dir, dich persönlich weiterzuentwickeln und neue Erfahrungen zu machen.

Wir laden Sie herzlich ein, am 12. November beim nächsten BarCamp dabei zu sein. Außerdem würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns bei der Bekanntmachung des BarCamps durch Teilen des Videos und des Beitrages zu unterstützen.

barcam_appmusik_zertifikatskurs_weiterbildung_tapp31m

Fotos: Matthias Krebs

Literatur:

Feldmann, Frank; Hellmann, Kai-Uwe (2015): „Partizipation zum Prinzip erhoben“. Thorsten Knoll (Hrsg.) Neue Konzepte für einprägsame Events. Partizipation statt Langeweile – Vom Teilnehmer zum Akteur. Wiesbaden: Springer / Gabler, S. 29 – 54.

Pape, Karlheinz (2013): Qualität von BarCamps
https://khpape.wordpress.com/2013/11/05/qualitat-von-barcamps/

Reheis, Fritz (2013): Entschleunigung: Über den Umgang mit Zeit beim Lernen und im Leben – oder: die Befreiung vom Hamsterrad. Schriftliche Fassung des Beitrags für den Ganztagsschulkongress in Augsburg vom 20.-22.11.2013. http://www.ganztagsschulverband.de/downloads/reheis_vortrag_augsburg_2013.pdf

Müller, Christian (2016): Barcamps für Unternehmen: Weiterbildung mit Netzwerkchancen
http://www.zielbar.de/barcamp-unternehmen-weiterbildung-12411/

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Trixapps – Tablets als Instrumentenwerkstatt http://forschungsstelle.appmusik.de/trixapps-tablets-als-instrumentenwerkstatt/ http://forschungsstelle.appmusik.de/trixapps-tablets-als-instrumentenwerkstatt/#respond Sun, 22 May 2016 22:42:37 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1492 Das Thema »Erfinden eigener Musikinstrumente« bietet für pädagogische Kontexte einen Anlass, sich Klang und seiner Steuerung künstlerisch und durch forschendes Lernen zu nähern. Dabei stellt sich als zentrale Frage: Wie plant man musikpädagogische Angebote, die den medialen Schwerpunkt auf digitale Technologien legen? Als Heuristik wird zur Beantwortung dieser Frage das TPACK-Model vorgestellt. Viele Musikapps fordern das Erforschen […]

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Das Thema »Erfinden eigener Musikinstrumente« bietet für pädagogische Kontexte einen Anlass, sich Klang und seiner Steuerung künstlerisch und durch forschendes Lernen zu nähern. Dabei stellt sich als zentrale Frage: Wie plant man musikpädagogische Angebote, die den medialen Schwerpunkt auf digitale Technologien legen? Als Heuristik wird zur Beantwortung dieser Frage das TPACK-Model vorgestellt.

Appmusik_Musikunterricht und Multimedia 2016

Viele Musikapps fordern das Erforschen von Klängen sowie das Erfinden eigener Musik geradezu heraus. Dieser Beitrag, der im Rahmen des Fortbildungskongresses „Musikunterricht & Multimedia 2016“ in der Landesmusikakademie Niedersachsen entwickelt wurde, soll eine Orientierung zum Thema musikpädagogische Praxis mit Apps liefern und fokussiert dabei Musikapps, die vielfältige Möglichkeiten bieten, mit denen Schüler*innen zu Instrumentenbauern werden können und so eigene musikalische Vorstellungen umsetzen.

Forschung zum Musiklernen mit Apps ein Desiderat

Die Bedeutung von Smartphones und Tablets für das (Musik)Lernen nimmt zu. Auch in der Musikpädagogik werden Lernszenarien mit Musikapps zunehmend aufgegriffen (z.B. Krebs 2014; Riley 2013; Spang 2013). Aber eine intensive empirische Aufarbeitung des Musiklernens mit digitalen Mobiltechnologien seitens musikpädagogischer Forschung steht weitestgehend aus. Vielmehr dominieren Praxisberichte und Unterrichtsempfehlungen den musikpädagogischen Diskurs um Apps, deren empirischer Hintergrund zumeist nicht nachvollzogen werden kann.

Appmusik_Forschung Desiderat

Die Studie „TOUCH:MUSIC #1 #pädagogische_besonderheiten #appmusik“ wird im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes TOUCH:MUSIC von der Forschungsstelle Appmusik (FAM) durchgeführt. Die Studie fragt nach Besonderheiten musikalischer Lernpraxis mit Apps in der Kulturellen Bildung sowie den Herausforderungen für Lernende und Lehrende. Erste Ergebnisse zeigen, wie die Technologien zum Medium sozialer Differenzierung werden. Mehr zur Studie hier…

Es gibt nicht die perfekte App!

Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass es weder die passende Unterrichtsmethode (PK), noch die passende Technologie (TK) für die Vermittlung eines bestimmten Inhalts (CK) gibt. Eine effektive Integration von Technologie in den Unterricht erfordert spezifisches Wissen über die Unterrichtsinhalte: der Technologie, der Pädagogik und der konkreten Inhalte. Lehrer*innen müssen in der Lage sein, die Beziehungen zwischen diesen Wissensbereichen in Einklang zu bringen.

Eine effektive Integration von Technologie in den Unterricht erfordert spezifisches Wissen über die Unterrichtsinhalte: der Technologie, der Pädagogik und der konkreten Inhalte. Lehrer*innen müssen in der Lage sein, die Beziehungen zwischen diesen Wissensbereichen in Einklang zu bringen.

Das TPACK -Framework hebt die komplexen Zusammenhänge zwischen konkreten Inhalten, Pädagogik und Technik hervor und definiert eine nützliche Organisationsstruktur, was Lehrer wissen müssen, um Technologie effektiv zu integrieren. Mehr zu TPACK hier…

Apps als Instrumentenwerkstatt

Im App Store sind neben Soundtoys zunehmend Musikapps vorhanden, die eine hohe klangfarbliche Komplexität und ein großes Maß an Kontrolle über deren Erzeugung bieten.

Als Lernwerkstatt bezeichnet man aktuell in der Pädagogik eine materialreiche Lernumgebung für schulisches und außerschulisches Lernen, in deren Zentrum praktisches und eigenaktives Lernen sowie Lernen durch eigene Erfahrungen steht. Ziel ist das bewusste Erfahren von musikalischen Prozessen durch ein selbstständiges und unmittelbares Konstruieren/Anpassen von Musikinstrumenten.

Solche Apps bieten Bausteine und Routinen an, mit denen Nutzer_innen Musik-Maschinen bauen können, die auch live (mehr oder weniger) gespielt werden können.

Es existieren Musikapps, die bieten Bausteine und Routinen an, mit denen Nutzer_innen Musik-Maschinen bauen können.

Thema ist experimentelle Musikinstrumente herzustellen und im Hinblick auf ihre musikpädagogischen Einsatzmöglichkeiten in und außerhalb der Schule zu untersuchen. Damit ist nicht nur das handwerkliche Herstellen/Programmieren der Instrumente, sondern ebenso das anschließende Instrumentalspiel oder das Erfinden einer Eigenkomposition gemeint.

Bei der Auswahl an Musikapps, die hier präsentiert wird, handelt es sich um eine kleine Auswahl an App-Instrumenten, die unter dem Fokus „Prinzip Werkstatt“ ausgewählt wurden.

Kategorien:

  • Apps personalisieren/ individualisieren
  • Klangwerkstatt
  • Gestaltung von Spieloberflächen (Controller)
  • Sounddesign
  • Verknüpfen von mehreren Musikapps
  • Musik-Maschinen

Das Werkstattprinzip scheint geeignet zur Unterstützung individuell gesteuerte ästhetische Prozesse. Die App-Instrumentenwerkstatt ermöglicht und fördert durch die Vielfalt ästhetischer Materialien und Techniken entdeckendes, handlungsorientiertes, experimentelles und selbst organisiertes Lernen. Sie regt zu aktiver Wahrnehmung und handelnder Aneignung von Wirklichkeit an und weckt Verständnis für ungewöhnliche Kunstkonzepte.

Die Folien unseres Konferenz-Beitrages zum Nachschauen, Teilen und Download

Hiermit stellen wir Interessierten gern unsere Folien aus dem Vortrag mit Workshop-Teil zur Verfügung.

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App-Kids: Musikmachen mit Tablets im Kindergarten http://forschungsstelle.appmusik.de/app-kids-musikmachen-mit-tablets-im-kindergarten/ http://forschungsstelle.appmusik.de/app-kids-musikmachen-mit-tablets-im-kindergarten/#respond Wed, 18 May 2016 11:12:51 +0000 http://forschungsstelle.appmusik.de/?p=1339 Musizieren mit Tablets in der Kita? Warum mobile Digitalgeräte und Musikapps für Kinder im Kita-Alter? Welchen Beitrag können Musikapps zur musikalischen Bildung leisten? Diese Fragen werden an vielen Stellen kontrovers diskutiert (siehe auch hier, hier und hier). Matthias Krebs und Marc Godau von der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin befassen sich mit dem […]

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Musizieren mit Tablets in der Kita? Warum mobile Digitalgeräte und Musikapps für Kinder im Kita-Alter? Welchen Beitrag können Musikapps zur musikalischen Bildung leisten? Diese Fragen werden an vielen Stellen kontrovers diskutiert (siehe auch hier, hier und hier). Matthias Krebs und Marc Godau von der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin befassen sich mit dem Thema intensiv. Neben Fragen zur Relevanz beschäftigt sie auch, wie Erzieher_innen mit Musikapps dabei unterstützt werden können, mehr mit den Kinder zu musizieren. 

Der folgende Text ist eine Vordruckfassung des im Magazin Kinderzeit (Ausgabe 1_2016) erschienenen Artikels von Matthias Krebs und Marc Godau (Wissenschaftliche Mitarbeiter der Forschungsstelle Appmusik (FAM), UdK Berlin). Mit Erlaubnis der kölnerverlagsagentur, darf der Artikel sowohl auf dieser Webseite als Blogbeitrag als auch in Form eines iBooks wieder-veröffentlicht werden.

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Krebs, Matthias/ Marc Godau (2016): App-Kids. Musikmachen mit Tablets im Kindergarten. In: Kinderzeit 01/2016, S. 18-23.

 

Intro

Jüngst bat uns eine befreundete Erzieherin und Mutter um eine Beratung für den kindgerechten Einsatz von Medien. Sie selbst achte darauf, dass ihr zweijähriger Sohn nicht verfrüht das Smartphone in die Hände bekomme. Jedoch sei ihr Interesse für Apps geweckt worden, da in Videos auf facebook und YouTube mit bestimmten Apps ebenso wie mit traditionellen Instrumenten musiziert werde. Im App Store seien zudem zahlreiche Musikapps für Kinder zu finden. Nun stünde sie vor dem Dilemma, entweder ein Xylophon oder eine Xylophon-App für ihr Kind anzuschaffen. Dies veranlasste uns dazu, mehr Klarheit zu diesem Thema zu verschaffen.

Diese kurze Szene zeigt die Unsicherheiten von Pädagogen und Eltern rund um das Thema Apps, Musik und Bildung. Smarttechnologien entwickeln sich rasant und werden zunehmend zu einem Universalmedium mit einer unüberschaubaren Zahl von Anwendungsmöglichkeiten. Die oftmals hitzigen Debatten um Chancen und Risiken kränkeln daran, dass zu vielen musikpädagogischen Fragen noch grundlegende Forschungsergebnisse fehlen und Argumentationen auf einer unreflektierten Grundskepsis basieren.

Foto: Sandra Staffl

Foto: Sandra Staffl (Klax GmbH)

Vor dem Hintergrund der Musikpädagogik vertreten wir den Standpunkt, dass Xylophone aus Holz sich für die musikalische Bildung der Kinder eignen, dass aber auch Tablets ihre spezifischen Qualitäten haben, die sich gerade nicht in der virtuellen Nachbildung von Orffinstrumenten oder anderen Musikinstrumenten erschöpft. Prinzipiell gilt: Eine reine Übertragung von musikalischen Umgangsweisen (z. B. Xylophon-Spielen) auf das Tablet ist unnötig. Der pädagogische Mehrwert misst sich ausschließlich daran, ob auf Bedürfnisse reagiert wird oder Projekte initiiert werden können, die bisher Unmögliches möglich machen. Im Folgenden wollen wir der Frage nach dem Bildungspotenzial von Musikapps, auch im Hinblick auf deren Einsatz in der Kita, nachgehen und (weiter unten) einige Anwendungsszenarien skizzieren.

In den letzten zwei Jahren arbeiteten wir in Kooperation mit Klax(1). In Praxisbegleitung, Ausbildung sowie Fortbildungsveranstaltungen konzipierten, erprobten und reflektierten wir gemeinsam kreative Möglichkeiten der Mediennutzung. Zusammen mit den engagierten Erziehern überlegten wir, wie ein bildungsrelevanter Umgang mit Smarttechnologien aussieht, der den elementarpädagogischen Alltag bereichern kann. Im Fokus unserer Arbeit stehen immer Musikapps, installiert auf Tablets, die nicht nur zum Hören von Musik (Playerapps), sondern auch zum aktiven, handelnden Musiklernen, zum Musizieren und für kreative Experimente mit Klängen genutzt werden können.

 

Warum mobile Digitalgeräte und Musikapps für Kinder im Kita-Alter?

Primärerfahrungen mit Medien

Skeptiker argumentieren, dass das Musizieren mit Apps eingeschränkt sei und zudem musikalische Primärerfahrungen wie die Klangerzeugung mit Alltagsgegenständen, mit der Stimme oder dem Körper verhindere. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, jene fehlenden Primärerfahrungen würden sich negativ auf die Identitäts- und Weltkonstruktion von Kindern auswirken, da sich Wirklichkeitsbilder über das eigene Sein (Kompetenzen und Einordnung in die restliche Welt) an Musik und Bildern orientiere, die durch die Medien vermittelt würden. Anstatt Musikkulturen via YouTube über den Bildschirm kennenzulernen, sollten Kinder diese unmittelbar musikpraktisch erfahren.

Appmusik_App-Kids_Medien_Kindergarten_Krippe_Kampmann

Dieser Vorstellung ist entgegenzusetzen, dass Medien wie Fernsehen, MP3-Player und Apps Teil der gegenwärtigen Sozialisation von Kindern sind. Damit kommen Medien „nicht sekundär in eine primär medienlose Welt hinein, die sie dadurch verändern – vielmehr sind Medien selbst Teil des Weltzugangs und damit der Erkenntnis”, wie der Medienpädagoge Vollbrecht bemerkt(2). Weitet man damit den Blick, dann kommt es heutzutage mehr denn je auf relevante Erfahrungen an, durch die es Kindern ermöglicht wird, in einer digitalisierten Gesellschaft Gestaltungsräume zu finden und zu nutzen. Vor diesem Hintergrund stellt auch das Lernen des Umgangs mit Smartphones und Tablets eine Primärerfahrung dar.

Gegenwelten

Im Verhältnis von Kindheit, Medien und Pädagogik stehen zwei sich widersprechende Positionen einander gegenüber. Während die erste Medienbildung durch Erziehung fokussiert („Kinder müssen lernen, mit Medien umzugehen“), konzentriert sich die zweite auf bestehende Medienkompetenzen von Kindern („Kinder sind immer schon mit Medien in Kontakt“)(3). Aus dieser Verwirrung resultiert einerseits eine bewahrpädagogische Haltung von Erziehenden (Eltern, Kitamitarbeitern und Lehrkräften), die vor Gefahren (etwa Konsumverhalten oder digitaler Demenz) sogenannter neuer Medien schützen. Andererseits bekräftigt die These der Medienkompetenz von Kindern, wie diese in ihrem Alltag oft selbstverständlich mit Medien und Technologien umgehen – angefangen beim Fernsehen über die Smartphone-Nutzung bis hin zur Partizipation in Online-Gemeinschaften (etwa YouTube-Channels oder Snapchat).

Aus allen Positionen wächst unseres Erachtens die Forderung, dass die Medienkompetenz von Kindern gefördert werden muss. Denn im schlimmsten Fall wachsen Kinder in einem erzieherisch behütenden Raum auf, der jedoch mediale Inkompetenz und soziale Ungleichheit fördert. Bewahrpädagogik gefährdet unsere Kinder! Und ein pädagogisches Ausblenden von Medien durch ein „blindes“ Vertrauen in vorhandene Medienkompetenzen der Kinder übersieht die Herausforderungen, die die zunehmende Komplexität der derzeitigen und künftigen Gesellschaft an ihre Mitglieder stellt. Sie überließe Medienbildung dem Zufall.

Herausforderungen

Aber was ist mit den viel beschworenen Nachteilen, dem Versinken in öde Spiele und den vom Bildschirmgeschehen gefesselten Blicken? Eine technologiesensible Erziehung nimmt auch die Nachteile in den Blick und versucht kritisch und konstruktiv zu reflektieren, wie wir Erziehung durch Delegation an digitale Technologien (z. B. Hörbuch statt der Vorlesegeschichte) verhindern und befördern (z. B. ein eigenes Hörbuch erstellen). Insbesondere das Vorbildverhalten der Erziehenden sowie ihre Beziehung zu den Kindern und den Medien spielen hier eine Rolle. Die zu Recht beanstandeten Unhöflichkeiten, wie das Unterbrechen eines Gesprächs durch den Blick aufs Smartphone, müssen zunächst als Verhaltensregeln zwischen Menschen verhandelt werden. Somit hat die Förderung der Medienkompetenz der Kinder immer auch etwas mit Elternarbeit und Selbstreflexion der pädagogischen Fachkräfte zu tun. Sie kann nur mit, nicht ohne die Medien gelingen.

Foto: Sandra Staffl

Foto: Sandra Staffl (Klax GmbH)

Wer nicht möchte, dass die mobilen Digitalgeräte nach anfänglicher Euphorie schon bald in den Regalen verstauben, benötigt Konzepte für ein kreativ-gestalterisches Medienlernen. Die Chance kann im musikalischen Umgang mit den Geräten liegen. Um nachhaltig Bildung mit Apps anzubahnen, müssen die Technologien in die Abläufe und Konzepte des Kita-Alltags integriert werden. Dazu gehört weniger der Konsum von Medien als vielmehr der produktive, kreative Umgang mit ihnen. Beispielsweise können sie genutzt werden

  • um Klanggeschichten aufzunehmen,
  • um eigene Stop-and-motion-Filme zu erstellen und mit Klängen und Rhythmen zu unterlegen,
  • um Geräusche aus der Umgebung zu sammeln und zu Soundboards zusammenzufügen,
  • um mit dem Finger klingende Partituren zu komponieren,
  • um improvisatorisch erste Melodien auf einer Musikapp zu zeichnen oder
  • um ein kleines Konzert für die Eltern mit Instrumenten und Apps zu spielen.

Erst ein Aushandeln von Inhalten zusammen mit den Kindern, ein gemeinsames Sammeln von Erfahrungen, ein Hinterfragen und eine bewusste, produktive Anwendung hilft allen Beteiligten, einen kompetenten Umgang mit Medien zu entwickeln. Die Auseinandersetzung aller mit den technischen Herausforderungen gehört zu diesen Lernprozessen dazu. Die Präsentation von Medienangeboten, die durch Pädagogen perfekt vorbereitet wurden und in denen sich die Kinder nur noch auf das vermeintlich Wesentliche konzentrieren müssen, reduziert dabei das Lernen mit Technologien auf wenige Bereiche. Auch Technologie ist Lerngegenstand.

 

Warum mobile Digitalgeräte in der Kita?

Vom Lernen der Kinder

Fast immer findet der erste Kontakt mit mobilen Digitalgeräten in der Familie statt. Kinder nehmen so bereits im Alltag an Medienwelten teil. Kinder schauen sich die Mediengewohnheiten ihrer Eltern, Großeltern oder Geschwister ab und erlernen so in mimetischen Prozessen den Umgang mit Technologien. Immer wieder ist zu beobachten, mit wie viel Neugier Kinder diesen Technologien begegnen.

Foto: Jay Ahimsa

Foto: Jay Ahimsa

Ob Kinder dabei einen sinnvollen, selbstständigen und verantwortungsvollen Umgang erlernen, hängt von spezifischen Lernsituationen im Alltag (in der Kita oder zu Hause) ab.

Mobile Digitalgeräte im Elternhaus

Wie die aktuelle KIM-Studie(4) zeigt, sind Familien grundsätzlich medial sehr gut ausgestattet. Eine repräsentative Befragung von mehr als 1500 Eltern(5) kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Eltern die Mediennutzung reglementieren, aber nur ein Drittel regelmäßig mit den Kindern über Medieninhalte spricht.

Basis: Eltern von Grundschul- und Kindergartenkindern. Quelle: IfD-Umfrage 7202, Oktober 2014.

Basis: Eltern von Grundschul- und Kindergartenkindern. / Quelle: IfD-Umfrage 7202, Oktober 2014.

Weiter stellt der Mediendschungel für Eltern eine Überforderung dar, da sie mitunter gar nicht einzuschätzen vermögen, ob etwa eine App reiner Zeitvertreib oder ein ernst zu nehmendes Bildungsangebot ist. Den Umgang mit Medien auf das Elternhaus zu verlagern, genügt also nicht. Es braucht Pädagogen, die offen und zugleich kritisch-reflexiv Technologien in Angebote einbeziehen.

Mobile Digitalgeräte in Kitas

Wie und ob Smartphones und Tablets in Kindertageseinrichtungen genutzt werden, ist stark abhängig von der Haltung, den Wertvorstellungen, den Medienerfahrungen und den Kompetenzen der Pädagogen. Diese gilt es zunächst zu reflektieren, um Möglichkeiten der Integration von Apps für das Musiklernen auszuloten: Welche Einstellungen habe ich selbst zu Musik und Medien? Wie lerne ich selbst mit den Medien? Welche Bedingungen für die Förderung musikalischer Bildung mit Medien sind aktuell vorhanden/notwendig? Was sollen Kinder über Musik und Medien lernen? Worauf basieren diese Ziele (Hörensagen, eigene Erfahrung, Bildungspläne etc.)?

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Musik in der Kita

Ergänzend kommt für unser Thema hinzu, dass in der Erzieherausbildung Stimmbildung, Liedrepertoire oder Instrumentalspiel oft nicht oder nur unzureichend vorkommen. Schwierig ist auch die Situation, dass angehende Erzieher „nur noch geringe oder gar keine musikalische Vorerfahrung mit[bringen]. Und die Curricula der Fachschulen haben sich verschoben – weg von der Grundlagenarbeit hin zur Lernfeldpädagogik“(6). Viele pädagogische Fachkräfte fühlen sich deshalb überfordert von dem Anspruch, die Kinder musikalisch zu fördern. Einige von ihnen verwenden dann lediglich CDs zum Mitsingen, da sie sich ohne Gesangs- oder Instrumentalausbildung unsicher fühlen oder sich grundsätzlich für unmusikalisch halten. Andere legen die gesamte Verantwortung musikalischer Ausbildung in die Hände von externen Fachkräften, die einmal wöchentlich kommen. Dies ist weder aus musik- noch aus medienpädagogischer Perspektive befriedigend. Der Einsatz externer Fachkräfte kann ergänzen, aber nicht ersetzen.

Appmusik_App-Kids_Medien_Kindergarten_Krippe

Sind auch viele Erzieher digitalen Medien gegenüber aufgeschlossen, so fällt die Integration neuer Medien in einen Angebotsrahmen im Kindergartenalltag zumeist dennoch schwer. Zugespitzt wird dies durch die Vorurteile, Kinder würden in der Entwicklung ihrer Kreativität gestört und Mediennutzung führe automatisch zu mangelnder Konzentration sowie zu Aggressionen. So fürchten etwa laut den Ergebnissen einer Allensbach-Umfrage(7) ein Drittel der Erzieher und ein Viertel der Eltern sogar, dass die digitale Mediennutzung Talente verkümmern lässt. In der Folge spielen Medien in den meisten Kindertagesstätten (94 Prozent) keine große Rolle. Die häufigste Nutzung beschränkt sich auf das Vorführen von Videos.

Potenziale

Aus musikpädagogischer Sicht erzeugt eine bewahrpädagogische Manifestation von Widerständen gegen digitale Medien mehr Probleme als Lösungen. Denn sie bevormundet und verhindert die Ausbildung von Strategien für den selbstbestimmten Umgang in einer Welt, in der Musikkulturen Medienkulturen sind. Musik wird im digitalen Studio produziert sowie überwiegend mittels digitaler Medien vermittelt (z. B. digitales Radio, YouTube, Streaming-Angebote) und gelernt (z. B. Kennenlernen von Musikstars über Fernsehsendungen, YouTube-Tutorials oder Apps). Dabei muss in einer musikpädagogischen Medienkritik unseres Erachtens zunächst die Praxis der Integration von Musikmedien in Kitas bemängelt werden. Denn vielerorts überwiegt dort, wie bereits erwähnt, die Beschränkung auf CD-Player, aus denen Musik ertönt, zu der mitgesungen oder getanzt wird.

Tipp: Klingende Geschichten mit Apps

Seit Langem werden Klanggeschichten in Kitas und Schulen genutzt, um musikalische Erfahrungen durch die Umwandlung von Text in Musik anzubahnen. Sie nehmen die Kinder mit auf eine spannende Abenteuerreise hinaus in die Welt, indem Stimmungen, Charaktere oder Verläufe in Instrumentenklänge verwandelt werden. Dies geht in Form einer interaktiven Vertonung einer Geschichte in der Gruppe bis hin zum Produzieren ganzer Hörspiele.

Appmusik Musikapp_Morphwiz

Empfehlenswert ist die App Morphwiz (iOS, android, Windows). Die App stammt von einem Zauberer. Per Finger-Wisch werden sphärische Klänge erzeugt, die viele magische Atmosphären herstellen. Durch das Wechseln der Presets tauchen Nutzer in verschiedene Welten ein, die sich visuell und klanglich voneinander abheben. Und wenn man unterschiedliche Linien einblendet, können darauf sogar Melodien gespielt werden.
Weitere Apps dazu: BeBot (iOS), TC-Performer (iOS) und Nodebeat (iOS und android)

Wir denken, dass besonders Musikapps neue Möglichkeiten bieten, Zugänge zu Musik divers zu gestalten und mit Zielen der Bildungsbereiche Musik und Medien zu vereinen. Als Ausgangspunkt für die Integration mobiler Digitalgeräte gelten folgende Punkte:

  • intuitive Bedienung der Geräte
  • diverse Musikapps für einen umfangreichen Pool pädagogischer Angebote (siehe Beispiele)
  • individuelle Anpassung der Geräte und Apps an die Bedürfnisse und Kompetenzen der Kinder

 

Welchen Beitrag können Musikapps zur musikalischen Bildung leisten?

Im Zuge der pädagogischen Auseinandersetzung mit Kompetenzen innerhalb der letzten Jahre hat die Bedeutung des Improvisierens, Arrangierens, Komponierens und Aufführens für alle Altersgruppen gegenüber dem Musikhören in erheblichen Maße zugenommen. Im Mittelpunkt musikalischer Bildung stehen nicht rezeptive und transformative Umgangsweisen wie Musikhören und das Bildermalen zu Musik. Mobile Digitalgeräte bieten unter anderem folgende musikalische Möglichkeiten für Kinder:

  • Förderung der Kreativität durch Komponieren, Improvisieren und Experimentieren mit Musikapps
  • Förderung des musikalischen Selbstkonzeptes (sich als musikalisch wahrnehmen lernen) musizieren von Anfang an mit anderen in der Gruppe
  • musizieren mit vielen Sinnen (Musik machen mit den Augen, Töne verändern durch Bewegung, Töne erzeugen mit den Händen und Fü̈ßen)
  • andere Kulturen kennenlernen (etwa spielen verschiedener Tonleitern auf virtuellen Instrumenten)
  • flexible Integration in bestehende Musikpraktiken (z. B. Kombination von Apps mit traditionellen Instrumenten)
  • individualisiertes Lernen (Stichwort: Inklusion)
  • Erweiterung des musikalischen Handlungsrepertoires (z. B. filmen, vertonen und teilen mit anderen)

Dabei muss selbstverständlich bedacht werden, dass ein unreflektierter Umgang mit Apps nicht minder problematisch ist als ein Einfach-Drauflossingen, ohne auf eine kindgerechte Stimmlage oder adäquate Inhalte zu achten.

 

Musikmachen mit Tablets?

Technologische Herausforderung

Unübersehbar ist mittlerweile die Flut an digitalen Geräten mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Sie können dann zur Unterstützung von Alltagsroutinen genutzt und flexibel in den Tagesablauf eingebettet werden. Doch welche Anforderungen müssen die Smarttechnologien im Kita-Alltag erfüllen? Grundsätzlich zeigen Erfahrungen dass eine Anschaffung von einem bis zwei Geräten pro Einrichtung oder pro Gruppe ausreicht. Tablets passen gut in Kinderhände und sind dennoch so groß, dass alles deutlich gesehen werden kann. Eine zusätzliche wasser- und sanddichte sowie eine an den Rändern gepolsterte Hülle sorgen dafür, dass weder im Freien noch bei einem Absturz etwas passieren kann. Für viele musikalische Einsatzbereiche reicht schon der kleine Lautsprecher im Gerät aus. Doch ist der Klang deutlich besser, wenn man die Tablets mit Kopfhörern verwendet. Ein Verteiler sorgt für gemeinsame Freude mit Kopfhörern und ermöglicht verschiedene Musikprojekte in einem Raum. Mit einem günstigen Kabel können die Tablets aber auch an einer Stereoanlage angeschlossen werden, um die musikalischen Ergebnisse für alle hörbar zu machen.

Tipp: Kinder musizieren mit Apps

Ohne Noten mit Kindern Musik machen: Unter den zahlreichen Musikapps für Tablets und Smartphones sind solche zu finden, mit denen Kinder ein vielfältiges Instrumentarium in die Hand bekommen, um selbst kreativ zu werden. Sie können zumeist vor einem liebevoll gestalteten Hintergrund kindgerecht erste Kompositionen erstellen oder Musik improvisieren.

Empfehlenswert sind die Apps LOOPIMAL (android und iOS) und Sketch-a-Song (android und iOS). Bei der App LOOPIMAL handelt es sich um eine handgezeichnete App mit lustigen Animationen und Sounds. Auf einfache Weise lassen sich kleine musikalische Sequenzen miteinander kombinieren, zu denen lustige Tiere tanzen. Schließlich lässt sich dazu mit anderen Instrumenten mitspielen, es genügen die weißen Tasten als Töne der C-Dur-Tonleiter.
Weitere Apps dazu: Toca Band (iOS) und Jambandit (iOS)

Die benötigten Apps zum Musikmachen kosten wenig bis gar nichts. Für Apple-Geräte (mit iOS-Betriebssystem) gibt es viele interessante, bildungsrelevante Musikapps, die mitunter 1 bis 4 Euro kosten. Demgegenüber sind die Musikapps für Geräte anderer Hersteller (mit android-Betriebssystem) meist primitiver und haben Werbeeinspielungen, sind dafür aber kostenlos. Insgesamt können wir iPads (iOS) empfehlen, da aktuell besonders zum Musikmachen vielfältigere und leistungsfähigere Apps verfügbar sind. Musikapps als Hilfsmittel So wie Apps den Alltag bereichern (z. B. Kalender, Wecker oder Karte), können sie auch auf vielfältige Weise als Hilfsmittel das Musikmachen unterstützen. Sie helfen beim Stimmen der Gitarre, erleichtern die Anfertigung von Liedersammlungen oder bieten an, die Gesangsbegleitung an die Stimmlage der Kinder (z. B. Anytune Pro, iOS; ChordBot, iOS, android; Tin Pan, iOS) und im Tempo anzupassen.

Musikapps als Instrumente

Etliche Musikapps ermöglichen das Instrumentalspiel als virtuelle Nachbildung von Gitarren, Piano oder Schlagzeug, ohne jemals traditionelle Instrumente zu ersetzen. Die Vorteile liegen in der einfachen Verfügbarkeit sowie dem umfangreichen Klangspektrum: Aus einer Akustikgitarre wird schnell eine E-Gitarre, ohne dass Zusatzgeräte vonnöten sind. Die vielleicht spannendere Variante sind Musikapps mit völlig neuartigen Oberflächen und Musiziermöglichkeiten (wie SoundPrism, iOS; ThumbJam, iOS; ImproVox, iOS). Sie laden zu kreativen Entdeckungsreisen ein, denn auch ohne Notenkenntnisse können mit ihnen leicht Kinderlieder klanglich abwechslungsreich umgesetzt werden.

Musikapps als Lernmedien

In den App Stores stehen ebenso Apps zur Verfügung, die spielerisch in musikalische Inhalte einführen können (Rhythmus, Notenlehre oder Orchester). Die Datenbank des Deutschen Jugendinstituts(8) beispielsweise bietet eine umfangreiche Auswahl von Lernapps für Musik und andere Bildungsbereiche, die nach Eignung für verschiedene Altersgruppen unterteilt werden.

Musikapps als Experimentallabor

Schließlich existieren auch zahlreiche Apps, die das Experimentieren mit Klängen, Farben und Formen erlauben. Sei es das Verändern der eigenen Stimme durch Effektgeräte (improVox, iOS; RoboVox, iOS und android), ein niedrigschwelliger, improvisierender Zugang zu Musik (PlayGround, iOS; AUXY, iOS) oder das Bauen ganz eigener Musikapps (Musyc, iOS; NodeBeat, iOS und android), die den Vorstellungen der Kinder entspringen.

 

Fazit

In diesem Sinne bleibt zu sagen, dass „Digital Detox“ – also selbstverordnete Medienabstinenz – keine Heilslehre ist, auch wenn sie zu interessanten Erfahrungen anstiften kann. Ein pädagogisch begründetes generelles „Smartphone-Verbot“ wird dem gesellschaftlichen Auftrag von Erziehung keinesfalls gerecht. Immer schon hat Erziehung in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche auf Medienentwicklungen reagieren müssen (das Buch als Gefahr der Verdummung, der Fernseher als Gefahr der Manipulation oder der Computer als Gefahr der Cybersucht) und stellt die Erziehenden vor heraus fordernde Aufgaben. Es bleibt natürlich in Forschung und Praxis weiter zu klären, wie wir unseren Kita-Alltag mit den vorhandenen Technologien sinnvoll gestalten können, damit zukunftsrelevante Bildungsinhalte mit Apps erkannt und umgesetzt werden.

Tipp: Klänge sehen — Farben hören mit Apps

Kann man Musik sehen? Welche Farbe hat ein Geigenjubel oder ein Paukendonner? Eine Reihe von Apps bietet Kindern Möglichkeiten, Melodien und Rhythmen zu malen. Mit einem oder mehreren Fingern können sie grafische Partituren erstellen und diese anschließend erklingen lassen. Geometrische Formen, Tropfen und Linien lassen sich auf einer Spieloberfläche zu Mustern arrangieren und ermöglichen ein Experimentieren mit Klängen und Verläufen.

Empfehlenswert ist die App Singing Fingers (iOS) oder Finger Paint With Sounds (android). Die App Singing Fingers ermöglicht das malen von Klängen. Wenn man singt oder Geräusche macht und gleichzeitig über die weiße Oberfläche streicht, entstehen Farben – abhängig von der Tonhöhe. Hat man sein Klangbild gemalt, können die Mikrophon-Aufnahmen nun mit dem Finger wieder vor- oder rückwärts abgespielt werden. Das Bild wird nun zum Instrument.
Weitere Apps dazu: BeBot (iOS), TC-Performer (iOS) und Nodebeat (iOS und android)

Kitas, Grundschulen und Eltern tragen dafür Sorge, dass die Kinder Kompetenzen entwickeln, mit denen sie Problemstellungen mithilfe von immer weiter entwickelten digitalen Technologien kreativ und reflektiert lösen. Das Spannende besteht darin, dass mit Musikapps als innovative Medien sowohl niedrigschwellige als auch komplexe Angebote initiiert werden können. Wenn wir auch alle bereits Technik- sowie Musikexperten sind, ist es an jedem Einzelnen, die individuellen Kompetenzen kontinuierlich weiter zu fördern. Musikalische und mediale Bildung kann daher nicht einzig an externe Stellen wie Musikschule oder Kulturprojekte delegiert werden. Jedoch auch das Xylophon durch eine Xylophon-App zu ersetzen und das Mobilgerät auf die Funktion eines Trägermediums zu beschränken, widerstrebt einer Entfaltung des Bildungspotenzials digitaler Technologien. Die Relevanz der vielen Apps ergibt sich nicht bereits durch ihr Vorhandensein, sondern erst dann, wenn sie für spezifische Aufgaben zu neuen und anregenden Lösungen verhelfen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Erkunden der neuen musikalischen Lernwelten.

Tipp: Kinderlieder begleiten mit dem iPad
Apps können mobile Digitalgeräte wie Smartphones und Tablets aber auch in Musikinstrumente verwandeln. Darunter gibt es einfach zu bedienende Apps, mit denen Lieder von Erzieher_innen harmonisch begleitet oder Rhythmus-Apps mit denen interessante Rhythmen (Beats) komponiert werden können.

Appmusik_Akkord-Begleitung-Apps

Empfehlenswert zur harmonischen Begleitung sind die Apps guitarism (iOS) , SoundPrism (iOS) und Chordion (iOS).

Die App SoundPrism macht die harmonische Begleitung spielend einfach. Die Oberfläche gliedert sich in drei Hauptbereiche. Links lassen sich Basstöne auswählen, zu denen auch die Notennamen angezeigt werden können. Im mittleren Bereich (grau unterlegt) befinden sich mehrere Schaltflächen zur Konfiguration, mit denen die Akkordzusammensetzung, die Tonart sowie verschiedene Klangfarben ausgewählt werden können. Im rechten Bereich setzen sich die Basstöne horizontal in Oktav-Zeilen fort. Indem mehrere Zeilen gleichzeitig gespielt werden, ergeben sich Akkorde.

Appmusik_Rhythumus_Drum-Begleitung-Apps

Empfehlenswert zum rhythmischen Begleitung sind die Apps Drummy (iOS), Drums XD (iOS) und DMACH (android).

Musikalischer Rhythmus und Bewegung zur Musik sind für Kinder elementar und stellen zugleich tragende Säulen des Bildungsbereiches Musik und Rhythmik dar. Drummy ist eine App, die sich für das einfache Komponieren von gut klingenden Beats eignet. Die Oberfläche zeigt ein Raster, das dazu beitragen kann, die Konstruktionsweise musikalischer Rhythmen verstehen zu lernen. Spielerisch entstehen Beats per Fingertipp. Dafür stehen verschiedene Sounds zur Verfügung und auf der Unterseite findet man zusätzliche Drumpads für das Solospiel.
Weitere Empfehlenswerte Musikapps: Chordion (iOS), guitarism (iOS), SoundPrism (iOS), Thumbjam (iOS), GarageBand (iOS), Fiddlewax (iOS) sowie Drummer (iOS) und Loopseque (iOS)

Zitation: Krebs, Matthias/ Marc Godau (2016): App-Kids. Musikmachen mit Tablets im Kindergarten. In: Kinderzeit 01/2016, S. 18-23.

 

Anmerkungen

(1) Klax ist ein internationaler Bildungsträger und betreibt Kindergärten in Berlin, Brandenburg,
Niedersachsen und Schweden. www.klax-online.de
(2) Ralf Vollbrecht (2014): Mediensozialisation. In: Angela Tillmann, Sandra Fleischer, Kai-Uwe Hugger (Hg.): Handbuch Kinder und Medien, Wiesbaden, S. 117.
(3) vgl. Johannes Fromme / Ralf Biermann / Florian Kiefer (2014): Medienkompetenz und Medienbildung. Medienpädagogische Perspektiven auf Kinder und Kindheit. In: Angela Tillmann, Sandra Fleischer, Kai-Uwe Hugger (Hg.): Handbuch Kinder und Medien, Wiesbaden.
(4) Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2014): KIM-Studie 2014. Verfügbar über: http://www.mpfs.de/?id=646
(5) AOK-Familienstudie 2014, SINUS-Institut, Teil 1: Repräsentativbefragung von Eltern mit Kindern von 4 bis 14 Jahren, Berlin. Verfügbar über: http://www.aok-bv.de/imperia/md/aokbv/presse/pressemitteilungen/archiv/2014/aok_familienstudie_2014_gesamtbericht_band_1.pdf
(6) Karoline Braun (2014): Musik-Kita – (k)ein Einzelschicksal. Neue Wege zur Erweiterung des musikalischen Angebotes in Kindertagestätten. In: Bertelsmann Stiftung: Mika. Fachtagung Musikalische Bildung im Kita-Alltag, S.19. Verfügbar über: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/MIKA_Broschuere_Fachtagung.pdf
(7) Institut für Demoskopie Allensbach (2014): Digitale Medien in Grundschule und Kindergarten. Ergebnisse einer Befragung von Eltern, Lehrkräften an Grundschulen und Erzieher(innen) in Kindergärten. Verfügbar über: https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/dts-library/materialien/pdf/ergebnisse_allensbach-umfrage_gesamt.pdf
(8) Deutsches Jugendinstitut: Datenbank – Apps für Kinder. Abrufbar über: http://www.datenbank-apps-fuer-kinder.de

 

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Die zunehmende Entwicklung von Smarttechnologien hat auch für musikalische Lernprozesse neue Möglichkeiten eröffnet. Jedoch gibt es bisher kaum empirischen Belege für die Wirkung unterrichtlichen Lernens mit Apps. Ebenso fehlen Aussagen darüber, welche Anforderungen das Musiklernen mit Apps an Schüler_innen stellt. Am 18. März 2016 konnten Matthias Krebs und Marc Godau bei der diesjährigen GMP-Tagung in Köln erste Erkenntnisse aus ihrer Pilotstudie „TOUCH:MUSIC #1 #musikpädagogische_besonderheiten #appmusik“ vorstellen. In diesem Beitrag stellen sie zentrale Punkte sowie die Folien des Vortrages Interessierten zur Verfügung.

Appmusik - Besonderheiten in musikpädagogischer Praxis_12

Die derzeitige intensive Auseinandersetzung ergibt sich mit der thematischen Rahmung des Feldes „Angebote Kultureller Bildung und Appmusik“ innerhalb des BMBF-geförderten Projektes TOUCH:MUSIC.

Apps in musikpädagogischen Zusammenhängen stellt ein Forschungsdesiderat dar

In großem Umfang stehen heutzutage Musikapps für verschiedene musikalische Lernszenarien zur Verfügung: Das Lernen musikalischen Fachwissens wie Musiktheorie und Gehörbildung, die Unterstützung musikalischer Praxis durch Stimmgeräte, Effekte oder Aufnahmeprogramme als App und nicht zuletzt auch die Förderung von Kompetenzen wie das Instrumentalspiel auf Apps im Ensemble.

Über die Verwendung von Smartphones und Tablets in verschiedenen musikpädagogischen Zusammenhängen sind innerhalb der letzten Jahre konkrete Beispiele auch für den Musikunterricht vorgestellt worden (siehe dazu auch in diesem Blog: hier, hier und hier). Dagegen ist jedoch seitens empirischer Forschung eine andere Situation zu verzeichnen, in der wir in der Beziehung von Musikpädagogik und Musiklernen mit Apps ganz am Anfang stehen.

Bei der hier vorgestellten Untersuchung handelt es sich um eine Pilotstudie, die nach Besonderheiten musikpädagogischer Praxis mit Apps fragt. Dass wir aufgrund der geringen Datenmenge zum derzeitigen Punkt keine abschließenden Antworten darauf geben können, erklärt sich insbesondere durch das explorative Design der Studie. So ging es uns um die Untersuchung eines ersten Falls und um einen möglichst offenen Forschungsfokus, der auf interaktionale Prozesse in der AG gerichtet ist und die Bedeutung des Umgangs mit den Technologien und den Akteuren aus Sicht der Teilnehmer_innen rekonstruiert.

Das Kulturelle Bildungsprojekt app2music als Untersuchungsgegenstand

Untersucht wurde ein regelmäßig stattfindendes Nachmittagsangebot an einer Berliner Schule. Diese Appmusik-AG ist Teil des Kulturellen Bildungsprojektes »app2music – Appmusik-AGs an Berliner Schule«. Das Projekt läuft seit 2014 gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Unter wechselnden Themen finden an mehreren Berliner Schulen Appmusik-AGs im Nachmittagsbereich statt. Angeleitet werden AGs von Musiker_innen als Teil der app2music-Community. In Anlehnung an Prinzipien der Community of Practice tauschen sich die Mitglieder regelmäßig über ihre musikalischen Vermittlungsarbeiten mit Apps aus. Plattformen dafür sind regelmäßig stattfindende Treffen, ein gemeinsamer Projekt-Blog sowie eine facebook-Gruppe. Die hier untersuchte AG mit 8 Teilnehmer_innen wurde von einer Musikerin und einem Musiker in einem Teamteaching-Format angeleitet.

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Das Thema des Halbjahres lautete »Soundtracks of our Lives«. Es war konzipiert als diversitätssensibles Musikprojekt: Grundsätzlich war das Projekt offen für alle, obgleich einzelne Schulen teils auch auf Klassenstufen beschränkte. Die Schüler_innen sollten sich in der AG mit Musikstücken beschäftigen, die in ihrem Leben eine besondere Rolle gespielt haben oder spielen. In den AGs wurde über die Musik gesprochen, das je Besondere herausgestellt und in Gruppenkompositionen überführt. Diese Kompositionen wurden in einem gemeinsamen Konzert von insgesamt 10 AGs öffentlich aufgeführt.

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Foto: Finn Dorian

Den qualitativen Datensatz bildeten Einzelinterviews mit den AG-Leiter_innen, ein Gruppeninterview, in denen AG-Schüler_innen sowie -Leiter_innen auf das gemeinsame Lernen in der AG hin befragt wurden, und die Blogartikel der Anleiter_innen.

Die Auswertung erfolgte mit den Verfahren der Grounded Theory. Dabei wurden die Daten in Prozessen ständigen Vergleichens im Hinblick auf hervortretende Differenzen bzw. die beobachteten Unterschiede untersucht. Ausgehend davon wurden die Gruppenprozesse in der AG rekonstruiert, wobei die hier vorgestellten Ergebnisse einen ersten Einblick in die Untersuchung geben sollen.

Vortrag auf der Tagung der Gesellschaft für Musikpädagogik (GMP)

Im Vortrag wurde gezeigt, wie die in der Untersuchungsgruppe genutzten Technologien zum Medium sozialer Differenzierung wurden. Innerhalb der Gruppen wurden mittels der Technologien einerseits Hierarchien ausgebildet und andererseits eine Abgrenzung von anderen Gruppen sowie insgesamt von anderen musikalisch-kulturellen Bildungsangeboten im Nachmittagsbereich der Schule möglich.

Außerdem wurden Unterschiede in den Kompetenzzuschreibungen festgestellt. Aus der Perspektive der Schüler_innen bedeutete dies besonders die Haltung, Musikapps nicht lernen zu müssen oder Trickapps zu nutzen, bei der die App alles Notwendige für die/ den Spieler_in übernehme. Aus Perspektive der Anleitenden basierte die Kompetenzschreibung vor allem auf Motivation, Alter, Geschlecht und Erfahrung. Dies hatte wiederum Konsequenzen in den Interventionen der beiden Dozent_innen, indem kompetent zugeschriebenen Schüler_innen Tipps und weniger kompetenten konkrete Anweisungen gegeben wurden.

Bei den Interviews mit den Anleitenden wurde zudem ein Konflikt zwischen der Rolle als pädagogisch Handelnde_r und der Rolle als Musiker_in deutlich, der sich auf drei Dimensionen als intra-, interpersonaler sowie situationaler Konflikt zeigte.

Die Folien unseres Tagungsbeitrages zum Nachschauen, Teilen und Download

Hiermit stellen wir Interessierten gern unsere Folien aus dem Vortrag zur Verfügung.

 

 

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